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Mainz 05 wieder im Training

Mehr Nähe durch Distanz

Von Daniel Meuren
Aktualisiert am 08.04.2020
 - 18:19
Trainieren mit gebotenem Abstand: Trainer Achim Beierlorzer zeigt es seinen Spielern bei Mainz 05.
Bei der Rückkehr auf den Trainingsplatz wahren die Fußballprofis von Mainz 05 Abstand. In Telefonaten aber spürt Trainer Beierlorzer neues Zusammenrücken.

Mit richtigem Fußball hatte es noch nicht so viel zu tun, was Mainz 05 bei der Rückkehr auf den Trainingsplatz betrieben hat. Das merkt man schon an den Worten, mit denen Achim Beierlorzer die ersten Gehversuche nach Wiederaufnahme eines Mannschaftstrainings beschrieb.

„Wir haben einen Parcours aufgebaut und nutzen dabei die nebeneinanderliegenden Plätze, um möglichst weit voneinander entfernt zu sein. Markierungen auf dem Rasen legen die Abstände fest“, sagte der Trainer am Mittwoch in einer Online-Medienrunde. „Wir haben unsere Pläne akribisch ausgearbeitet, dem Gesundheitsamt vorgelegt, und das halten wir exakt ein.“

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In Mainz wahren sie sogar stets zwei Meter Distanz statt der empfohlenen 1,50 Meter. Beierlorzer musste deshalb auch etwas lauter werden als gewöhnlich. Sein Team habe bei der Begrüßungsansprache in einem riesengroßen Kreis und entsprechend weit entfernt auch von ihm gestanden, damit jeder Spieler ausreichend Abstand zum Nebenmann einhält. Die Torhüter seien unterdessen die einzigen, die den Ball mit ihren Handschuhen anfassen dürften.

Bei seinen Feldspielern habe er festgestellt, dass es nach drei Wochen ohne Ball einer gewissen Eingewöhnungszeit im Passspiel bedurft habe. Und dann sprach Beierlorzer die wohl treffenden Worte: „Wir sprechen von Bewegung am Ball. Das sind keine Trainingseinhalte, von denen wir vor Corona gesprochen haben.“

„Fußball nicht über Gesellschaft erheben“

Für Beierlorzer ist jene Normalität mit Zweikämpfen und Kopfballduellen noch sehr fern. Dem 52 Jahre alten Fußballtrainer war die Vorsicht anzumerken, mit der er den kleinen Schritt zurück in Richtung Normalität gegangen ist. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wie im Optimalfall von der Deutschen Fußball Liga erhofft am ersten oder zweiten Mai-Wochenende scheint für ihn derzeit noch keinen Gedanken wert. „Wir beschäftigen uns sicherlich noch lange nicht mit der Detailarbeit für die letzten neun Gegner. Die Vorbereitung auf das, was vielleicht kommt, ist viel zu unsicher“, sagt Beierlorzer. „Man muss immer aufpassen, was man schon jetzt als fix annimmt. Derzeit ist das aus moralischen Gründen nicht umsetzbar, dass wir schon Fußballspiele planen. Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass wir den Fußball über die Gesellschaft erheben.“

Damit spielte der Trainer auf die Umstände an, unter denen „Geisterspiele“ nach den bisherigen Konzepten abgehalten werden sollen. Die Bundesligaspieler sollen dann in engen Abständen ständig auf das Coronavirus getestet werden. Für Beierlorzer ist das selbstredend nur dann denkbar, wenn das Gesundheitswesen solche nicht unbedingt nötigen Tests überhaupt von seinen Kapazitäten her verkraften würde.

Mainz 05 will mit allem Nachdruck den Eindruck vermeiden, dass der Verein eine Sonderrolle für den Fußball beansprucht. Auch Sportvorstand Rouven Schröder betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass der Klub mit aller Demut die Anweisungen der Behörden befolgen werde, wenn beispielsweise vom einen Tag auf den anderen wieder individuelles Training wie in den vergangenen drei Wochen empfohlen würde.

Schweißt die Situation enger zusammen?

In jenen Wochen war Beierlorzer bei seiner Familie in Franken und hat seine Spieler dennoch von ganz anderen Seiten kennengelernt. „Im Trainerstab haben wir klargemacht, dass jeder die Spieler öfter kontaktiert. Und zwar nicht per Whatsapp, sondern im persönlichen Gespräch“, sagte Beierlorzer. „In so eine Extremsituation hat man andere Themen mit den Spielern. Ich hatte mit jedem Spieler ein persönliches Gespräch in jeder Woche. Da hat man sie anders kennengelernt, weil es eben nicht nur um Fußball ging, sondern auch um persönliche Dinge, über die man sonst nicht ins Gespräch kommt.“

Er habe dadurch persönliche Situationen mitbekommen, sei es vom Spieler, der mit seinem Hund spazieren geht, oder von jemandem, der allein lebt und in die dritte Woche Einzeltraining geht und viel Langeweile verspüre. „Wir haben aber auch mitbekommen, dass in der Mannschaft untereinander kommuniziert wurde. Ich spüre da eine große Solidarität. Auch im Team wurde miteinander kommuniziert. Das ist von selbst gekommen, die Situation hat dazu geführt, da musste nichts von außen angestoßen werden.“

Beierlorzer hat die Hoffnung, dass die Situation seine Mannschaft enger zusammenschweißt für den Abstiegskampf, den Mainz 05 schließlich noch immer irgendwann zu bestehen hat. Gewissermaßen hofft man bei Mainz 05, dass durch die erzwungene Distanz sich am Ende vielleicht eine größere Nähe entwickelt in einem Kader, der bisweilen etwas wenig geschlossen wirkte.

Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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