2:1 bei Besiktas

Reife Leistung des BVB

Von Daniel Theweleit
15.09.2021
, 22:22
So viel Tempo: Bellingham lässt drei Istanbuler stehen.
Borussia Dortmund gelingt mit dem 2:1-Sieg bei Besiktas Istanbul der Start in die Champions League – vor allem dank Jude Bellingham.
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Schon während die Partie von Borussia Dortmund bei Besiktas Istanbul noch lief, war Jude Bellingham allgegenwärtig gewesen, nun tauchte der Mittelfeldspieler auch noch im Fernsehinterview von Erling Haaland nach dem Abpfiff auf und setzte seinem Kollegen einen dicken Schmatzer auf die Wange. Der norwegische Superstar lächelte und sagte über den Kollegen, der zur prägenden Figur dieses kostbaren 2:1 (2:0)-Erfolges der Dortmunder geworden war: „Er ist unglaublich, er ist drei Jahre jünger als ich, es ist verrückt.“

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Bellingham hatte das erste Tor selbst geschossen, Haalands 2:0 hatte er vorbereitet, er hatte Zweikämpfe gewonnen und gegnerische Konter verhindert. Gewiss war auch Marco Rose zufrieden mit der Leistung des 18 Jahre alten Engländers. Doch der Trainer mochte lieber über die Teamleistung sprechen, als er auf Bellingham angesprochen wurde: „Ich finde, wir waren heute grundsätzlich gut“, sagte er. „Wir haben eine schwierige Aufgabe gemeistert, schwierige Phasen gehabt und trotzdem verdient gewonnen.“

Champions League

Nur zu Beginn des Spiels wirkte der BVB etwas überrumpelt von der Energie des Gegners, und wirkte verunsichert. „In der ersten 20 Minuten war Besiktas intensiver und klarer im Spiel“, sagte Rose, nachdem der starke Torhüter Gregor Kobel schon früh einen gefährlichen Schuss von Michy Batshuayi abwehren musste (6.). Aber die Dortmunder fingen sich. Die Champions-League erzeugt eben einen etwas größeren Zauber als diese weniger prominenten Gegner im Bundesligaalltag, gegen die der BVB in den weniger großen Spielen regelmäßig Punkte verliert. Und so gelang den Dortmundern, was Trainer Marco Rose verlangt hatte: „Ein Champions League-Spiel daraus machen“.

Nach einer Achtelfinalteilnahme 2020 und dem Erreichen des Viertelfinales 2021 gehört der Klub momentan tatsächlich zum Kreis der reiferen Champions League-Teams, die in Duellen mit kleineren Gegnern aus schwächeren Ligen ihre individuelle Überlegenheit zur Geltung bringen können. „Dieses Gefühl, zu jeder Zeit ein Tor machen zu können, das ist wichtig“, hatte Sportdirektor Michael Zorc vor dem Anpfiff gesagt, und genau diesen Glauben hat der BVB derzeit.

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Weil Erling Haaland oftmals nicht zu stoppen ist, weil Marco Reus formstark spielt, Donyell Malen immer besser im Team ankommt. Und weil mit Bellingham ein Großtalent das gelbe Trikot trägt, das in Haalands Schatten manchmal gar nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die seine imposanten Leistungen verdienen.

Am Ende der schwierigen Anfangsphase spielte Mahmoud Dahoud einen schönen Diagonalpass an die rechte Außenlinie, wo Thomas Meunier den Ball präzise mit einem Kontakt in Bellinghams Lauf weiterleitete (20.). Der junge Engländer traf aus spitzem Winkel zum 0:1 (20.). Das nahm sowohl den Istanbuler Spielern auf dem Rasen ihren Schwung als auch dem Publikum im Stadion, das zu den lautesten auf der ganzen Welt zählt. Haaland (27.) und Marco Reus (28.) vergaben weitere gute Chancen, bevor das 2:0 in der Nachspielzeit der ersten Hälfte dann zu einem Wirkungstreffer wurde.

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Wieder hatte Bellingham seine Füße im Spiel gehabt: Am Ende eines Dribblings auf dem linken Flügel bis zur Grundlinie spielte er einen Rückpass auf Haaland, der keine Mühe hatte, den Ball aus sechs Metern ins Netz zu schieben. Es war das 21. Champions League-Tor im 17. Spiel des Norwegers.

In der Pause versuchte Rose dann sein Team zu stabilisieren, Julian Brandt ging vom Feld, Axel Witsel kam als zweiter klassischer Sechser neben Dahoud in die Partie. Damit sollte eine echte Druckphase der Türken verhindert werden, und das klappte auch ganz gut. Batshuayi vergab zwar noch eine ganz gute Chance zum 1:2 (67.), ein Treffer zu diesem Zeitpunkt hätte das Spiel noch einmal öffnen können. Aber in der Gesamtschau war Besiktas einfach nicht so stark wie die Dortmunder. „Das war ein verdienter Sieg, weil wir eine Vielzahl guter Chancen vergeben haben“, sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

Haaland (71.) und vor allen Dingen der eingewechselte Ansgar Knauff (90.+2), der die Latte traf, versäumten noch die Chance, die Partie endgültig zu entscheiden, so dass der BVB in der Nachspielzeit doch noch einmal kurz zittern musste. In der vierten Minute der Nachspielzeit köpfte Francisco Montero nach einem Freistoß von Miralem Pjanic das 1:2. Doch der Treffer kam zu spät, so dass die Dortmunder sich am Ende nur darüber ärgern mussten, nach vier Bundesligaspielen mit insgesamt neun Gegentoren, schon wieder nicht zu Null gespielt zu haben.

Quelle: FAZ.NET
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