<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
1:3 beim FC Barcelona

Dortmund, Hummels und ein tiefes Loch

Von Roland Zorn, Barcelona
 - 08:08
Mats Hummels machte in Barcelona nicht die beste Figur.

Groß waren die Chancen auf einen Auswärtssieg von vornherein nicht. Das machte schon der Blick auf eine eindeutige Statistik mehr als deutlich. Der FC Barcelona war daheim in der Champions League seit 34 Spielen, darunter nur vier Unentschieden, unbesiegt. Am Mittwoch kam gegen Borussia Dortmund ein weiterer voller Erfolg dazu, dem der Bundesliga-Sechste nicht allzu wehrhaft im Wege stand.

Champions League

An der 1:3-Niederlage des BVB war der argentinische Superstar Lionel Messi mit einem Treffer (33. Minute) und zwei Torvorlagen für Suárez, der das 1:0 erzielte (29.), und Griezmann, der auf 3:0 erhöhte (67.), maßgeblich beteiligt. Er war immer dann unaufhaltsam, wenn er Spaß am Spiel hatte und zu einem Sololauf Richtung Dortmunder Strafraum durchstartete.

Dennoch halfen die Schwarz-Gelben bei den drei Toren des Tabellenführers der ersten spanischen Liga kräftig mit – allen voran der diesmal in zwei entscheidenden Momenten nicht konzentriert genug zu Werke gehende Abwehrchef Mats Hummels, der das 0:1 und 0:2 mit Fehlpässen auf den Weg brachte. Beim dritten Treffer ließ sich die Dortmunder Mannschaft klassisch auskontern, so dass Sportdirektor Michael Zorc später bei der Ursachenforschung für die Niederlage nicht lange suchen musste. „Wir haben die Gegentore durch einfache Fehler in der Vorwärtsbewegung begünstigt.“

Gleichwohl hatten auch die Borussen ihre Momente, aus denen mehr als nur der sehenswerte Treffer durch einen wuchtigen Distanzschuss des erst zur zweiten Hälfte eingewechselten Jadon Sancho hätte werden können (77.). Gleich zu Beginn des Spiels besaß der überraschenderweise als Linksaußen aufgebotene Nico Schulz die große Chance, den BVB in Führung zu bringen, doch Umtiti rettete auf der Linie (1.). Sancho war ähnlich nah dran an seinem zweiten Tor, das der deutsche Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen im Fluge verhinderte, als er den Schuss an die Latte lenkte (87.). Ter Stegen stand zuvor schon Julian Brandt im Wege, der Sanchos Vorlage nicht entschlossen genug verarbeitete (61.).

Der 19 Jahre alte Londoner, bester Dortmunder Scorer dieser Saison mit sechs Toren und neun Torvorlagen, ist am Mittwoch nicht zum ersten Mal während dieser Spielzeit von Favre nicht in die Startformation berufen worden. „Wir haben beschlossen, Sancho auf der Bank zu lassen“, sagte der selbst in der Kritik stehende Schweizer, „und das ist damit geklärt.“ Pech nur, dass Sancho, der zur Pause den wieder einmal glücklosen Schulz ersetzte, seinen Teilzeiteinsatz dazu nutzte, seine ganze Klasse für jedermann sichtbar zu demonstrieren.

Andere Dortmunder Spieler mit großem Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten waren am Mittwoch bestenfalls schemenhaft auszumachen. Was die Mannschaft im großen Ganzen auch anstellte, es fehlte den oft halbherzigen Aktionen an Tiefenschärfe und Selbstbewusstsein. Kein Wunder angesichts der derzeitigen Krise, aus der der Meisterkandidat in spe noch nicht herausgefunden hat. Das 0:4 bei den Bayern wie das 3:3 gegen Paderborn haben Spuren hinterlassen, die in Barcelona gegen den zuletzt auch nur selten glänzenden spanischen Meister nicht zu verwischen waren. Am Mittwoch mussten die Dortmunder nicht nur mit der verdienten Niederlage im Camp-Nou-Stadion fertig werden.

Dazu kam auch noch der 3:1-Sieg von Inter Mailand bei Slavia Prag, der die Aussichten des BVB auf ein Überwintern in der Champions League erheblich eintrübte. Die Borussia ist ob des verlorenen direkten Vergleichs gegen die punktgleichen Italiener auf Platz drei in der Gruppe F zurückgefallen und ist nun auf die Mithilfe des schon für das Achtelfinale qualifizierten Gruppensiegers Barca angewiesen. Ob sich die Katalanen am 10. Dezember, wenn Borussia Dortmund erst einmal das Heimspiel gegen Slavia Prag zum Abschluss der Gruppenphase gewinnen muss, in Mailand noch einmal richtig reinhängen werden, erscheint zumindest alles andere als sicher. „Das ist keine schöne Situation, in die wir uns jetzt begeben haben“, klagte Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung leise.

Westfälische Selbstanklagen machten am Mittwoch die Runde. Allen voran ging Hummels schonungslos mit sich selbst um. „Wir haben kein schlechtes Spiel hingelegt, aber auch kein besonders gutes“, lautete sein Gesamturteil, ehe er persönlich wurde. „Barca war wirklich stark, wir hatten schlechte Phasen im Spiel, gekrönt von meinem Fehlpass vor dem 0:2. Der hat uns ein tiefes Loch gegraben, aus dem wir leider nicht mehr ganz herausgekommen sind.“

Mag sein, dass das kommende Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) bei Hertha BSC unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann zur ultimativen Bewährungsprobe für den angeschlagenen Favre wird. „Berlin hat den Trainer gewechselt, wir müssen uns darauf einstellen, dass die Hertha ein ganz anderes Gesicht zeigen wird“, sagte Kehl voraus. Mit einem Auftritt wie in Barcelona, der nichts Halbes, nichts Ganzes war, wird die Wende nicht zu schaffen sein. Und deshalb hat Michael Zorc unzweideutig ein schwarz-gelbes Adventssignal eingefordert. „In Berlin wollen wir die Trendwende und in der Bundesliga wieder den Anschluss nach oben schaffen.“ Dafür braucht es frischen Mut, der Borussia Dortmund in Barcelona nur phasenweise auszeichnete. Nicht genug, um Messi und seine Mitstreiter auch nur ein wenig erschrecken zu können.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBorussia-DortmundMats HummelsJadon SanchoFC BarcelonaBarcelonaLionel MessiMichael ZorcNico Schulz

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.