Lionel Messi

Aus einer anderen Dimension

Von Christian Eichler, Barcelona
07.05.2015
, 14:44
Er kann vermutlich auch fliegen: Lionel Messi
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Nicht mal sein „Erfinder“ Guardiola kann ihn bremsen: Lionel Messi zerlegt die Bayern. Und alle staunen über den einzigartigen Argentinier, der erstmals auch gegen Manuel Neuer trifft.
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Wie funktioniert Lionel Messi? Thierry Henry weiß es, er spielte früher mit ihm zusammen. Deshalb konnte der inzwischen als Fernseh-Experte aktive Franzose präzise beschreiben, was am Mittwochabend in Barcelona passiert war: „In der zweiten Halbzeit waren die beiden Teams gleich stark. Aber dann beschloss Lionel Messi, das Spiel zu gewinnen.“

Nach Messis beiden Toren binnen drei Minuten, als er zuerst Manuel Neuer beim 1:0 mit einem Schuss in die kurze Ecke überraschte und den Torwart dann, nachdem Jerome Boateng schwindlig gespielt war, zum 2:0 aus spitzem Winkel überlupfte, stand das Volk auf, um dem Künstler zu huldigen. Und nachdem der Argentinier in der Nachspielzeit Neymar auch noch das 3:0 in den Lauf gelegt hatte, erhob der größte Spontan-Chor Europas im von 95.000 Menschen gefüllten Camp Nou seine Stimme: „Messi, Messi, Messi!“

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Erwachsen geworden

So wurde aus Sicht des FC Bayern das, was als taktische Versuchsanordnung zur Isolierung des besten Spielers der Welt und seiner Sturm-Kompagnons Neymar und Luis Suárez begonnen und 77 Minuten lang funktioniert hatte, zu einem späten Debakel. Es blieb die Erkenntnis, dass man „einen Spieler wie Messi nicht völlig in den Griff kriegen kann“, wie Boateng fand. „Wir waren lange gut unterwegs, dann hat Messi wieder sein Talent gezeigt“, sagte Trainer Pep Guardiola.

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Champions League
FC Bayern verliert in Barcelona

Zum ersten Mal, seit Guardiola Barça verließ, hat Messi derzeit wieder diese unwiderstehliche Dynamik und Spielfreude, die ihn in jungen Jahren schon viermal zum „Weltfußballer“ machte. Mit 27 wirkt er erwachsener als früher, keine spätpubertäre Diva mehr, die schmollt, wenn der Chef nicht alles nach ihren Wünschen ausrichtet. Trainer Luis Enrique hat es geschafft, dass Messi zufrieden ist, ohne sich ihm anzubiedern.

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Könner und Gönner

Dabei ist Messi auch nicht mehr der Ego-Kicker, der immer nur als Endverbraucher einer Kombination den Ball will, um ihn ins Tor zu jagen. Neben seinen bereits 53 Saisontoren in 51 Spielen, fast die Hälfte der 111 Treffer, die das „Tridente“ (Dreizack) genannte Barca-Sturmtrio erzielt hat, kommt Messi auch auf 30 Torvorlagen. Er ist inzwischen Könner und Gönner zugleich.

Der erste Streich: Messi überwindet Manuel Neuer
Der erste Streich: Messi überwindet Manuel Neuer Bild: Reuters

Die Hymnen kamen von allen Seiten, auch von Manuel Neuer, den er im vierten Duell zum ersten Mal bezwingen konnte: „Die Klasse von Messi ist einzigartig.“ Mit dem verlorenen WM-Finale habe das nichts zu tun, erklärte Messi nach dem Triumph gegen die Bayern und ihre deutschen Weltmeister. Doch er erzählte, dass er mit dem Freund und Landsmann Sergio Agüero, der im WM-Endspiel gegen Neuer ebenfalls nicht getroffen hatte, zuvor über die Motivation gesprochen hat, den „Welttorwart“ einmal zu bezwingen.

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Agüero war das in der Champions-League-Vorrunde beim 3:2 mit Manchester City dreimal gelungen. Nun hat Messi nachgezogen. Und ganz nebenbei liegt er mit 10:9 Treffern in der aktuellen Champions-League-Saison und mit 77:76 insgesamt auch im Duell der beiden Torjäger des Jahrhunderts wieder vorn – vor Cristiano Ronaldo. Am 6. Juni in Berlin könnten sie sich zum zweiten Mal in einem Champions-League-Finale begegnen. 2009 trafen sie sich im Endspiel in Rom. Barcelona besiegte Manchester United mit Ronaldo 2:0. Das Duell der beiden hatte ebenfalls einen klaren Sieger: Messi erzielte ein Kopfballtor.

Nicht mal sein Erfinder kann ihn bremsen

Auf die Frage an Enrique, ob ein Messi das Leben leichter mache, reichte ein breites Grinsen als Antwort. Er ging dann doch noch ins Detail. „Ihr seht ihn ja nur alle paar Tage, wir haben jeden Tag dieses große Vergnügen“, sagte er. „Leo ist ein Spieler aus einer anderen Dimension.“ „Einzigartig, nicht kopierbar“ nannte ihn nach Schlusspfiff der große Kollege Andrés Iniesta. „Er tut Dinge, die bei ihm leicht aussehen und die kein anderer kann. In jedem Moment kann er ein Spiel entscheiden. Ihn zu haben ist eine Garantie für Erfolg.“ Der deutsche Barca-Torwart Marc-André ter Stegen empfahl: „Zu Messi muss man nichts sagen, einfach zuschauen und genießen.“

Der Ball macht, was Messi will: Der Lupfer zum 2:0
Der Ball macht, was Messi will: Der Lupfer zum 2:0 Bild: dpa

Und zu Guardiola und dessen Erwartung vor der Rückkehr nach Barcelona, es gebe „kein System und keinen Trainer, der Messi stoppen kann“, sagte Abwehrspieler Gerard Pique nur: „Er hatte Recht. Wenn Leo inspiriert ist, kann niemand ihn aufhalten.“ Auch nicht der, der ihn einst groß machte, fand die Sportzeitung „Marca“: „Nicht mal Pep hält Leo auf.“

Quelle: F.A.Z.
Christian Eichler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Eichler
Sportkorrespondent in München.
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