Champions League

Liverpool hofft auf das Rettungsseil

Von Marcus Erberich, Brighton
14.04.2021
, 15:31
Der FC Liverpool hat in der Champions League schon einmal ein großes Comeback hingelegt. Gegen Real Madrid braucht der Verein genau das nochmal. Wahrscheinlich ist es aber nicht.

Es ist noch gar nicht lange her, als dem FC Liverpool in der Champions League schon einmal ein sensationelles Comeback gelang. Es war in der Saison 2018/19, Liverpool hatte das Hinspiel im Halbfinale gegen den FC Barcelona 0:3 verloren. Im Rückspiel geschah dann das scheinbar Unmögliche: In brodelnder Atmosphäre im vollbesetzen Anfield Stadium gewann Liverpool 4:0 und zog ins Finale ein.

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Gegen Barcelona brauchte Liverpool damals vier Tore. Gegen Real Madrid reichen an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) zwei, um trotz der 1:3-Niederlage im Hinspiel ins Halbfinale vorzudringen – zumindest wenn man selbst keine Gegentore zulässt.

Doch das erscheint im Moment nicht sehr wahrscheinlich. Vor zwei Jahren war Liverpool eine andere, eine bessere Fußballmannschaft: In der Premier League wurden sie am Ende Zweiter, in 38 Spielen mussten sie gerade einmal 22 Gegentore hinnehmen. Heute stehen sie in der Tabelle auf dem sechsten Platz und haben auch aufgrund der Ausfälle wichtiger Abwehrspieler schon 37 Gegentore auf dem Konto.

Immerhin: Am Wochenende besiegte die Mannschaft von Jürgen Klopp Aston Villa 2:1. Damit hat sie nun drei Ligaspiele nacheinander gewonnen, nachdem sie zuvor sechs von sieben Spielen verloren hatte. Besonders zu Hause lief es wochenlang schlecht, vor dem Sieg über Villa hatte Liverpool in Anfield sechs Spiele nacheinander verloren.

Klopp zum Experimentieren gezwungen

Doch auch gegen Villa tat sich Liverpool schwer. Der Siegtreffer durch Trent Alexander-Arnold fiel in der Nachspielzeit. Klopp sprach von großer Erleichterung, gab aber zu bedenken: „Ich kann mich nicht erinnern, wann wir es das letzte Mal auf die einfache Art gemacht haben.“

Dass es in der Liga seit einigen Wochen etwas besser läuft, hat mit einer Person zu tun: Fabinho. Der defensive Mittelfeldspieler half in dieser Saison überwiegend in der Innenverteidigung aus, wo die Stammspieler Virgil van Dijk und Joe Gomez seit Monaten verletzt ausfallen. Klopp war deshalb zum Experimentieren gezwungen. Nun aber vertraut er seit mehreren Spielen dem Innenverteidiger-Duo Ozan Kabak und Nathaniel Phillips. Fabinho verschob der Trainer deshalb wieder auf seine eigentliche Position vor der Abwehr.

Dort kann der 27 Jahre alte Brasilianer seine Stärken am besten einbringen: Er fängt gegnerische Angriffe ab, bevor sie die letzte Verteidigungsreihe erreichen – Klopp nannte ihn deshalb einmal einen „Staubsauger“ –, und er leitet nach Ballgewinnen rasch Spielzüge ein. Mit Fabinho vor der Abwehr gewann Liverpool das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Leipzig (2:0), in der Liga besiegten sie nacheinander Wolverhampton (1:0), Arsenal (3:0) und am Samstag Aston Villa.

Auch im Hinspiel gegen Real stellte Klopp in der Innenverteidigung Kabak und Phillips auf und vor ihnen Fabinho. Doch gegen den Angriff der Madrilenen um Karim Benzema sowie die Torschützen Vinícius Júnior und Marco Asensio war Liverpools Defensive überfordert – Reals Mittelfeldstrategen Toni Kroos und Luka Modric nutzten die Schwächen konsequent aus.

Auf der anderen Seite profitierte Liverpool nicht davon, dass auch Real in der Innenverteidigung nicht die erste Garde aufbieten konnte. Beobachter führten das auf einen taktischen Fehler Klopps zurück, der Naby Keita statt Thiago Alcántara aufgestellt hatte, weil er davon ausgegangen war, im zentralen Mittelfeld einen guten Dribbler zu brauchen. Es ging nicht auf, kurz vor der Pause wechselte er Keita aus und brachte Thiago.

Doch die Erinnerung an das Spektakel gegen Barcelona vor zwei Jahren ist präsent, die meisten Spieler waren damals schon dabei. Klopp gab zu bedenken, seine Mannschaft sei beim 0:3 in Barcelona besser gewesen als beim 1:3 gegen Real – wobei er das Auswärtstor durch Mohamed Salah als mögliches Rettungsseil bezeichnete.

Der frühere Liverpool-Spieler Mark Lawrenson sieht einen weiteren Unterschied: Beim 4:0 gegen Barcelona habe die Stimmung in Anfield ihren Teil beigetragen, gegen Real werden keine Zuschauer im Stadion sein. „Ich war dort, und die Fans haben eine massive Rolle gespielt“, sagte er der BBC: „Ohne sie wäre das nicht passiert.“

Quelle: F.A.Z.
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