Ortega zu Manchester City

Warum der Bielefeld-Torhüter ins System Guardiola passt

Von Roland Zorn
03.07.2022
, 15:18
Bye-bye, Bundesliga: Stefan Ortega  zieht es in die Premier League.
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Der langjährige Arminia-Torhüter Stefan Ortega will beim englischen Spitzenklub Manchester City eine bedeutende Rolle spielen. Hinter seinem Wechsel von Bielefeld in die Premier League steckt ein hohes Maß an Logik.
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Eine Geschichte wie ein Sommermärchen. Auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen aber steckt ein hohes Maß an Logik in diesem Wechsel vom Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld zum englischen Meister Manchester City.

Zum einen, weil Stefan Ortega Moreno der mit Abstand leistungsstärkste Profi im Kader des in Ostwestfalen-Lippe größten Fußballklubs war, zum anderen, weil beim steinreichen Champion der Premier League alle Spieler, inklusive Goalkeeper, mit dem Ball am Fuß exzellent umgehen müssen.

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Ortega kann kicken

Schließlich ist dort seit Jahren Pep Guardiola Cheftrainer, der global bekannteste und erfolgreichste Anwalt zielstrebigen Ballbesitzfußballs, der idealerweise oft genug vom eigenen Torhüter auf den Weg gebracht wird. Ederson, der brasilianische Nationaltorwart, ist als verlässliche Nummer eins bei City in der Kunst, von Kopf bis Fuß mit Guardiolas Ideen vertraut zu sein, längst geübt. Der ablösefrei gekommene Ortega Moreno, seit seiner Unterschrift unter einen Dreijahresvertrag als neue Nummer zwei vorgesehen, war in seinen zwei Bundesligajahren mit Arminia zwischen 2020 und diesem Sommer stets ein mitspielender Torhüter, dessen kurzen Anspielen, aber auch lang geschlagenen Bällen eine enorme Präzision zu eigen war.

Der Mann kann, was jeder sah, kicken und auch unter Druck die Übersicht behalten. Dazu zeichnet den mit 1,85 Metern nicht besonders langen Nordhessen, der von einem dreijährigen Intermezzo beim TSV München 1860 abgesehen, zwölf Jahre lang für den DSC Arminia spielte, eine enorme Reaktionsschnelligkeit aus. Sie verhalf ihm immer wieder zu spektakulären Paraden, die aber nach dem Klassenverbleib im Vorjahr den Bielefelder Abstieg im Mai 2022 nicht verhindern konnten. Emotional und zu Tränen gerührt wie selten verabschiedete sich Ortega Moreno nach dem 1:1 am 34. Spieltag gegen RB Leipzig von seinem Bielefelder Publikum, noch nicht wissend, wohin ihn seine Reise als Profi als nächstes führen würde.

© Twitter

Dass er ein paar Wochen später im City-Imperium beim achtmaligen englischen Meister landen würde, wäre ihm im bitteren Augenblick des Abstiegs surreal vorgekommen. So fühlte es sich für den Torwart auch an, als ihm sein Berater Jörg Neblung, der den Kontakt zu Guardiolas Vertrautem und Torwarttrainer Xabier Mancisidor hergestellt hatte, erstmals über das Interesse des Weltklubs an Ortega Moreno berichtete. Der war zu jener Zeit mit Frau und Kind auf Mallorca im Urlaub und fragte erst einmal baff vor Erstaunen: „Ist das wahr?“

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Danach brauchte er einige Tage, um sich gedanklich auf die neue Größenordnung in seinem Profileben einzustellen, ehe er, der in der Bundesliga besonders vom Wiederaufsteiger Schalke 04 umgarnt worden war, aus voller Überzeugung ja sagte. „Diese neue Herausforderung ist zu schön, um sie zu ignorieren“, sagte Ortega Moreno, als seine Entscheidung gereift war.

Trautmann als Vorbild?

Vorausgegangen war wohl auch die Zusicherung seines neuen Großklubs, in den beiden nationalen Pokalwettbewerben (FA Cup, League Cup) die Nummer eins im Tor zu sein. In der Premier League wie der Champions League wird der neue Torwart mit der Rückennummer 18 erst einmal von der Bank aus seinem international renommierten Kollegen Ederson bei der Arbeit zusehen.

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Wer aber den unstillbaren Ehrgeiz des Deutsch-Spaniers kennt, weiß, dass Ederson in Zukunft unter stärkerem Konkurrenzdruck als bisher beim Blick auf seinen amerikanischen Stellvertreter Zack Steffen steht. Der hatte sich im FA-Cup-Halbfinale bei der 2:3-Niederlage gegen den FC Liverpool einen Blackout zu viel im Duell mit Sadio Mané, dem damaligen Stürmerstar der Reds und neuen Protagonisten des FC Bayern München, erlaubt und wird nun den Verein zum Zweitligaklub FC Middlesbrough verlassen.

In Stefan Ortega Moreno hat Manchester nun mal wieder einen deutschen Keeper verpflichtet, der über außergewöhnliche Qualitäten verfügt wie einst der vom englischen Kriegsgefangenen zum City-Helden aufgestiegene Bremer Bernhard Trautmann. In Manchester nur „Bert“ genannt, sicherte Trautmann 1956 den 3:1-Sieg seiner Mannschaft im FA-Cup-Finale über Birmingham City trotz eines im Spiel erlittenen Genickbruchs ab und wurde danach zu Englands Fußballer des Jahres gewählt.

Ortega Moreno steht erst am Anfang eines Abenteuers, für das er sich voller Ehrgeiz gerüstet gibt. „Ich glaube, dass ich bei City eine bedeutendere Rolle spielen kann, als viele Leute es mir zutrauen, meine Entwicklung ist ganz sicher noch nicht zu Ende“, sagt der Torwart an der Schwelle zu seinem neuen Abenteuer. Marco Kostmann, sein Bielefelder Torwarttrainer, bescheinigt seinem Musterschüler eine „großartige Entwicklung in den letzten Jahren“, auch, „weil er nie zufrieden war mit dem, was er erreicht hat“. Das gilt auch jetzt noch.

Quelle: F.A.Z.
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