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Drohendes Königsklassen-Aus

Der Abräumer des BVB

Von Daniel Theweleit, Dortmund
 - 17:33
Comeback eines Hochbegabten: Dan-Axel Zagadou spielt in Dortmund wieder eine wichtige Rolle.

Wie seine Mannschaftskollegen wird auch Dan-Axel Zagadou sich mächtig erschrocken haben, als er von Axel Witsels Unfall erfahren hat. Der belgische Mittelfeldspieler hat sich am Wochenende bei einem Sturz im eigenen Haus so schwer verletzt, dass er in der Mund- und Gesichts-Chirurgie des Dortmunder Klinikzentrums Nord operiert werden musste. Zwar befindet Witsel sich auf dem Weg der Besserung, aber in diesem Jahr wird er nicht mehr Fußball spielen können und fehlt damit auch im wichtigen Champions-League-Spiel an diesem Dienstag gegen Slavia Prag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN).

Champions League

Zagadou haben nach dieser Geschichte aber sicher nicht nur Gedanken zur Gesundheit des Kollegen beschäftigt. Gewiss hat er sich auch überlegt, welche Konsequenzen dieses Unglück für ihn selbst haben könnte. Denn der junge Innenverteidiger hat nach deprimierenden Monaten gerade den Sprung zurück ins Team geschafft, als Teil eines neuen Systems, in dem Witsel eine entscheidende Rolle spielte.

Der belgische Routinier war im ungewohnten 3-4-3-System, mit dem Trainer Lucien Favre sein Team in die Duelle bei Hertha BSC (3:1) und Fortuna Düsseldorf (5:0) geschickt hatte, der einzige defensive Mittelfeldspieler. In seiner Heimat wurde Witsel einst der Spitzname „Chaloupe“ (Schaluppe) gegeben, weil er seine Kollegen mit seiner ausgewogenen Spielweise an das ruhige Schaukeln kleiner Boote erinnerte. Dieses beruhigende Element wird nun erst mal fehlen, und Zagadous neu geschaffener Platz als dritter Innenverteidiger könnte wegfallen. Wobei er zuletzt ziemlich starke Argumente für einen Verbleib in der ersten Elf lieferte.

Ein Glücksbringer?

Und Favre sagt vor dem Spiel gegen den tschechischen Meister: „Es ist möglich, dass wir weiter so spielen“, auch ohne Witsel. Schließlich kamen etliche Dortmunder ganz hervorragend klar mit der neuen Grundordnung: Julian Brandt, Marco Reus, Jadon Sancho oder Thorgan Hazard zum Beispiel. Und eben Zagadou, der sagt: „Vorher habe ich noch nie in einer Dreierkette gespielt, aber es passt gut, weil ich so mitspielen kann.“

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BVB in der Champions League
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In jedem Fall gewinnt der BVB wieder, seit der 20 Jahre alte Franzose wieder dabei ist. Erst in Berlin, dann gegen Düsseldorf. „Ich weiß nicht, ob ich ein Glücksbringer bin. Aber die Mannschaft hat jetzt zwei Spiele gewonnen, so muss es weitergehen“, sagt er. Es wäre tatsächlich tragisch, wenn dieses beeindruckende Comeback des Hochbegabten schon wieder zu Ende ginge. „Mit Dan-Axel Zagadou haben wir eine unheimlich körperliche Maschine auf dem Platz. Der räumt alles weg“, schwärmt beispielsweise Brandt. Und das Publikum liebt diesen eher schüchtern wirkenden Spieler, der acht Monate lang praktisch keine Rolle mehr im Team spielte. „Natürlich war ich zwischendurch frustriert, ich wollte spielen“, sagt er, „aber ich habe nie aufgegeben – und die Arbeit hat sich gelohnt.“

Opfer eines traumatischen Fußballspiels

Zagadou war ein Opfer dieses traumatischen Fußballspiels beim FC Bayern, das der BVB im April 0:5 verlor, woraufhin kaum noch jemand an die Erfüllung des Meistertraums glaubte. Damals stand er vollkommen neben sich und fabrizierte einen groben Fehler, als er Robert Lewandowski freundlich bei dessen vorentscheidendem 2:0 unterstützte. Zur Halbzeit stand es 4:0, Zagadou wurde ausgewechselt und stand bis zum Spiel in Berlin während vieler Monate in keinem Bundesligaspiel mehr in der Startelf. Obwohl er im rauschhaften Herbst 2018 noch als gefeierter Dauerspieler ein fester Bestandteil jener Mannschaft war, die die Liga rockte, die Tabelle anführte und einen Neun-Punkte-Vorsprung auf die Bayern herausspielte.

Doch im Sommer kam Mats Hummels, der im neuen Spieljahr gesetzt ist, ein Platz in der Innenverteidigung war damit vergeben. Dass Favre immer weiter an Manuel Akanji festhielt, der regelmäßig Fehler macht und unter Druck Probleme im Spielaufbau bekommt, war für viele Beobachter allerdings rätselhaft. Denn wenn Zagadou doch mal spielen durfte, wie beim Sieg im Pokal gegen Mönchengladbach, war er gut. Viele seiner Zweikämpfe führt er trotz seines wuchtigen Körpers mit einer beeindruckenden Eleganz, er ist robust, schnell und „er versteht es gut, wohin er spielen muss“, sagt Trainer Favre. Wie angesehen Zagadou auch international ist, zeigt sein Transferwert, der auf 28 Millionen Euro taxiert wird – für einen Verteidiger, der auch noch meist auf der Bank sitzt, ist das eine geradezu spektakuläre Summe.

Jetzt will er sich natürlich gerne auch in der Champions League präsentieren, gegen Slavia Prag und am liebsten auch im Achtelfinale im kommenden Jahr. Aber das wird kompliziert. Denn selbst mit einem Sieg gegen die Tschechen droht der Abstieg in die Europa League. Weil das direkte Duell gegen Inter Mailand verlorenging, muss der BVB mindestens einen Zähler mehr erspielen als die punktgleichen Italiener gegen den FC Barcelona. Die Spanier stehen bereits als Gruppensieger fest und schonen deshalb Lionel Messi. Dennoch sagt der Dortmunder Torhüter Roman Bürki: „Die Hoffnung ist auf jeden Fall groß, auch wenn es nicht mehr nur von uns abhängig ist.“

Quelle: F.A.Z.
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