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Hamburger SV

Als großes Ganzes gescheitert

Von Frank Heike, Hamburg
Aktualisiert am 29.06.2020
 - 11:14
Wie geht es weiter mit Dieter Hecking beim HSV? Der Verein hat sich bereits positioniert.
Trotz der Blamage vom Sonntag und dem verpassten Aufstieg kann HSV-Trainer Hecking seine Arbeit fortführen. Doch Stetigkeit nur um der Stetigkeit willen ist keine Lösung.

Als vor einem guten Jahr die wegweisenden Entscheidungen für die anstehende Zweitligasaison getroffen wurden, erhielt der Hamburger SV reihum Applaus. Dieter Hecking, 55 Jahre alt, kam als namhafter Trainer, Jonas Boldt hatte sich als Sportchef bei Bayer 04 Leverkusen einen Namen gemacht. Die Mannschaft wirkte gut gemischt aus Profis mit Einsätzen in der Bundesliga und solchen, die die zweite Liga kannten.

Hunt, Jatta, Leibold und Harnik, dazu Kittel, Fein, Kinsombi und Dudziak: Nur der VfB Stuttgart hatte einen edleren Kader. Zudem waren Lewis Holtby und Pierre-Michel Lasogga gegangen, Namen und Gesichter, die für verfehlte und erfolglose Hochpreispolitik standen. Darüber saß Bernd Hoffmann, der gewiefte Vorstandsvorsitzende, der sich bestens mit dem Trainer-Schwergewicht verstand, mehr noch: Hecking respektierte. Was immer hilft, wenn sich Hoffmann tatsächlich daran hält, den sportlichen Bereich öffentlich unkommentiert zu lassen.

2. Bundesliga

Dass es wieder viel neues Führungspersonal gab, weil Trainer Hannes Wolf und Sportchef Ralf Becker entlassen worden waren nach Rang vier in der Saison 2018/19, ging unter, so hoffnungsvoll waren die Hamburger, nun endlich die Richtigen in verantwortlicher Position gefunden zu haben. Als der HSV nach elf Spielen und 24 zum Teil ansehnlich herausgespielten Punkten Erster war, wirkte das Ganze so stimmig wie selten in den vergangenen zehn Jahren. Die Erwartungen sind hier nämlich gar nicht mehr so groß. Ruhepol Hecking würde es schon richten, in dieser Saison ganz bestimmt! Im Spätsommer 2019 liebte Hamburg diesen Trainer. Und der Trainer fühlte sich wohl. 30 von 69 möglichen Punkten aus den folgenden 23 Spielen sind hinzugekommen. Aus dem stabilen Aufstiegskonstrukt wurde ein Klötzchenturm, wie ihn Dreijährige bauen.

13 Trainer seit 2010

Nun steht kein Stein mehr auf dem anderen. Oder? Tatsächlich steckt der Traditionsverein wieder in der Klemme. Ausdrücklich sollen keine Schuldigen mehr gesucht und gefunden werden, keine Einzelpersonen, die dann vom Hof gejagt werden. Dafür steht Boldt. Er will weg vom Einstellen und Entlassen der Trainer innerhalb eines Jahres – 13 Coaches hat der HSV seit 2010 verschlissen. Der übliche Reflex soll diesmal ausbleiben, und deswegen hat Hecking trotz der Blamage vom Sonntag die Chance, seine Arbeit fortzuführen. Was er auch will. „Ich bin kein wankelmütiger Mensch“, sagte er, als er souverän Worte für das 1:5 gegen den SV Sandhausen und seine Rolle in dieser so enttäuschenden Serie 2019/20 fand: „Wir haben als großes Ganzes angefangen und sind jetzt als großes Ganzes gescheitert.“

Boldt hatte gesagt, Hecking sei sein erster Ansprechpartner. Dabei bleibt er. Doch entscheidet überhaupt Boldt? Oder Marcell Jansen? Der Präsident des HSV e.V. und Chefkontrolleur der HSV Fußball AG hat bisher nur Nichtssagendes von sich gegeben – was für Hecking und Boldt nichts Gutes heißen muss.

Die Frage ist: Hilft Stetigkeit, hilft die Abkehr vom Ein-Jahres-Trainer-Prinzip, wenn die Überzeugung fehlt, den Richtigen auf der Bank zu haben? Stetigkeit nur um der Stetigkeit willen kann keine Lösung sein. Sicher haben Boldt, Kaderplaner Michael Mutzel und Chefscout Claus Costa Fehler gemacht. Die dünn und schwach besetzte Innenverteidigung brauchte in der Winterpause dringend Verstärkung. Anders als im Sturm, wo Leihspieler Joel Pohjanpalo einziger Lichtblick der Rückrunde war, half Jordan Beyer in der Abwehr jedoch nicht weiter.

Insgesamt aber hat die Führung Hecking viele Wünsche erfüllt. Die Abwehr konnte der Trainer trotz vieler Umstellungen nicht mehr stabilisieren – die fünf Gegentore am letzten Spieltag und vier Last-Minute-Gegentreffer zuvor zeigten, wo der HSV den Aufstieg verspielte. Ein Punkt aus den letzten drei Spielen, zehn Punkte aus den neun Spielen seit dem Wiederbeginn: Wie vor einem Jahr brach der HSV in der wichtigsten Phase der Saison ein. Gegen die Kieler und die Heidenheimer forderte das Team Gegentore geradezu heraus. Meter um Meter wich es zurück. Zentnerschwer wirkte die Last, aufsteigen zu müssen.

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Wie hatte der Stuttgarter Sportchef Sven Mislintat bei „Sport-Bild“ gesagt: „Wenn man in der zweiten Liga beim VfB arbeitet, und für den HSV gilt genau dasselbe, kann man nichts gewinnen, nur verlieren. Es ist gefühlt die Fortsetzung des Abstiegskampfes aus der Bundesliga.“ Gut formuliert! Genau deshalb hatte der HSV druckresistente Typen ausgesucht. Hecking und sein Assistent Dirk Bremser vorneweg. Auf dem Rasen aber waren am Ende nur Aaron Hunt und Pohjanpalo dem Stress gewachsen. Wo alle den Kopf einzogen, forderten sie den Ball. Das endete gegen den SV Sandhausen tragikomisch: Hunt lieferte treu an Pohjanpalo ab, was der Gegner schnell durchschaute. Konzepte gegen tiefstehende Teams? Taktische Varianten? Wechsel, die sitzen, Umstellungen, die fruchten? Seit dem 2:3 gegen den VfB Stuttgart am 28. Mai bot Hecking seiner Mannschaft nichts Hilfreiches mehr an. Der HSV spielte dürftig und warf den Aufstieg in einer Art weg, die alle Spötter begeistert haben wird. Am Sonntag klatschten hartgesottene Hamburger Fans für die Sandhausener, weil sie für den Fall der Relegation eine Blamage gegen Werder befürchteten.

Der Hamburger Weg sollte trotz der massiven Verschuldung zweimal darin bestehen, mit vergleichsweise teuren Mannschaften aufzusteigen. Mindereinnahmen wegen der Corona-Pandemie und die sich andeutende Abkehr des Financiers Klaus-Michael Kühne erzwingen eine neue Strategie. Favoriten werden andere sein. Der HSV wird zum normalen Zweitliga-Vertreter. Vielleicht hilft das Hecking – oder dem nächsten HSV-Trainer.

Quelle: F.A.Z.
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