SV Darmstadt 98

„So kannst du kein Spiel gewinnen“

Von Alex Westhoff
22.11.2020
, 18:08
Erst das 0:4 gegen Paderborn im eigenen Stadion, nun folgt auch noch ein 0:3 bei Erzgebirge Aue: Der SV Darmstadt 98 befindet sich in der zweiten Bundesliga im Tief. Es gibt bei den frustrierten „Lilien“ einige Probleme.

Markus Anfang coachte sich regelrecht in Rage. Mitunter wirkte der Cheftrainer des SV Darmstadt 98 wie ein Kommentator des Spiels, manchmal wie ein Jugendcoach, der permanent auch Selbstverständlichkeiten in Kommandoform aufs Feld ruft. Den Blackout von Lars Lukas Mai verhinderte er indes nicht. Der Innenverteidiger warf sich mit hocherhobenem Arm in den Schuss eines Auer Spielers – und der Videoschiedsrichter stellte fest, dass das Handspiel knapp innerhalb des Strafraums gewesen war.

2. Bundesliga

Der von Pascal Testroet verwandelte Strafstoß (56.) zum 2:0 für die Sachsen saugte den Südhessen früh die verbliebenen, am Sonntag eh nicht sonderlich ausgeprägten Energiereserven aus Beinen und Köpfen. Weil Testroet nach einem simplen Einwurf und einer unbedrängten Flanke quasi unbehelligt per Kopf traf (7.) und Dimitri Nazarov in der Nachspielzeit noch erhöhte, haben die Darmstädter den zweiten empfindlichen Nackenschlag in Serie in der zweiten Liga hinnehmen müssen.

0:4 daheim gegen Paderborn, 0:3 bei Erzgebirge Aue lautet die ernüchternde November-Serie, nach der sich die „Lilien“ nur noch zwei Punkte vor den Abstiegsplätzen wiederfinden. „Es ist sehr bitter, ein Spiel so abzugeben, was nicht nötig gewesen wäre. Aber wir müssen da jetzt durch und ich bin davon überzeugt, dass wir da durchkommen werden“, sagte Anfang.

Hielt der SVD in der ersten Halbzeit gegen einen biederen, zuvor vier Partien sieglosen Gegner mit einer soliden Leistung noch Kurs mit seiner favorisierten aktiven Spielweise, geriet die zweite Hälfte äußerst trübe. Es gelang kein einziger nennenswerter Abschluss mehr. Und das obwohl Anfang in der Schlussphase Angreifer Serdar Dursun mit den eingewechselten Aaron Seydel, Felix Platte und Patric Pfeiffer drei großgewachsene Profis an die Seite stellte. Doch trotz vier Mann, die jeweils 1,90 Meter und mehr aufbringen, sorgte nicht mal mehr einer der lang geschlagenen Bälle für Gefahr an diesem gebrauchten Darmstädter Fußballnachmittag im Erzgebirge. Nach dem Wechsel brachte Coach Anfang mit seinen Ansagen mehr Feuer ins Spiel als die Profis in ihren Zweikämpfen.

Schon vor der Pause mussten die „Lilien“ feststellen, dass hübsche Ballpassagen allein nicht zum Ziel führen, wenn sie im oder am gegnerischen Strafraum nicht mit Stringenz und Effizienz ergänzt werden. Mehlem, der das Ziel aus guter Position verfehlte (15.), Dursun, der nach einer Ecke per Kopf an den Ball kam (17.) und Mathias Honsak, der deutlich über das Tor schoss, hatten die besten Darmstädter Gelegenheiten in 90 Minuten. Da halfen auch 60 Prozent Ballbesitz nichts. Zumal die Offensivspieler Honsak und Mehlem gleich drei gute Gelegenheiten verschluderten, als sie sich bei punktgenauen Diagonalbällen schwache Ballannahmen leisteten. Mittelfeldspieler Tobias Kempe erkannte: „Uns hat vorne die Überzeugung gefehlt, um die Dinger zu machen. So kannst du kein Spiel gewinnen.“

Quelle: F.A.Z.
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