Liverpool im Achtelfinale

„Das war sensationell“

Von Tobias Rabe
Aktualisiert am 11.12.2019
 - 08:28
„Es war eine super intensive Partie“: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp
Die Elf von Jürgen Klopp gewinnt ein wildes Spiel in Salzburg und steht im Achtelfinale der Champions League. Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Dafür sorgt der skurrile Terminplan vom FC Liverpool.

Erling Haaland hatte offenbar keinen Durst, sondern Frust. Der Norweger nahm die ihm gereichte Plastikflasche und donnerte sie auf den Rasen, sodass das Wasser nur so spritzte. So groß war die Hoffnung beim jungen Sturmjuwel des FC Salzburg auf einen Coup. Doch schon kurz nach der Halbzeit musste nicht nur Haaland erkennen, dass dieser FC Liverpool im Gruppenfinale der Champions League eine Nummer zu groß war. Naby Keita (57. Minute) und Mohamed Salah (58.) sorgten mit einem Doppelschlag in nur 100 Sekunden für das 2:0 der Elf von Jürgen Klopp.

Champions League

„Das 0:2 ist sehr enttäuschend für uns“, sagte Haaland beim Streaminganbieter DAZN. „Wir hatten unsere Chancen, Liverpool hatte Chancen. Aber wir haben gegen das beste Team der Welt gespielt und dann passiert sowas.“ Nicht nur der gerade 19 Jahre alte Stürmer, der bisher in all seinen fünf Partien in der Königsklasse getroffen hatte, ging leer aus. Auch die anderen Kollegen des Meisters aus Österreich vergaben in einer furiosen Partie ihre Möglichkeiten. Durch den Sieg zog Liverpool als Gruppenerster ins Achtelfinale ein, die SSC Neapel folgte durch ein 4:0 gegen Genk als Zweiter.

„Es war eine super intensive Partie. Salzburg hat ein sensationelles Spiel gemacht. Die erste Halbzeit war toll anzuschauen“, sagte Klopp. „Sie war wilder, als wir es wollten. Aber genauso wild, wie wir es erwartet haben.“ In der Tat überraschte das Tempo der Partie nicht, schließlich sind beide Teams für ihr rasantes Angriffsspiel bekannt. Während Salzburg mit vielen langen Bällen operierte, zeigten die „Reds“ dabei mehr Kombinationsspiel. „Im zweiten Durchgang mussten sie wohl dem Tempo ein wenig Rechnung tragen, wir haben die Tore gemacht und das war entscheidend“, sagte Klopp.

Dabei konnte er sich einmal mehr auf seine drei Angreifer verlassen. Roberto Firmino war Ruhepol und Ballverteiler. Sadio Mané bereitete die Führung durch den früheren Salzburger Keita, der aus Respekt vor seinem alten Klub nach seinem Kopfball nicht jubelte, per Lupfer vor. Kurz später traf Salah aus ganz spitzem Winkel ins Tor. „Das hatte was von Golf, vom Putten. Das war sensationell“, sagte Klopp. „Er hatte vorher zwei, drei riesige Chancen ausgelassen. Dann so im Spiel zu bleiben und so ein Tor zu erzielen, das zeichnet große Spieler aus. Das war unglaublich wichtig für uns.“

Danach war der Stecker bei den Salzburgern gezogen, die nach einer sehenswerten ersten Spielzeit in der Champions League 2020 in der Europa League weiterspielen. Trainer Jesse Marsch, vergangene Saison Kotrainer bei RB Leipzig war etwas konsterniert: „Das ist sehr bitter für uns. Wir können nicht besser spielen, als wir es bis zum ersten Gegentor getan haben“, sagte er. Er sei dennoch „stolz auf die Jungs. Jetzt lasst uns schauen, wieweit wir Schritt für Schritt in der Europa League kommen können. Wenn wir so spielen, wie gegen Liverpool, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance.“

Wie schon in den vergangenen drei Spielzeiten hielt die Elf von Klopp dem Druck am letzten Spieltag der Gruppenphase stand und verhinderte ein vorzeitiges Ausscheiden aus der Königsklasse. Damit bleibt der FC Chelsea, 2012 nach dem Sieg über den FC Bayern in München, der einzige Klub, der als Titelverteidiger nach der Gruppenphase ausschied. „Wir haben das sehr clever gespielt und in der zweiten Halbzeit die Tore gemacht. Dazu haben wir noch die Null gehalten. Und jetzt sind wir in der nächsten Runde“, sagte Virgil van Dijk. „Wir sind sehr glücklich. Das war ein wirklich harter Gegner.“

Zeit zum Durchschnaufen für Liverpool gibt es aber nun nicht. Am Samstag kommt der FC Watford nach Anfield und versucht dem souveränen Spitzenreiter der englischen Premier League die erste Niederlage der Liga-Saison beizubringen. Danach wird es skurril. Am Dienstag steht das Viertelfinale bei Aston Villa im Ligapokal an – allerdings ohne Klopp und seine Stars. Die weilen schon in Qatar zum Halbfinale der Klub-WM, das am Mittwoch angesetzt ist. Da sich weder der Trainer noch die Spieler teilen können, entschied sich der Verein zu dieser für viele unbefriedigenden Lösung. Und auch danach geht es munter weiter für den LFC.

Nach der Rückkehr aus der Wärme steht am zweiten Weihnachtsfeiertag das englische Topspiel gegen den ersten Verfolger Leicester City an, ehe auch danach weitergekickt wird. Müdigkeit lässt sich bislang nicht erkennen trotz des strammen Programms. „In jedem Spiel muss man 100 Prozent Energie investieren. Ob in der Champions oder der Premier League, in jedem Wettbewerb“, sagte Kapitän Jordan Henderson. „Deshalb benötigt man einen großen Kader. Aber unser Energie-Level war in Salzburg wieder sehr gut. Wir haben alles gegeben und den Lohn dafür bekommen.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rabe, Tobias
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
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