Fürth hält den Ball flach

Schön spielen und dann zuschlagen

Von Michael Fischer, Fürth
16.07.2022
, 11:28
Fürther Flachpässe: Marc Schneider erläutert seine Spielidee.
Die Spielvereinigung Greuther Fürth bleibt auch mit dem neuen Trainer Marc Schneider ihrer Spielidee treu, will aber Nuancen verändern. Im Kader ist der große Umbruch nach dem Abstieg ausgeblieben.
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Dem Franken sagt man ja nach, dass er bisweilen etwas eigen sei. Die Menschen in diesem Landstrich sind dem Klischee nach meist kauzig, eigenbrötlerisch, launisch, maulfaul, auf Fränkisch mumbflerd. Sie neigen eher zum Pessimismus als zum Optimismus, die Lebensmaxime manches Einwohners lautet: Nicht geschimpft ist genug gelobt – oder verkürzt: Bassd scho.

Auch Marc Schneider hat natürlich gehört, dass die Franken manchmal ein komisches Volk sein können. Spricht man den neuen Cheftrainer der Spielvereinigung Greuther Fürth darauf an, lacht er erstmal herzhaft. Dann erzählt der Schweizer, dass er die Klischees nicht bestätigen kann. Dass ihm die Menschen in und um Fürth bisher sehr offen begegnet sind, weder negativ noch wortkarg.

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Freundlich und warmherzig

Bei der Saisoneröffnung des Kleeblatts sah man Schneider zuletzt mit vielen Fans sprechen – und lachen. Mit seiner freundlichen und warmherzigen Art hat der Schweizer offenbar schon viele Menschen in Fürth begeistert und will das von diesem Samstag an auch mit schönem und erfolgreichem Fußball tun.

Um 13 Uhr (im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) beginnt für die Spielvereinigung mit einem Heimspiel gegen Holstein Kiel die neue Saison in der Zweiten Bundesliga.

2. Bundesliga

Nach einem sehr ernüchternden Jahr in der ersten Liga mit nur 18 Punkten und ohne Auswärtssieg sind die Fürther wieder zurück in ihrer gewohnten Umgebung. In der Liga, deren Ewige Tabelle sie mit 104 Punkten Abstand vor dem FC St. Pauli anführen.

In der Liga aber auch, in der es die Absteiger oftmals sehr schwer haben, weil es dort anders zugeht, weil dort ein anderer Fußball gespielt wird, ein härterer – und weniger der schöne Offensivfußball, für den sie in Fürth seit je stehen wollen.

Sportliche Qualität fehlte

Vor einem Jahr durften sich die Verantwortlichen des Kleeblatts in ihrer Philosophie des „Fürther Flachpass“ bestätigt sehen. In der Saison 2020/2021 führte die Spielvereinigung diese mitunter begeisternde Spielweise in die Bundesliga – mit dem angeblich zweitgeringsten Etat aller Zweitligaklubs.

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Der damalige Trainer Stefan Leitl hatte aus einer sportlich strauchelnden Mannschaft innerhalb von zweieinhalb Jahren einen starken Aufsteiger geformt. Eine Klasse höher aber reichte die sportliche Qualität der Mannschaft nicht, um den Weg konsequent weiterzugehen.

Statt Klose kommt ein Unbekannter

Der Abstieg war die logische Konsequenz. Auf einen Neuanfang eine Liga tiefer hatte Leitl keine Lust mehr. Immer wieder wurde der Trainer mit Erstligaklubs in Verbindung gebracht, entschied sich aber für einen Wechsel zum Ligakonkurrenten Hannover 96. Als Nachfolger Leitls wurden vom Boulevard Namen wie Miroslav Klose oder Martin Demichelis gehandelt. Doch statt ehemaliger Profis des FC Bayern verpflichteten die Fürther Marc Schneider. Wen?

Es war ein Name, den niemand auf dem Zettel hatte. Der 41-Jährige aus dem Berner Oberland feierte nach seiner aktiven Spielerzeit mit dem kleinen FC Thun erstaunliche Erfolge, führte seinen Heimatverein einmal auf Platz vier der Super League vor den Großklubs aus Zürich und durfte in der Europa-League-Qualifikation spielen.

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Schneider stellte Geschäftsführer Rachid Azzouzi mit Rainer Widmayer, der lange beim VfB Stuttgart war, einen erfahrenen Mann an die Seite. Mit Stefan Kleineheismann kam zudem ein junger Ko-Trainer, der einst Kapitän der Fürther A-Jugend und U 23 war und zuletzt mit Frank Kramer bei Arminia Bielefeld gearbeitet hatte.

Zwei Toptalente verpflichtet

Das neue Trainerteam darf eine Mannschaft betreuen, in der ein großer Umbruch ausgeblieben ist. Die Führungsspieler Paul Seguin und Sascha Burchert verließen den Verein zwar genauso wie Havard Nielsen und der Senkrechtstarter Jamie Leweling.

Dennoch haben die Fürther nach dem Abstieg eine erfahrene Achse von Torhüter Andreas Linde über das gesamte Feld bis nach vorne zu Kapitän Branimir Hrgota, der zwar offen mit einem Wechsel liebäugelt, aber bis auf weiteres als Führungsfigur vorangeht.

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Die Abgänge hat Azzouzi fast durchweg mit Talenten aufgefangen, im Sommer kamen gleich sechs Spieler, die unter 20 Jahre alt sind – darunter in dem 19-jährigen Armindo Sieb vom FC Bayern und dem erst 17 Jahre jungen Sidney Raebiger von RB Leipzig auch zwei deutsche Toptalente und U-Nationalspieler.

Was alle in Fürth eint, ist die Idee des schönen Spiels. Das neue Trainerteam will den gepflegten Offensivfußball aber in Nuancen verändern. Es soll schneller nach vorne gehen, mit sehr kurzen Ballkontaktzeiten, was manchem Feingeist, der den Ball länger am Fuß hat, zu Beginn widerstrebte. „Du musst den Gegner immer wieder bespielen, du musst sie mürbe machen, bis sie irgendwann einen Fehler machen“, sagte Widmayer. „Und dann musst du zuschlagen.“

Quelle: F.A.Z.
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