Wirbel beim FC Bayern

Müller nimmt Ribéry nach Ausraster in Schutz

06.01.2019
, 15:28
„Dann gehen die Pferde mit ihm durch“: Thomas Müller (links) kennt Franck Ribéry seit langem.
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Die geschmacklose Attacke von Franck Ribéry auf seine Kritiker nach dem Verzehr eines goldenen Steaks beschäftigt den FC Bayern. Nun erklärt Thomas Müller, wie es zu den Beleidigungen seines Mitspielers kommen konnte.
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Thomas Müller vom deutschen Fußball-Meister Bayern München hat seinen Teamkollegen Franck Ribéry nach dessen Beleidigungen gegen seine Kritiker nach dem Verzehr eines mit 24 Karat Blattgold überzogenen Ribeye-Steaks in Schutz genommen. „In diesen Momenten, in denen er sich ungerecht behandelt fühlt, wo er überhart attackiert wird, dann gehen die Pferde mit ihm durch. Er kann sich da eben nicht so kontrollieren“, sagte Müller am Rande des Trainingslagers in Doha in Qatar am Sonntag.

„Er ist ein sehr emotionaler Mensch, wie man ihn halt auch in seiner ganzen Karriere bisher miterlebt hat“, sagte Nationalspieler Müller weiter: „Ich denke aber schon, dass es im Verlauf der Karriere besser geworden ist, auch wenn es immer wieder so Situationen gegeben hat. Es ist allerdings auch so, dass er viel attackiert wird. Wir wissen, dass Franck ein absoluter Mannschaftsspieler ist. Und wenn er sich angegriffen fühlt, ist es schon öfter vorgekommen, dass er sich um Alles auf der Welt verteidigt“, sagte der Profi des deutschen Fußball-Meisters. „Vielleicht mit Mitteln, die dann für andere durchaus überzogen sind. Er sieht das selbstverständlich dann eben anders, weil er anders fühlt.“

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„Natürlich sind das immer Themen, die ein bisschen Unruhe reinbringen. Aber eher für unseren Sportdirektor, unsere Vereinsvorsitzenden oder die Presseabteilung. Für uns als Mannschaft ist das nicht wirklich relevant“, sagte Müller. „Natürlich unterhält man sich am Tisch darüber, aber es ist eher eine private Angelegenheit.“ Grundsätzlich wisse Ribéry, „wie er sich zu verhalten hat“, betonte Müller.

© Twitter

Ribéry hatte nach Kritik an dem Verzehr des Steaks auf Sozialen Netzwerken unter anderem geschrieben: „Beginnen wir mit den Neidern und Hatern, die durch ein löchriges Kondom entstanden sein müssen: F**** eure Mütter, eure Großmütter und euren gesamten Stammbaum.“ Er schulde den Menschen überhaupt nichts, schrieb er weiter und fügte an, dass er seinen Erfolg vor allem Gott, sich selbst und seinen Vertrauten, die an ihn geglaubt haben, zu verdanken habe und ergänzte: „Für die anderen, ihr seid nicht mehr als Kieselsteine in meinen Socken!“

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Ribéry hat für seine Entgleisungen im Internet laut Vereinsangaben eine Geldstrafe erhalten. „Natürlich muss der Verein reagieren und hat reagiert. Dementsprechend ist das Thema durch für uns. Wir wollen wieder sportliche Themen in den Vordergrund stellen, auch wenn das nicht so einfach ist im Trainingslager, das Thema zu verdrängen“, sagte der 29-Jährige. Zurückhaltend äußerte sich Teamkollege Leon Goretzka. „Das ist eine private Sache zwischen Franck und dem Verein. Der Verein hat sich dazu geäußert, dabei möchte ich es belassen“, sagte der frühere Schalker.

© Twitter

Am Sonntagmorgen in Doha erweckte Ribéry derweil den Eindruck, als sei nichts geschehen. Auf dem Weg zum Trainingsplatz in der weitläufigen Aspire Academy ging er Arm in Arm mit Rafinha, aus seinem Handy ertönte dabei Musik. Nur wenig später wurde dann allerdings deutlich, dass doch etwas geschehen war. Sportdirektor Hasan Salihamidzic räumte ein, dass sich Ribéry eine Entgleisung geleistet habe, die der FC Bayern nicht akzeptieren könne. Eine „sehr hohe“ Geldstrafe wird der Franzose laut Salihamidzic dafür bezahlen müssen, dass er und seine schwangere Ehefrau Wahiba sich im sozialen Netzwerk Instagram mit einem vulgären Rundumschlag gegen ihre Kritiker zur Wehr setzen. Ribéry war zuvor in Kommentaren zum Teil „aufs Übelste beleidigt worden“ (Salihamidzic), weil er am Freitag in einem noblen Restaurant in Dubai das Steak verzehrt hatte.

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alihamidzic zeigte am Sonntagmorgen durchaus Verständnis für die Reaktion von Ribéry. Zunächst sei dieser in dem Restaurant eingeladen worden, er habe also nicht 1200 Euro für das Steak bezahlt. Weil „seine hochschwangere Frau, sein Kind und seine Mama, die im Krankenhaus operiert wurde“, deshalb auf sozialen Netzwerken zu Unrecht angegriffen wurden, habe sich Ribéry „vor seine Familie gestellt und gewehrt“, und dazu, fügte Münchens Sportdirektor an, „hat er auch jedes Recht“.

© DAZN

Allerdings, und auch darauf legte Salihamidzic Wert: „Leider ist ihm das total entgleist.“ Ribéry habe „Worte benutzt, die wir als FC Bayern München nicht akzeptieren können und die Franck als Vorbild, als Spieler des FC Bayern, nie benutzen darf.“ Er habe dies Ribéry am Samstagabend verdeutlicht und ihm mitgeteilt, „dass er eine hohe Geldstrafe bekommen wird. Diese Strafe hat er akzeptiert“. Ribérys Vertrag läuft zum Saisonende aus, er hofft noch einmal auf eine Verlängerung. Seine Tirade hatte Ribéry bereits am Freitagabend angekündigt. „Oooh, ich muss wohl ein paar Mütter beleidigen. Bis morgen, gute Nacht“. Zudem keilte er gegen die Medien, die über seinen vom ihm selbst veröffentlichen Restaurant-Besuch berichtet hatten. „Oh ja, für diese Sorte von Belanglosigkeiten seid ihr zur Stelle!“, schrieb Ribéry in einem weiteren Post, er klagte über „Pseudo-Journalisten, die immer nur negativ über mich und meine Taten berichtet haben“.

Das Verhältnis zwischen Ribéry und französischen Medien ist seit Jahren angespannt. Er gilt als einer der Rädelsführer des Spielerstreiks bei der WM 2010 in Südafrika – ein nationales Trauma. Dazu kam auch die Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten. Im November attackierte Ribéry nach dem 2:3 bei Borussia Dortmund einen französischen TV-Reporter, weil er sich durch diesen zu Unrecht kritisiert gefühlt hatte. Er entschuldigte sich dafür. Auf die Kommentare zum Restaurantbesuch hatte zunächst Ribérys Frau reagiert, sie sei, schrieb sie, „kurz vor dem Erbrechen“ und ergänzte: „Armes Frankreich, dass es so viele Idioten und Arschlöcher gibt.“

Der FC Bayern möchte bei allem Wirbel um Ribéry unterdessen den Schwung vom Hinrunden-Ende der Fußball-Bundesliga bei der Jagd auf Spitzenreiter Borussia Dortmund in die Rückserie mitnehmen. „Wir haben die Krise am eigenen Leib miterlebt und haben da auch gelitten“, sagte Müller. „Das haben wir gemeinsam überwunden, so fühlt es sich zumindest an. Ganz entscheidend wird gleich das erste Spiel gegen Hoffenheim.“ Am 18. Januar startet der deutsche Fußball-Rekordmeister bei 1899 Hoffenheim in die Rückrunde. „Falls wir da wirklich überzeugend starten sollten, kann sich so ein Gefühl weiter verfestigen, dass man den eisernen Willen und Glauben an sich selbst hat, dass man eigentlich nicht zu schlagen ist“, sagte die Offensivkraft.

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Man wolle einfach das „Momentum“ mitnehmen. Nach einem Traumstart hatte es bei den Bayern gekriselt, vor Weihnachten bekamen die Münchner aber wieder die Kurve. Zur Einstimmung auf den Rückrundenstart schwitzt das Starensemble bis Donnerstag im Trainingslager in Qatar. „Wir wollen hier gut arbeiten und uns in eine gute körperliche Verfassung bringen“, sagte Goretzka, der zum ersten Mal mit den Münchnern in Qatar weilt.

Quelle: tora./dpa/sid
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