Bundesliga-Comeback

Welche Rolle Götze bei der Eintracht einnehmen soll

Von Jörg Daniels
28.06.2022
, 17:23
Bester Laune: Mario Götze hat viel Freude an seinem ersten Arbeitstag bei der Eintracht.
Fußball-Weltmeister Mario Götze will bei Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt gebraucht werden. Seine Chefs sind überzeugt davon, dass er ein wichtiger Baustein für die Zukunft ist.
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Bevor Mario Götze Anfang Oktober 2020 zum ersten Mal in seiner Karriere ins Ausland nach Eindhoven wechselte, sagte er über seinen persönlichen Neuanfang nach der schweren Zeit beim BVB: „Jeder Spieler entwickelt sich weiter, genau wie jede Mannschaft und jeder Gegner.“ Er werde „nie wieder der alte Mario Götze sein“ – das waren seine Abschiedsworte.

Der neue Mario Götze, der nach zwei Jahren in den Niederlanden am Dienstag bei Eintracht Frankfurt seinen ersten Arbeitstag hatte, war am späten Vormittag der Erste auf dem Trainingsplatz. Er suchte sich einen Sitzplatz und zog seine Fußballschuhe an. Die Laufrunden bestritt der Frankfurter Königstransfer an der Seite von Kapitän Sebastian Rode. Nach der neunzigminütigen Einheit besprach der Weltmeister von 2014, der von den über 1000 Anhängern freundlich empfangen wurde, das Geleistete mit Trainer Oliver Glasner. Es sei „wichtig, schnell in das System zu kommen, um meine Stärken einzubringen“. Darüber habe er sich mit Glasner ausgetauscht, berichtete Götze.

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Götze der Frankfurter Zielspieler

Gesucht und gefunden: Auf der internen Einkaufsliste war Götze, der auch vor der vergangenen Spielzeit mit der Eintracht in Kontakt gestanden hatte, der Frankfurter Zielspieler. Vor dem ersten Gespräch mit dessen Berater Volker Struth waren sich die Eintracht-Verantwortlichen nicht sicher, ob es überhaupt eine realistische Chance geben würde, den WM-Helden zu verpflichten. Doch beide Seiten fanden zielgerichtet zueinander.

Der aufstrebende Europa-League-Sieger, der zur Krönung nun Champions League spielt, und der in Dortmund zum Schluss tief gefallene Götze. Auf die Frage, ob dieser der größte Eintracht-Transfer in diesem Sommer gewesen sei, antwortete Trainer Oliver Glasner im Spaß: „So groß ist Mario doch nicht, er misst knapp über 1,70 Meter.“ Von daher sei der 1,85 Meter lange Lucas Alario, der aus Leverkusen kam, ein „viel größerer Transfer“.

Will sich in Frankfurt erst mal auf die Eintracht konzentrieren: Mario Götze
Will sich in Frankfurt erst mal auf die Eintracht konzentrieren: Mario Götze Bild: Reuters

Glasner hatte im Sommerurlaub ein „längeres Telefonat“ mit Götze geführt. Ihm aufgezeigt, wie er seine Stärken in Frankfurt zur Geltung bringen könne. „Mario findet sich hier wieder“, sagt der Cheftrainer. Das gelte für jeden Neuzugang, „alle haben uns das glaubhaft vermittelt“. Götze, in den Niederlanden wiedererstarkt, findet Gefallen an dem „rundum guten Paket“, das ihm die Eintracht biete. Der Erfolg der vergangenen Jahre, Trainer, Mannschaft und die emotionalen Fans – „das ist eine großartige Synergie, eine Superkombination. Ich finde es gut, spannend und interessant“, sagte er.

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Eine Sonderrolle wird Glasner Götze nicht einräumen. „Wir werden nicht unsere Spielweise an Mario oder irgendjemand anderem ausrichten.“ Doch Götze soll zum großen Bezugspunkt werden. Die Bälle behaupten und verteilen. Kluge und überraschende Pässe in die Spitze spielen. Dieser Spielertyp fehlte den Hessen noch. „Ich will das Puzzleteil sein, das gebraucht wird.“ In engen Räumen Lücken zu finden und Lücken zu reißen – so beschrieb Götze seine spielerischen Vorzüge, die „im letzten Drittel liegen würden.

In seinen schlechten Zeiten in Deutschland war Götze kaum im Spiel. In Eindhoven änderte sich das. Dort musste er fleißig mitarbeiten im Spiel gegen den Ball, er war nicht mehr so frei in seinem Tun. Seine Begabung als umsichtiger, feiner Techniker verlor Götze dennoch nicht. Fast 90 Prozent seiner Pässe erreichten in der zurückliegenden Saison seine Mitspieler – im Kreis der Offensivspieler schnitt in der Ehrendivision keiner besser ab. Außerdem brachte es Götze teamintern regelmäßig auf die meisten Ballkontakte.

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Sein ehemaliger Trainer Roger Schmidt setzte seinen Schützling nicht im Angriff ein, sondern überwiegend im zentralen offensiven Mittelfeld. Und auf der Zehnerposition führte Götze geschickt Regie. In Eindhoven erweiterte er sein Repertoire: Zu den gewohnten Stärken des Nationalspielers kamen Kampfgeist und nimmermüder Einsatz dazu. Götze scheute sich nicht, bei Bedarf auch die unangenehme Arbeit zu erledigen. „In Eindhoven habe ich sehr gute Erfahrungen gesammelt, gerade mit dem Trainerteam“, sagte er über seine Wandlung zum Guten.

Der Körper spielt wieder mit

Die Grundlagen für Götzes intensiveres Spiel legten in Eindhoven der Fitnesstrainer, der Physiotherapeut sowie die Assistenztrainer. Sie kümmerten sich mit großer Akribie um die verbesserte Leistungsfähigkeit des Offensivspielers. Nach vielen Rückschlägen und der in Dortmund erkannten Stoffwechselkrankheit spielte Götzes Körper wieder mit. In der zurückliegenden Spielzeit stand er, durchtrainiert und topfit, so oft wie noch nie in seiner Profikarriere auf dem Platz – in 51 Pflichtspielen spielte er 49 Mal von Anfang an.

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Nach seiner Rückkehr nach Deutschland muss Götze jetzt auf höherem Niveau in der Bundesliga seine dazugewonnenen Fähigkeiten zeigen. Dass er sich das zutraut, beweist seine Arbeitsplatzauswahl. In Portugal – Benfica Lissabon mit dem neuen Cheftrainer Roger Schmidt buhlte um ihn – hätte es Götze fern der deutschen Öffentlichkeit wahrscheinlich leichter gehabt. Druck, sagt er, verspüre er keinen. Er habe viel erlebt und „ein bisschen eine andere Sichtweise auf die Dinge bekommen. Es ist wichtig, das Spiel zu genießen und auf dem Platz zu performen. Ich will nach vorne schauen“, hob Götze mit neuer Gelassenheit hervor.

Die Rückkehr in die Nationalmannschaft – Bundestrainer Hansi Flick gratulierte Götze zum Wiedereinstieg in die Bundesliga – ist für ihn „aktuell kein Thema. Das Wichtigste ist, dass ich besser werde.“

Die Erwartungshaltung sei in Frankfurt „schon immer hoch“ gewesen, sagte Glasner beim Start in die Saisonvorbereitung. „Und sie wird steigen. Das bedeutet, dass die Fans uns etwas zutrauen. Ich gehe damit relativ locker um.“ Die nötige Lockerheit will sich auch Götze bewahren. Zum Trubel um seine Person in den Jahren in München und Dortmund sagte er: „Im Endeffekt ist es Wertschätzung, eine sehr positive Sache. Es spricht auch dafür, was ich geleistet habe.“ Doch jetzt liege sein Fokus auf der Eintracht und den Herausforderungen in Frankfurt. Der Klub zählt auf den 30-Jährigen. „Mario kann der Mannschaft helfen, der Anker zu sein. Er ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft“, sagt Sportvorstand Markus Krösche.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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