<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Mainz-05-Vorstandschef Hofmann

„Ich will prägen und mitgestalten“

Von Daniel Meuren, Mainz
 - 12:16
„Die Zeit der Unruhe haben wir schon hinter uns“: Stefan Hofmann ist seit Januar Vorstandsvorsitzender von Mainz 05

Am Montagabend steht die Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 an. Es ist die erste Versammlung nach der Wahl des neuen ehrenamtlichen Vereins- und Vorstandsvorsitzenden Stefan Hofmann im Januar. Der frühere Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums hat den Verein trotz einer sportlich schwierigen Situation in der vergangenen Saison wieder in ruhige Fahrwasser geführt. Vergessen schienen die turbulenten Zeiten, als nach dem Abschied von Manager Christian Heidel zu Schalke 04 zunächst die Diskussion um die höchst intransparente und stattliche Entlohnung des ehrenamtlichen Vorsitzenden Harald Strutz eine veritable Vereinskrise ausgelöst hatte. Dessen Nachfolger Johannes Kaluza führte dann höchst unglücklich ein halbes Jahr lang den Klub, ehe er sich dem Druck der Mitarbeiter beugte und den Weg für abermalige Neuwahlen freimachte.

Die neue Ruhe stört nun ein Bericht des Kicker über angebliche Hinterzimmerpolitik im Klub: Das Sportmagazin bezieht sich dabei auf Satzungsänderungsvorschläge bezüglich der Honorierung des Vorstandsvorsitzenden sowie der Machtfülle des Aufsichtsrats und vor allem auf eine einvernehmliche Einigung zwischen dem Altvorstand um den früheren Präsidenten Harald Strutz und dessen früherem Stellvertreter Jürgen Doetz und dem Aufsichtsrat auf der anderen Seite im Zuge der Entlastung der im Juni 2017 aus den Ämtern geschiedenen Altvorstände. Gemäß eines Protokolls der Aufsichtsratssitzung vom 14. November 2017, dessen Inhalt FAZ.NET bekannt ist, wurde die Entlastung einstimmig verabschiedet, nachdem der Altvorstand sich zu einer Bezahlung von 12.000 Euro bereiterklärt hatte. Der Kicker fragt, wofür diese Summe veranschlagt wurde, ohne die recht einfach einzuholende Antwort nachzureichen: Die 12.000 Euro waren nach Informationen von FAZ.NET als Ausgleich dafür gedacht, dass Vorstandsmitglieder ohne die aus Compliance-Gesichtspunkten nötige Sorgfalt kostenlos VIP-Karten verteilt haben. Der Betrag sollte im Geschäftsjahr 2016/17 – und nur dafür war eine Entlastung durch den neu installierten Aufsichtsrat nötig – womöglich entstandene Schäden auf Kosten des Vereins ausgleichen. Nachdem die Vergabepraxis zuvor nie wirklich geregelt war im Klub, sah der Aufsichtsrat die Klärung des Umgangs mit Ehrenkarten an Politiker, Funktionäre oder Geschäftspartner schon während der Mitgliederversammlung im vergangenen Oktober als einen ersten Erfolg im Bemühen um Transparenz und Compliance an. Seither vergibt der Klub weniger als die Hälfte an kostenlosen VIP-Karten ab. Die Berichterstattung zum jetzigen Zeitpunkt kommt dem Klub besonders ungelegen, da er am Montagabend vermutlich abermals von seinem Ziel berichten wird, durch Formulierung eines Compliance-Handbuchs zum transparentesten Bundesligavereins werden zu wollen.

Vorstandschef Hofmann bezieht im Interview zu den geplanten Satzungsänderungen Stellung und spricht über seine Vision von Mainz 05.

Mainz 05 ist mutig geworden seit Ihrer Wahl zum Vorsitzenden im Januar: Der Verein wirbt mit bemerkenswert selbstironischen Plakaten um Zuschauer, bezieht klar Stellung gegen die AfD und arbeitet in ungewohnter Gemeinschaft mit Mitgliedern und Fans an seinem Leitbild. Zudem läuft es sportlich , abgesehen vom 0:4 bei Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend, gut – aber die Zuschauerzahlen sind weiter im Sinkflug. Was ist da los?

Ich bin kein Marketingexperte. Aber ich sehe es als wichtig an, dass wir uns inhaltlich gegenüber unseren Fans und damit auch als Marke Mainz 05 positionieren. Wie und wann sich das dann auswirkt und auch in Zuschauerzahlen ausdrückt, kann ich nicht sagen. Aber wir wissen, dass wir etwas tun müssen, nachdem wir in den unruhigen vergangenen Jahren Sympathien verloren haben und nun neues Interesse wecken müssen.

Hilft denn die neue sportliche Attraktivität der vergangenen Wochen mit ansehnlichen Spielen und viel Dramatik?

Die Korrelation ist ja nicht immer so direkt: Als wir uns das bislang letzte Mal für die Europa League qualifiziert hatten, haben wir dennoch einen Rückgang bei den Dauerkarten verzeichnet. Es geht uns um anderes: Wir wollen die Menschen wieder grundsätzlich für den Verein begeistern und die Identifikation steigern. Die sportliche Leistung ist dabei aber ein sehr wichtiger Baustein.

Jetzt steht am heutigen Montag die erste reguläre Mitgliederversammlung an. Ist das der Schlusspunkt für die Zeit der Unruhe und des Wandels bei Mainz 05 nach dem Abgang von Präsident Harald Strutz?

Ich würde nicht von einem Schlusspunkt sprechen. Es ist eher eine Etappe. Die Zeit der Unruhe haben wir schon hinter uns, jetzt geht es immer weiter darum, die Fortentwicklung des Klubs im Blick zu haben. Mit unserem neuen Team spüre ich eine Aufbruchstimmung. Wir drehen zudem an vielen Schrauben: Das betrifft die Vereinsstruktur, andere inhaltliche Themen und auch den Sport. Auch hier müssen wir uns professioneller aufstellen. Das ist ein permanenter Prozess.

Aber zumindest die Satzungsänderungen, die für die Versammlung beantragt sind vor allem von den Vereinsgremien, sollen doch der Abschluss der Strukturveränderung des Klubs sein, oder?

Das sind einige formale Themen, Klarstellungen. Aber inhaltlich ist das nicht viel.

Also eine Rückkehr zur Normalität?

Das hoffe ich, dass das so sein wird. Wir haben erfolgreiche neun Monate hinter uns seit der Wahl im Januar. Wir haben eine schwierige sportliche Situation im Abstiegskampf gemeistert. Und jetzt macht es richtig Spaß, am Gesamtkonstrukt Mainz 05 zu arbeiten.

Ein heikler Punkt steht am Montag aber auf der Agenda: Es geht auch um die Möglichkeit, dass Sie als Vorstandsvorsitzender neben der pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 3000 Euro für Tätigkeiten im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb des Klubs, also der Profiabteilung, entlohnt werden dürfen oder sogar müssen. Harald Strutz und sein Vorstand waren einst nicht zuletzt über die Intransparenz bei seiner Entlohnung gestürzt. Auch Ihr Vorgänger Johannes Kaluza zog mit Gedanken zu einer besseren Entlohnung Unmut auf sich. Fürchten Sie Gegenwind bei der Versammlung?

Nein, denn es geht auch hier nur um eine Klarstellung. In der jetzigen Satzung steht, dass der Vorstandsvorsitzende grundsätzlich ehrenamtlich tätig ist. Schon jetzt könnte der Aufsichtsrat dem Vorstandsvorsitzenden Bereiche übertragen, wenn er diesen Vorsitzenden für geeignet hält, Themengebiete auszufüllen. Der Satzungsänderungsantrag verdeutlicht das jetzt nur.

Sind Sie alsbald bezahlter Vorsitzender?

Ich werde meinen Hauptberuf ganz sicher weiter ausüben, das steht fest. Alles Weitere kann ich gar nicht beeinflussen, weil es Sache des Aufsichtsrats ist. Aber ich habe in den vergangenen neun Monaten unter Beweis gestellt, dass ich einen Verein führen kann und auch prägen will. Man wird sehen, was der Aufsichtsrat entscheidet. Aber ich könnte es mir gut vorstellen intensiver in das operative Geschäft einzusteigen.

Sie haben in Ihrem Job im Ministerium stark reduziert, die 3000 Euro wiegen da vermutlich nicht alles auf, da Sie davon alle Fahrt- und Reisekosten tragen müssen. Wäre es überhaupt denkbar, dass Sie langfristig zu diesen Konditionen Vorsitzender sind?

Die finanzielle Geschichte steht dabei nicht im Vordergrund. Es ist aber so, dass ich mir dauerhaft nicht gerecht werden würde: Ich will diesen Verein prägen und mitgestalten. Dann ist die logische Konsequenz, dass ich mir Zeit freischaufeln muss. Dafür werden Voraussetzungen geschaffen.

Welche Bereiche des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs würden Sie denn übernehmen wollen?

Das liegt auf der Hand: Ich kümmere mich derzeit schon stark um die Vereinsentwicklung und die strategische Ausrichtung, immer natürlich in Abstimmung mit meinen Vorstandskollegen. Für die Weiterentwicklung im sportlichen Bereich habe ich sicher auch eine große Affinität. Aber das große Thema, das über allem steht, ist das Thema Identifikation beziehungsweise Identität mit unserem Leitbild. Das würde ich federführend weiter vorantreiben und im Verein umsetzen wollen. Dies ergibt sich auch aus meiner Zuständigkeit für die Fanabteilung des Vereins, die das Projekt begleitet.

Was antworten Sie Zweiflern, die nun sagen: Jetzt ist Mainz 05 bald wieder bei einer Honorierung wie einst von Harald Strutz, dessen klammheimlich genehmigten insgesamt 23.000 Euro pro Monat an Aufwandsentschädigung und Beraterhonorar den Klub ja erst in die Krise führte? Um welche Summen geht es denn am Ende?

Die damals vom Vorstand selbst getroffene Regelung möchte ich nicht kommentieren, aber der Vergleich zu mir hinkt in Bezug auf Summe, Verfahren und Transparenz. Die Entscheidung liegt nicht in meiner Hand. Darüber muss sich der Aufsichtsrat, das von den Mitgliedern gewählte Kontrollorgan, erst Gedanken machen, wenn die Mitgliederversammlung den Weg mitgeht. Konkret haben wir über das alles noch nicht gesprochen, über Zahlen schon gar nicht.

Einige Satzungsänderungsanträge wie die Honorierungsfrage oder auch die Übernahme der Versammlungsleitung durch den Vorstandsvorsitzenden werden als kleine Schritte im Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat interpretiert. Zudem geht es einigen bei der Honorierung und das dort stehen soll, dass der Aufsichtsrat dem Vorsitzenden Geld bewilligen muss und nicht kann. Sind diese kleinen Kämpfe um Macht nötig?

Es geht um klare Absprachen und Regelungen. Ein Machtkampf wird aber nur von außen hineininterpretiert. Mainz 05 hat ja bewusst einen Aufsichtsrat, weil der Verein ein Kontrollorgan haben soll. Wenn der Aufsichtsrat dann tatsächlich kontrolliert, entspricht das nur seiner Pflicht.

Sie sprachen das Leitbild an: Wohin führt der Weg von Mainz 05?

Der Prozess ist ja noch nicht abgeschlossen, wir werten gerade mit der Fanabteilung Umfrageergebnisse aus. Dem möchte ich nicht vorweg greifen. Aber sicher ist, dass wir ein Sportverein mit der Hauptsparte Fußball sind. Das ist und bleibt der Kern unseres Tuns.

Kommt die aktuelle Mannschaft mit einem sehr niedrigen Durchschnittsalter und einer weltoffenen Gruppe aus Spielern aus aller Herren Länder Ihrem Ideal eines Leitbilds entgegen?

Auf jeden Fall, die Mischung stimmt: Wir haben junge, hungrige Spieler, Top-Talente aus Frankreich, Kamerun oder Spanien und dazu Talente aus dem eigenen Nachwuchs mit ein paar Stabilisatoren. Die verstehen sich untereinander gut, sind vom Alter her eng beieinander und haben einfach Lust auf Fußball. Das ist meines Erachtens die Nische, die wir noch viel klarer als bislang belegen sollten: Wir sind der Aus- und Weiterbildungsverein, der weltoffen und innovativ nach vorne schauen will bei Ausbildungsthemen von der Trainerschulung bis zur sportwissenschaftlichen und medizinischen Begleitung.

Am Montag soll die Satzung auch bezüglich Ehrenmitgliedschaften geändert werden. Ebnet Mainz 05 den Weg, mit dem früheren Vorstand Frieden zu schließen?

Wir regeln das etwas genauer, um Klarheit zu schaffen. Das hat jetzt keinen konkreten aktuellen Aufhänger. Aber eines ist auch klar: Ich habe mit dem alten Vorstand zehn oder zwölf Jahre zusammengearbeitet im Nachwuchsleistungszentrum. Ich spüre große Dankbarkeit gegenüber der Arbeit dieser Personen. Auf solche 25 Jahre können nicht viele Vereine in Deutschland zurückblicken. Da muss kein Frieden geschlossen werden, sondern es ist eine Selbstverständlichkeit, dass das gewürdigt wird.

Wie sehr stört im Bemühen um Ruhe nun, dass durch den „Kicker“ öffentlich wurde, dass der alte Vorstand im Rahmen seiner Entlastung durch den Aufsichtsrat im vergangenen Jahr gemäß einer Einigung mit dem Kontrollgremium gemeinschaftlich 12.000 Euro zahlte als Ausgleich für womöglich allzu großzügig verteilte VIP-Karten?

Das ist eine Frage an den Aufsichtsrat, der hierzu in der regulären Mitgliederversammlung am Montag Stellung nehmen wird.

Am Montag soll auch das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt werden. Gestehen Sie den Ultras noch mehr Einfluss zu?

Das ist nicht der Punkt. Es dürfen alle Jugendlichen wählen, auch jene aus unseren anderen Abteilungen, beispielsweise dem Nachwuchsleistungszentrum oder dem Handball. Uns geht es um Öffnung des Vereins für junge Menschen, weil wir gerade diese für uns begeistern wollen. Da ist das Wahlrecht ein kleiner Baustein.

Gibt es auch einen Rekordgewinn zu vermelden?

Auf jeden Fall einen sehr beachtlichen Umsatz und sehr positive wirtschaftliche Rahmendaten.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMainz 05Harald StrutzSchalke 04Johannes KaluzaChristian HeidelNeuwahlenAfDBorussia Mönchengladbach