Sportvorstand Christian Heidel

Das Mainzer Ur-Gen

Von Peter H. Eisenhuth
14.10.2021
, 20:38
Mainzer Macher: Sportvorstand Christian Heidel
„Bei mir wird es nie ums Geld gehen“: Christian Heidel hat einen neuen Vertrag beim FSV unterschrieben. Die Laufzeit: unbefristet. Der Mainzer Macher hat mit seinem Klub noch Großes vor.

Ein Vertrag auf Lebenszeit? Davon möchte Christian Heidel nicht sprechen, auch wenn der ursprünglich bis Sommer 2022 laufende Kontrakt, den der Sportvorstand des FSV Mainz 05 mit dem Aufsichtsrat verlängert hat, keine bestimmte Laufzeit vorsieht. „Es ist ein Vertrag, der auf großem gegenseitigem Vertrauen beruht“, sagte er am Donnerstagnachmittag, einige Stunden nachdem der Verein die neue Übereinkunft bekanntgegeben hatte.

Bundesliga

Mainz 05 bleibe immer eine Herzensangelegenheit für ihn, sagt der gebürtige Mainzer, der 1992 den Posten des Managers beim damaligen Zweitligaverein übernommen hatte und ohne den die Entwicklung des Vereins hin zu einem etablierten Erstligaklub undenkbar gewesen wäre. Im Frühjahr 2016 verabschiedete er sich zum FC Schalke 04, Ende Dezember vorigen Jahres kehrte er an seine alte Wirkungsstätte zurück, jetzt als Vorstand Strategie, Sport und Kommunikation. Im Schlepptau hatte Heidel den früheren Trainer Martin Schmidt, der seither als Sportdirektor fungiert.

„Kein normales Arbeitsverhältnis“

Nach insgesamt rund 26 Jahren bestehe zwischen dem Verein und ihm „kein normales Arbeitsverhältnis“. Sollte eine Seite es irgendwann für angebracht halten, die Zusammenarbeit aufzukündigen, müsse man sich nicht über eine Restlaufzeit unterhalten. „Das brauchen wir hier nicht“, betont Heidel, und: „Bei mir wird es nie ums Geld gehen.“ Heidel verkörpere „so etwas wie das Ur-Gen von Mainz 05“, begründete Aufsichtsratsvorsitzender Volker Baas die Vertragsverlängerung in einer Mitteilung des Klubs. „Er hat den Verein in seiner gesamten Entwicklung geprägt und aktuell wieder zu sportlicher Stabilität geführt. Für eine solche Persönlichkeit gelten andere als die in der Branche üblichen Gesetzmäßigkeiten.“

Den Weg, den er im Dezember eingeschlagen habe, wolle er fortsetzen, und den Verein weiter stabilisieren und entwickeln, kündigte Christian Heidel an. „Wir sind noch nicht fertig mit unserem Projekt. Mir geht es darum, jetzt nicht lockerzulassen, sondern die positive Entwicklung weiter anzuschieben.“ In erster Linie gehe es darum, dass der Verein wieder etwas mehr zu sich finde, darum, „dass die Mainzer sich wieder mehr mit Mainz 05 identifizieren“. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist in den vergangenen Jahren zunächst wegen dürftiger Leistungen, dann auch wegen der coronabedingten Restriktionen zum Teil auf der Strecke geblieben. „Leute zu verlieren, ist einfacher, als sie zurückzugewinnen“, sagt Heidel. „Aber das müssen wir probieren, und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“

Auch Vertrag von Schmidt vor Verlängerung

Sportlich müsse der Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. „Es ist keine Schande, wenn wir mal gegen den Abstieg spielen. Das kann bei einem Klub dieser Größe passieren“, räumt der Sportvorstand ein. „Aber wir werden alles dafür tun, damit möglichst wenig zu tun zu haben.“ Dieses „wir“ impliziert Martin Schmidt, mit dem er sich demnächst zusammensetzen wolle, um auch dessen bis zum Sommer laufenden Vertrag zu verlängern. Und es beinhaltet Bo Svensson, den Trainer, den Heidel im zweiten Schritt zwischen den Jahren vom österreichischen FC Liefering an den Bruchweg zurückgeholt hatte.

Svensson habe die Art des Fußballs, mit dem Mainz 05 groß geworden sei („Ball erobern, und dann geht die Post ab, ohne viele Schnörkel“) wieder „überragend implementiert“. Diese Spielweise gelte es einfach weiterzuentwickeln. „Bevor wir einen neuen Schritt gehen können mit 70 Prozent Ballbesitz, wird noch eine Menge Zeit vergehen.“

Mit der Rückrunde der vorigen Saison habe die Mannschaft die Messlatte sehr hoch gelegt, sagt Heidel. „Das werden wir nur schwer noch mal erreichen“ – aber wenn Trainer und Team den Stil dieser Halbserie fortsetzten, kämen sie dem Ziel, sich von den Abstiegsplätzen zu entfernen, sicher näher. „Wir dürfen uns nicht davon beeindrucken lassen, dass die Ergebnisse ab und zu nicht stimmen. Das ist kein Grund, von unserem Weg abzugehen.“

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot