Ärger bei Liverpool-Trainer

Klopp nennt deutschen Schiedsrichter „unfair“

Von Tobias Rabe
07.04.2021
, 10:21
Liverpool droht nach der Niederlage in Madrid das Aus in der Champions League. Jürgen Klopp ist mächtig sauer. Seine Wut bezieht sich auf Schiedsrichter Felix Brych. Der kontert Klopps Kritik.

Jürgen Klopp war geladen und hatte einigen Redebedarf. Das lag zum einen natürlich an der Niederlage des FC Liverpool bei Real Madrid. Mit 1:3 verlor die Mannschaft von Klopp das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League und muss im Rückspiel am nächsten Mittwoch in England mindestens zwei Tore erzielen, um doch noch ins Halbfinale zu kommen. Klopps Ärger bezog sich aber im Speziellen auf einen Landsmann. Und so begab sich der deutsche Trainer nach dem Schlusspfiff in Richtung des deutschen Schiedsrichters Felix Brych, um ihn zur Rede zu stellen für eine Entscheidung im Spiel.

Champions League

Was war passiert? Nach einem Ball von Trent Alexander-Arnold aus der eigenen Hälfte rannten in der 36. Minute Liverpool-Stürmer Sadio Mané und Madrids Gegenspieler Lucas Vázquez los. Der Spanier rempelte den Angreifer aus dem Senegal, bevor der das Spielgerät kurz vor dem Strafraum Reals annehmen konnte, sodass Mané hinfiel. Vázquez drehte ab, Brych winkte ab: kein Foul. Madrid hatte fortan den Ball, kaum 30 Sekunden später lag er – nach einem komplett missratenen Kopfball von Alexander-Arnold – im Netz von Liverpool. Marco Asensio nutzte den hanebüchenen Fehler mit einem eleganten Lupfer aus, ehe er den Ball einschob.

Es war das 2:0, nachdem Vinícius Júnior zuvor eine Schludrigkeit in Liverpools Abwehr nach Traumpass von Toni Kroos genutzt hatte (27.). Auch zum zweiten Treffer leistete der deutsche Nationalspieler mit dem Pass in die Spitze eine wichtige Vorarbeit. Liverpool aber haderte damit, dass Brych den Rempler gegen Mané zuvor nicht gepfiffen hatte. Im fast menschenleeren Trainingsstadion, wo Madrid wegen der Pandemie und des Umbaus im Bernabéu-Stadion seit einem Jahr seine Heimspiele austrägt, hörte man deutlich englische Proteste. Kapitän Georginio Wijnaldum wurde direkt bei Brych vorstellig. Vergeblich.

„Das war ein glasklares Foul“

So leicht kam Klopp nicht an den Schiedsrichter heran, also ließ er seine Kritik nach der Partie los, als auch er den Platz endlich ungestraft betreten durfte. Da hatte Liverpool mit 1:3 verloren, weil zwar Mohamed Salah auf 1:2 verkürzte (51.), Vinícius Junior (65.) aber für Madrid nachlegte. So echauffierte sich Klopp bei Brych und nannte die Bewertung der fraglichen Szene „unfair“. Und „unfair ist das Schlimmste, was man sagen kann über einen Schiedsrichter“. Brych war alles andere als angetan ob der Vorwürfe Klopps und antwortete über die Mikrofone vernehmbar: „So wie Sie mit mir reden, ist auch unfair.“

In der Pressekonferenz erklärte Klopp seine Erregung detaillierter. „Bei der Situation mit Sadio muss ich zugeben, dass ich nicht verstehe, was der Schiedsrichter da gemacht hat. Das dürfte meiner Meinung nach persönliche Gründe gehabt haben“, sagte Klopp – ohne diesen Vorwurf noch auszuführen. „Die Situation mit Sadio war ein glasklares Foul. Er hat so getan, als wäre es eine Schwalbe gewesen. Ab diesem Zeitpunkt wurde kein Foul mehr an Sadio gepfiffen. Das ist einfach nicht richtig. Das habe ich ihm (Felix Brych, Anmerkung der Redaktion) nach dem Spiel gesagt. Für mich war es Sadio gegenüber unfair.“

Die Bewertung Brychs in der heiß diskutierten Szene passte zur – internationalen – Linie, die der Unparteiische fuhr. Einige mögliche Pfiffe blieben aus. Die Bewertung mancher Beobachter aber, dass Vázquez für seinen Rempler mit einem Elfmeter und einer Roten Karte bestraft gehört hätte, gehen ins Leere. Zum einen fand der Zweikampf deutlich vor dem Strafraum statt, sodass es allenfalls einen Freistoß aus guter Position hätte geben dürfen. Dazu hatte Mané noch lange keine Ballkontrolle. Ein baldiger Abschluss mit großer Aussicht auf einen Torerfolg, die für einen Platzverweis nötig ist, war nicht unbedingt in Sicht. Aus diesen Gründen blieb auch der Video-Assistent von Brych still, er durfte gar nicht eingreifen.

Bei aller Aufregung wusste Klopp, dass diese eine Entscheidung nicht der Grund allen Übels war, auch wenn er sich „über einen zumindest mittelmäßigen Schiedsrichter“ gefreut hätte. Und so gab er schlicht zu: „Wir waren nicht gut genug.“ Der Unparteiische habe natürlich nicht das Spiel verloren. „Wenn du ins Halbfinale willst, musst du dir das Recht dazu verdienen. Das haben wir heute Abend nicht, vor allem in der ersten Halbzeit. Das einzig Gute, das ich über dieses Spiel sagen kann – außer, dass wir ein Tor geschossen haben – ist, dass es erst das Hinspiel war“, sagte Klopp bei BT Sports.

Was in einem Rückspiel nach einer deutlichen Niederlage in Spanien möglich ist, haben die „Reds“ noch in bester Erinnerung. 2019 unterlagen sie dem FC Barcelona im ersten Halbfinale mit 0:3. Im zweiten Duell aber schafften sie mit einem 4:0 eine sensationelle Wende. Ist das wieder möglich? In diesem Fall braucht Liverpool dank des Auswärtstors „nur“ ein 2:0 zum Weiterkommen. Auch das ist nicht so leicht, aber auch nicht unmöglich. Allerdings fehlen wegen der Pandemie die unterstützenden Fans an der Anfield Road. Klopp immerhin, so viel ist sicher, dürfte eines optimistisch stimmen: Brych wird das Rückspiel nicht pfeifen.

Liverpool verurteilt rassistische Beleidigungen

Der FC Liverpool von Teammanager Jürgen Klopp (53) hat am Mittwoch die rassistischen Beleidigungen gegen Trent Alexander-Arnold, Naby Keita und Sadio Mane scharf kritisiert. Das Trio war nach dem 1:3 im Hinspiel des Viertelfinals der Champions League bei Real Madrid in den sozialen Medien verunglimpft worden. „Am Morgen nach einem Fußballspiel diskutieren wir leider wieder über abscheuliche rassistische Beleidigungen. Das ist absolut inakzeptabel und muss aufhören“, teilten die Reds mit.

Liverpool verurteile „alle Formen der Diskriminierung“ und fordert Konsequenzen. „Als Verein bieten wir unseren Spielern jegliche Unterstützung an, die sie benötigen. Wir werden auch mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen zu identifizieren und wenn möglich strafrechtlich zu verfolgen“, hieß es weiter: „Wir wissen, dass dies nicht ausreichen wird, bis die Social-Media-Plattformen und die Regulierungsbehörden, die sie überwachen, die größtmöglichen Maßnahmen zur Prävention ergreifen.“ So wie sich die Situation derzeit darstelle, könne es nicht weitergehen: „Und es liegt an uns allen, dafür zu sorgen, dass dies nicht der Fall ist.“ (sid)

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rabe, Tobias
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
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