3:1 gegen Wolfsburg

Haalands Rückkehr mit Kung-Fu

Von Christian Otto
27.11.2021
, 18:46
Bringt die Dortmunder mit seiner Rückkehr zum Jubeln: Haaland
Der BVB gewinnt in Wolfsburg und setzt nun die Bayern unter Druck. Beides hat mit dem Comeback eines Unterschiedsspielers und der Jobauffassung eines zuletzt Gescholtenen zu tun.
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Seine Rückkehr hatte etwas Wundersames. Schon nach rund 70 Minuten, als sich Erling Haaland auf seine Einwechslung vorbereitet hatte, war es im Stadion des VfL Wolfsburg lauter geworden. Und als dem Norweger in der 81. Spielminute prompt sein zehnter Saisontreffer gelang, spendeten 13.281 Zuschauer verblüfft Applaus. Borussia Dortmund kann wieder auf die Tore des Ausnahmekönners bauen.

Bundesliga

Der von einer Muskelverletzung genesene Haaland rundete mit seinem Tor einen hart erkämpften 3:1-Sieg in Wolfsburg ab. Er lässt die gesamte Fußball-Bundesliga herzlich grüßen. Wenn Verfolger Dortmund am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) bei Tabellenführer Bayern München antritt, ist mit Haaland wieder zu rechnen. „Natürlich“, erklärte BVB-Trainer Marco Rose, „ist Erling ein Unterschiedsspieler. Er gibt dir Energie, ist da und macht sein Tor.“

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Der Wirbel um Haaland lenkte wie so oft von viel Wesentlichem ab. Zu den Profis, die den Unterschied zwischen zwei ambitionierten Teams ausgemacht haben, gehörte auch ein zuletzt gescholtener Mann. Emre Can sorgte im Mittelfeld von Borussia Dortmund für eine starke Mischung aus Ballsicherheit, Spielintelligenz und Grundaggressivität. Genau das gelingt ihm nicht immer.

Am Mittwoch, als der BVB durch ein 1:3 bei Sporting Lissabon in der Champions League gescheitert war, hatte Can zu viel Wut im Bauch und eine Rote Karte gesehen. Im Wolfsburger Stadion bekam er für sein Einsteigen mit Wucht Zuspruch, weil er dieses Mal vernünftiger agiert hatte. Der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler räumte gegnerische Kollegen aus dem Weg und mit Vorurteilen auf. Mit harten Tacklings und klugen Pässen gab Can den Takt der Borussia vor. Er erzielte mit einem an Marco Reus verursachten Foulelfmeter das 1:1 (35.). Und nach dem Dortmunder 1:2 durch Stürmer Donyell Malen hielt Can ein Team zusammen, das vom VfL Wolfsburg stark gefordert worden war.

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Drei zentrale Fragen standen in Wolfsburg zur Klärung an. Wie hat Borussia Dortmund das vorzeitige Aus in der Champions League verkraftet? Und wie belastbar ist Torjäger Haaland nach seiner Muskelverletzung am Hüftbeuger? Und kann Dortmund den FC Bayern wirklich schon wieder ärgern? Um die Antworten zu klammern: Die Borussia hat sich mit nicht lange mit Jammern und Hadern aufgehalten. Abgesehen von dem frühen Gegentreffer in der 2. Minute gaben die Dortmunder mehrheitlich den Ton an. Und sie waren auf dem Weg zum Sieg auch nicht von einem Einzelkönner wie Haaland abhängig. Mit viel Tempo und Finesse bahnte sich Angreifer Malen immer wieder seinen Weg. Er ist im Gegensatz zu Haaland kein Spezialist für Aktionen im Strafraum und kam trotzdem zu guten Gelegenheiten. Doch wofür Malen anderthalb Halbzeiten benötigt, das erledigt einer wie Haaland innerhalb weniger Minuten. Aus einer schönen Flanke von Julian Brandt machte der Mann mit der Rückennummer 9 mit Hilfe eines Kung Fu-Schusses ein Tor. Dass er einen Monat lang verletzt gefehlt hatte, war in diesem Moment nicht zu erkennen.

Die Lobpreisungen für Haaland wollten nach Spielende kein Ende nehmen. Alle Profis von Borussia Dortmund machten mit ihrer Einschätzung einen verbalen Knicks vor ihrem wuchtigen Kollegen. „Erling ist eine Waffe“, sagte Brandt kurz nach Spielende über Haaland. „Das gibt der Mannschaft Selbstvertrauen“, meinte Can zur Rückkehr des Stürmers.

Allerdings waren die BVB-Spieler auch selbstkritisch genug, um vor lauter Haaland-Jubel eigene Unzulänglichkeiten einzuräumen. Mit Blick auf das Spitzenspiel in München räumte Can ein, dass die Borussia in Wolfsburg nicht über 90 Minuten gute Werbung in eigener Sache gemacht hatte. Denn zu besten Dortmunder Spielern hatte nach dem Seitenwechsel auch Torhüter Gregor Kobel gezählt, der immer wieder Schüsse des anrennenden Gastgebers abwehren musste.

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Was mit Blick auf Borussia Dortmund rätselhaft bleibt, ist die Anfälligkeit für frühere Gegentore. In Wolfsburg waren gerade einmal zwei Minuten gespielt, als der VfL schon jubeln durfte. Dessen Torjäger Wout Weghorst konnte eine Hereingabe von Ridle Baku mit der Brust verwerten. In der Anbahnung dieses Treffers hatte sich die linke Abwehrseite mit Nico Schulz in der Hauptverantwortung austricksen lassen. Doch der Lapsus war schnell vergessen. Denn aus viel Ballbesitz und Kontrolle hatte Borussia Dortmund anders als zuletzt in der Champions League viel Zählbares gemacht. Drei Tore beim heimstarken VfL Wolfsburg zu erzielen, das gelingt in dieser Konsequenz nur wenigen Teams der Liga. Deshalb fühlte sich dieser Dortmunder Auswärtssieg auch wie eine Empfehlung für den Titelkampf an.

Quelle: FAZ.NET
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