Fußball-Bundesliga

In Hannover tobt ein Machtkampf

Von Christian Otto, Hannover
Aktualisiert am 23.03.2019
 - 10:06
Derzeit akut abstiegsbedroht: der Fußball-Bundesligaklub Hannover 96
Wer sollte bei deutschen Profiklubs das Sagen haben? Nicht nur darum wird es bei der Mitgliederversammlung von Hannover 96 gehen. Die Stimmung im Verein ist extrem aufgeheizt, nicht zuletzt wegen einer Testspiel-Blamage.

Was nach einer lokalen Posse klingt, steht für den Fußball bundesweit. Das Kapital oder die Vereinsmitglieder: Wer sollte bei deutschen Profiklubs das Sagen haben? Um diese Kernfrage dreht sich die Mitgliederversammlung von Hannover 96 an diesem Samstag. Der langjährige Präsident Martin Kind zieht sich als Vorsitzender des Stammvereins zurück.

In der für den Bundesliga-Spielbetrieb entscheidenden Kapitalgesellschaft und einem undurchsichtigen Firmenkonstrukt will er aber an der Macht bleiben. Seine Kritiker werfen ihm vor, den Verein über Jahre mit einem Mangel an Demokratie und Transparenz geschadet zu haben. Sogar den Vorwurf der Bereicherung zu Lasten des Vereins gibt es. Kind dagegen verfährt nach dem Motto: Wer die Kapelle bestellt, bestimmt die Musik. Als Hauptgesellschafter und Mäzen von Hannover 96 möchte er, dass die Investoren das Sagen haben. Also vor allem er.

„Alle gucken gespannt auf Hannover. Wir sind Vorreiter“, sagt Sebastian Kramer. Er spricht für eine hartnäckige Opposition und will Nachfolger von Kind an der Spitze des Vereins werden, damit sich dessen Mitglieder nicht entmündigt fühlen. Kramer tritt gegen Michael Herter an, einen von Kind unterstützten Kandidaten. Mit Hilfe von Mailings, Videobotschaften, Presserklärungen und juristischen Gefechten liefern sich beide Seiten einen erbitterten Wahlkampf. Man spricht übereinander statt miteinander. „Wir wollen eine neue Zukunft einläuten“, sagt Herter. Er will Kinds Wirken und die Vergangenheit ruhen lassen. Ihn treibt auch an, ob rund um den Wandel des Vereins zu einem Wirtschaftsunternehmen wirklich alle mitgenommen worden sind.

Die Stimmung in Hannover ist extrem aufgeheizt. Die künftige Besetzung des Aufsichtsrates für den Verein ist mitentscheidend über die künftigen Machtverhältnisse. Kind läuft Gefahr, dass sein Wirken bei Hannover 96 immer mehr Gerichte beschäftigt. Seine Gegner stellen nicht nur die Personalie Kind, sondern das Kind-System als Ganzes in Frage.

Wie sehr sich auch die Mannschaft in einer existenziellen Krise befindet, verdeutlichte einmal mehr das Testspiel gegen den Zweitligaklub Arminia Bielefeld am Freitagabend. Der Tabellenvorletzte der Bundesliga verlor 0:5.

Quelle: F.A.Z.
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