Sorgen des Gladbach-Stürmers

Typisch Breel!

Von Daniel Theweleit, Mönchengladbach
Aktualisiert am 26.11.2020
 - 17:31
Akrobat in Aktion: Breel Embolo schießt gegen Donezk ein spektakuläres Tor.
Breel Embolo schießt in der Partie gegen Schachtar Donezk ein Fallrückziehertor. Doch die Freude über den spektakulären Treffer währt nur kurz. Denn der Gladbacher Stürmer trägt eine schwere Last auf den Schultern.

Mit gutem Grund hätte Breel Embolo befreit durchatmen können nach dem 4:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Schachtar Donezk. Dem Angreifer war ein schönes Fallrückziehertor gelungen, er hatte den künstlerischen Höhepunkt einer imposanten Aufführung geschaffen. Einen Moment der Befreiung, denn im bisherigen Saisonverlauf hatte Embolo viele, viele andere Torchancen gehabt, aber nie getroffen. Richtig leicht war ihm aber immer noch nicht zumute am Ende dieses tollen Fußballabends. „In der Kabine werden wieder alle sagen: Typisch Breel! Der schwerste geht rein, die einfachen mal wieder nicht“, sagte er.

Champions League

In diesem Moment wurde erkennbar, was für eine große Last dieser Mann mit sich herumträgt – eine Last, die sich auch mit einem Tor nicht so einfach abschütteln lässt. Süffisante Sprüche in der Kabine hatte er aber eher nicht zu befürchten. Die Kollegen hatten Embolo wild gefeiert, die gemeinsame Freude über den persönlichen Durchbruch war deutlich zu sehen an den Reaktionen der Mitspieler.

Der Treffer zum 3:0 unmittelbar vor der Pause führte die hervorragend spielenden Gladbacher endgültig auf die Bahn des Siegers. Er habe „ein richtig gutes Spiel“ seines Teams gesehen, stellte Marco Rose später fest. Für ein Team, das noch nicht besonders viel Erfahrung in der Champions League sammeln konnte, war der Bundesligasiebte erstaunlich reif aufgetreten. Und Embolo war vielleicht nicht der beste Spieler auf dem Platz, aber keiner wurde mehr gefeiert. Denn die ganze Mannschaft hatte in den vergangenen Wochen mit dem Kollegen gelitten.

Embolo fühlte sich mitverantwortlich für dem Verlust mehrerer kostbarer Bundesligapunkte, weil er immer wieder die Möglichkeit versäumt hatte, Spiele, die am Ende nicht gewonnen wurden, mit Toren für die Borussia zu entscheiden. Zuletzt am vorigen Wochenende gegen den FC Augsburg. Im Spiel gegen Donezk war schon vor seinem Treffer zu hören, wie die Mitspieler ihr Sorgenkind anfeuerten und aufmunterten, wenn mal wieder ein Abschluss neben dem Tor oder am Pfosten landete.

Viele vergebene Chancen

Später versicherten alle Beteiligten, dass der Ärger über die vergebenen Chancen der vergangenen Wochen eher eine Sache der Medien gewesen sei – und eine Angelegenheit von Embolo selbst. „Intern wissen wir, wie wichtig Breel ist“, sagte Kapitän Lars Stindl. Vielen externen Beobachtern sei hingegen weniger klar, wie wertvoll die Stärken dieses Fußballers für das Team sind, auch wenn er kein Tor schießt. „Er ist unser Ballfestmacher, wenn wir hoch gepresst werden“, sagte Stindl. „Wenn wir nicht diese spielerische Lösung haben, ist er der erste Mann, wo wir den Ball hinschicken.“ Ein Anker, der zum Ausgangspunkt vieler Angriffe wird.

Embolo weiß das natürlich, „der Trainer und die Mitarbeiter haben immer angedeutet, wie wichtig ich bin“. Aber Stürmer brauchen nun mal Tore, um sich wirklich wohl zu fühlen. Im Vorfeld des Spiels gegen die Ukrainer hat Rose ein Gespräch mit Embolo über die Kunst des erfolgreichen Torabschlusses geführt. Vielleicht hat dieses Gespräch dem 23 Jahre alten Schweizer, der schon so viel Pech mit Verletzungen hatte, ein wenig geholfen.

In jedem Fall werde ihm das Erfolgserlebnis dieses Abends „Power geben für die nächsten Wochen“, sagte Sommer. Wobei Embolo seinem Publikum schon noch den Beweis schuldig ist, dass er nicht nur vollkommen unwahrscheinliche Versuche, sondern auch ganz normale Durchschnittschancen in Treffer verwandeln kann.

Quelle: F.A.Z.
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