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Liverpool-Kapitän Henderson

Klopps Mann fürs Grobe

Von Marcus Erberich, Brighton
 - 15:31
Jürgen Klopp steht ihm zur Seite: Jordan Henderson (rechts) nimmt mit seinem Trainer im Januar 2019 Nachjustierungen am Spiel vor.

Gespräche über Jordan Henderson kommen selten ohne das Wort „aber“ aus. Auf jeden Bewunderer des Kapitäns des FC Liverpool kommt mindestens ein Zweifler. Ja, Henderson arbeitet hart, härter als die meisten seiner Mitspieler – aber dafür ist er technisch nicht sonderlich begabt. Henderson zerstört das Angriffsspiel des Gegners oft schon im Aufbau – aber dafür sind andere auf seiner Position im Mittelfeld besser im Kreieren von Torchancen. Vorbildlich beim Einsatz, spielerisch nicht Spitze: Dieser Gegensatz begleitet den 29-Jährigen, seit er vor achteinhalb Jahren von seinem Heimatklub AFC Sunderland zum FC Liverpool gewechselt ist. In einem Interview mit „Talksport“ danach gefragt, wie er in der Vergangenheit mit den Zweifeln an seinen Fähigkeiten als Fußballer umgegangen sei, sagte Henderson zuletzt: „In der Vergangenheit? Ich kriege es jede Woche ab.“

Champions League

Einer, der bedingungslos hinter Henderson steht, ist Trainer Jürgen Klopp. Seit seiner Ankunft bei dem Premier-League-Klub im Herbst 2015 hat er den Kader nach seinen Vorstellungen umgekrempelt, hat alle Mannschaftsteile mit zum Teil teuren Zugängen neu besetzt. Allein im Mittelfeld sind mit Georginio Wijnaldum, Alex Oxlade-Chamberlain, Naby Keita und Fabinho vier Spieler neu zum Team gestoßen. Aber Klopp hat sich während dieser Transformation immer auch auf Henderson verlassen und ihm im September des vergangenen Jahres sogar einen neuen Vertrag bis Sommer 2023 gegeben. „Die Leute sagen, was sie sagen, und sie schreiben, was sie schreiben“, sagte Klopp über seinen Kapitän: „Guckt euch die Zahl der Spiele an, die ,Hendo‘ gemacht hat, seit ich hier bin. Ich glaube, es kann keinen Zweifel an meiner Meinung über ihn geben.“

Ein Abräumer, ohne plumpes Vorgehen

Verglichen mit Mitspielern wie den vielgepriesenen Roberto Firmino, Mohamed Salah und Sadio Mané im Angriff, aber auch mit Liverpools glänzenden Weltklasse-Außenverteidigern Andrew Robertson und Trent Alexander-Arnold wirkt Henderson wie der Mann fürs Grobe. Der ehemalige Trainer von Manchester United, Sir Alex Ferguson, schrieb in seiner Autobiographie, er habe Henderson nicht verpflichten wollen, als er die Chance dazu hatte, weil der so komisch aus den Knien heraus lief. Aber ihn deshalb auf das Klischee des krummbeinigen Abräumers zu reduzieren, wird diesem Spieler nicht gerecht.

Henderson stört nicht plump die Angriffe des Gegners, sondern er ist dazu in der Lage, nach einer Balleroberung rasch eigene Angriffe einzuleiten. Dabei helfen ihm neben seiner Zweikampfstärke ein gutes Positionsspiel und taktische Cleverness. Diese Eigenschaften machen ihn zu einer wichtigen Stellschraube für das Pressing, das Klopp zu Liverpools Markenzeichen kultiviert hat. Der damalige Leipziger Trainer Ralf Rangnick sagte gegenüber der F.A.Z., Klopp habe Henderson zu dem Spieler gemacht, der er heute ist: „Topspieler werden durch Toptrainer entwickelt. Nehmen wir etwa Henderson und James Milner beim FC Liverpool. Das waren vor Klopp auch innerhalb Englands Durchschnittsspieler – und jetzt sieht man, was aus ihnen geworden ist.“

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Bei Pressekonferenz
Jürgen Klopp macht Dolmetscher rund

Beim FC Liverpool, der an diesem Dienstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) in der Champions League bei RB Salzburg antritt und im Fall einer Niederlage sogar das Achtelfinale verpassen könnte, wird Henderson nicht mehr nur als Sechser gebraucht, sondern je nach Formation und Aufstellung auch auf der von ihm bevorzugten, offensiveren Achter-Position. So lässt ihn Klopp zum Beispiel dann spielen, wenn der starke und kreative Fabinho auf der Sechs spielt, der seit einigen Wochen jedoch verletzt ausfällt. Mit einem Tor und zwei Vorlagen in dieser Saison in allen Wettbewerben hat Henderson tatsächlich eine eher mickrige Ausbeute. Aber seit Fabinho fehlt, hat er sechs Torchancen eingeleitet – auch, weil Liverpool in dieser Saison den langen Ball zu seinem Repertoire hinzugefügt hat.

So schlug Henderson am vergangenen Spieltag beim 3:0 gegen den AFC Bournemouth aus der eigenen Hälfte einen hohen und weiten Traumpass auf Oxlade-Chamberlain, der zum 1:0 traf. Beim 3:1 im Spitzenspiel gegen Manchester City im November bereitete Henderson das Tor zum 3:0 mit einer präzisen Flanke auf Mané vor; beim 2:1 gegen Tottenham erzielte er das Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich selbst – es war sein erstes Tor in Anfield seit Jahren.

Steven Gerrard, die Liverpooler Klublegende und Hendersons Vorgänger als Mannschaftskapitän, schrieb in einer „Times“-Kolumne über seinen Nachfolger: „Er ist selbstlos, er stellt sich am Ende der Schlange an, weil er sich zuerst um alle anderen kümmert.“ Henderson selbst sagte dem Sportportal „Goal“ über die Rotation im Team, von der auch er bisweilen betroffen ist: „Wir müssen den kompletten Kader nutzen. Der Trainer hat gesagt, dass in dieser Saison eine Menge Spiele kommen werden, also brauchen wir jeden Einzelnen.“ Es ist diese Einstellung, kombiniert mit seinen oft verkannten Stärken und seiner aktuell guten Form, die Jordan Henderson zu einer Schlüsselfigur für Jürgen Klopp macht. Ohne Wenn und Aber.

Quelle: F.A.Z.
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