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Große Aufregung um Protokoll

Hertha nennt Klinsmann-Vorwürfe „perfide und ungehörig“

 - 15:00
Das Protokoll von Jürgen Klinsmann wirft Hertha BSC eine „Lügenkultur“ vor.

Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz hat die Vorwürfe aus einem Protokoll für den früheren Berliner Cheftrainer Jürgen Klinsmann als „perfide und ungehörig“ zurückgewiesen. Der Fußball-Bundesligaverein behalte sich rechtliche Schritte vor, sagte Preetz am Mittwoch in Berlin. Er könne nicht einordnen, ob es ein Putschversuch gewesen sei. „Dann hat es in jedem Fall nicht funktioniert“, betonte der ehemalige Profi.

Die „Sport Bild“ hatte zuvor Auszüge aus einem Papier veröffentlicht, das für Klinsmann und einen Partner verfasst worden war. In dem Protokoll steht unter anderem über die Hertha: „Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung.“ Die Rede ist zudem von einer „Lügenkultur“ und „jahrelangen katastrophalen Versäumnissen“ von Manager Preetz. Aus Klinsmanns Umfeld hieß es, dass es sich um ein internes Papier als Bestandsaufnahme und Analyse handele. Dies sei geleakt worden. Der frühere Bundestrainer war am 11. Februar nach nur elf Wochen im Amt als Hertha-Chefcoach zurückgetreten.

„Es ist in der Tat so, dass man in diesen Tagen den Eindruck gewinnen kann, dass wir bei Hertha BSC nicht wirklich zur Ruhe kommen in dieser wichtigen sportlichen Phase dieser Saison“, sagte Preetz. Die Vorwürfe habe man im Verein mit großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen. „Es wurde ja im Prinzip auch keiner von seiner Kritik ausgenommen.“ Preetz, der in dem Papier besonders häufig stark kritisiert wurde, versicherte: „Ich halte das aus, ich bin stabil.“ Trainer Alexander Nouri, der unter Klinsmann als Assistent geholt worden war und nach dessen Rücktritt zum Cheftrainer aufstieg, betonte, dass er von dem Papier nichts gewusst habe.

Das Management von Klinsmann bestätigte nach der medialen Veröffentlichung die Echtheit des Protokolls, rätselt allerdings darüber, wie es an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Klinsmann habe keine Absicht, eine Abrechnung mit Hertha zu betreiben. In der internen Bestandsaufnahme und Analyse des 77-Tage-Auftritts von Klinsmann in der Hauptstadt werden massive Vorwürfe gegen den Klub erhoben. Praktisch Tag für Tag wird darin geschildert, welche angeblichen Fehlleistungen sich die Hertha-Verantwortlichen in der kurzen Klinsmann-Ära leisteten. Es wird von einer einer Mannschaft geschrieben, die bei der Übernahme durch Klinsmann in einem „katastrophalen Zustand“ gewesen sei, von Klinsmanns Versuch, Ralf Rangnick für den Verein zu gewinnen, und erste Gedanken des Schwaben schon Ende Dezember, das Engagement wieder zu beenden.

Präsident Werner Gegenbauer wies die Vorwürfe mit aller Schärfe zurück. „Für uns sind weder der Inhalt des Schreibens noch die Art und Weise des Vorgehens seitens Jürgen Klinsmann und seiner Berater Andre Gross und Roland Eitel nachvollziehbar“, schrieb Gegenbauer in einer Mail an die Hertha-Mitglieder über das Dokument. Nahezu sämtliche darin enthaltende Vorwürfe würden „nicht der Wahrheit entsprechen“, betonte Gegenbauer. Der Präsident des Bundesligaklubs erklärte, dass man nun Zeuge werde, wie der ehemalige Trainer Klinsmann „abermals versucht, mit absurden Behauptungen seinen Rücktritt zu rechtfertigen“. Ein Punkt des Rundumschlages von Klinsmanns ärgerte Gegenbauer besonders: „Die schäbigen Anschuldigungen gegen die Mitarbeiter der Abteilungen Medizin und Medien weisen wir entschieden zurück.“

Das Klinsmann-Intermezzo hallt aber nicht nur nach, mit diesem Protokoll sorgt es für ein weiteres Beben bei dem sportlich schwer kriselnden Klub. Erst am vergangenen Samstag hatte die Mannschaft, die derzeit von Klinsmanns Assistenten Alexander Nouri verantwortlich trainiert wird, eine desaströse Leistung gezeigt und zuhause mit 0:5 verloren. Fans vom 1. FC Köln hatten gegen Ende höhnisch „Jürgen Klinsmann“ skandiert.

Klinsmann hatte den Posten am 27. November von Ante Covic übernommen. In dem Schreiben für Klinsmann heißt es: „Der Klub wäre ohne den Trainerwechsel Ende November direkt in die zweite Liga abgestiegen, weil er auf diese Situation gar nicht vorbereitet ist.“ Klinsmann, der als Cheftrainer des FC Bayern München 2008/09 schon vor Ablauf der Saison gescheitert war, pries den Big City Club der Zukunft. Die Spieler lobten wiederum den ehemaligen Bundestrainer Klinsmann für dessen motivierende und aufbauende Art.

Klinsmann kassierte in der Liga mit der Mannschaft drei Niederlagen, schaffte drei Unentschieden und bejubelte drei Siege. Im DFB-Pokal schied er im Achtelfinale mit den Berlinern gegen den FC Schalke 04 aus. Am 11. Februar erklärte Klinsmann sein Engagement völlig überraschend wieder für beendet und stürzte den Verein nach ohnehin schon turbulenten Wochen und Monaten ins Chaos. Hertha reagierte und sah auch keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit Klinsmann im Aufsichtsrat. Dort hatte Investor Lars Windhorst Klinsmann zunächst installiert, ehe die Trennung von Covic den Weg auf die Trainerbank frei gemacht hatte.

Seinen Rücktritt hatte Klinsmann bei Facebook erklärt und seinen Entschluss mit fehlendem Vertrauen begründet. Die Vorwürfe in dem Protokoll gehen darüber weit hinaus und machen auch vor verbalen Angriffen auf handelnde Personen nicht halt. Geschäftsführer Preetz werden zum Beispiel „katastrophale Versäumnisse“ in allen Bereichen, die mit Leistungssport zu tun haben, unterstellt. Eine „Lügenkultur“ soll auch das Vertrauensverhältnis der Spieler zu Preetz zerstört haben. Fehler, die Klinsmann in seiner kurzen Zeit gemacht haben könnte, werden in dem Schreiben nicht thematisiert. Dagegen steht unter der Überschrift: „Was muss passieren, um diesen Klub wirklich nach oben zu bringen? Die Geschäftsleistung müsse sofort (fettgedruckt und unterstrichen) komplett ausgetauscht werden.“

Quelle: tora./dpa/sid
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