Alles eine Frage der Quote?

Warum Fußballwetten oft peinlich enden

Von Michael Eder
03.06.2022
, 19:04
Favorisiert und am Ende doch unterlegen: Liverpool um Jordan Henderson (links) und Jürgen Klopp im Finale der Champions League
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Für Liverpool gegen Real in der Champions League lässt man gar das Dessert sausen. Warum? Um am Ende beim Tippen eine persönliche Niederlage zu erleiden. Schön ist es trotzdem in Novi Sad. Eine Glosse.
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Das Schlimmste sind Fußballwetten. Ich sage das nicht nur, weil die Bayern immer dann zu Hause gegen Bielefeld – war es Bielefeld? – verlieren, wenn ich mal favoritenmäßig auf sie setze, schlechte Quote hin oder her. Nein, ich sage das, weil Fußballwetten selbst dann für einen Experten wie mich peinlich enden, wenn es zum Beispiel vor dem Champions-League-Finale heißt: Wer tippt mit? Fünf Euro Einsatz! The winner takes it all!

Klar sage ich dann als Kenner des britischen wie des spanischen Fußballs: drei zu null für Liverpool. Nun haben wir das Finale in diesem Jahr in Novi Sad in Serbien angeschaut, wohin uns Freunde eingeladen hatten. Wunderbare Freunde und eine wunderbare Stadt nebenbei, quasi Geheimtipp für Ihre nächste Städtereise.

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Neutralisation auf höchstem Niveau

Wir hatten uns mit weiteren Freunden für sieben in einem Restaurant an der Donau eingebucht und auf mein Drängen hin zeitig wieder verabschiedet, um den Höhepunkt der Fußballsaison nicht zu verpassen. Ich spürte sanfte Zweifel, doch schließlich saßen wir im Wohnzimmer vor dem Fernseher und lauschten dem serbischen Kommentator, dessen Ausführungen ich mir einbildete zu verstehen, denn reden Kommentatoren nicht immer das Gleiche?

© Youtube

Sogar Boris war mitgekommen. Boris, der Fußball für kompletten Unsinn hält, der sich für Sport höchstens dann interessiert, wenn ihn jemand betreibt wie sein früh verstorbener Schwiegervater, der im alten Jugoslawien in gleich drei Sportarten zu den Besten zählte: im Tennis, im Handball, im Eishockey. Für alle Anwesenden war es Freude und Rätsel zugleich, dass Boris sich am Tisch eingefunden hatte, um Fußball zu schauen. Was soll ich sagen, er wurde nicht enttäuscht.

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Ein Desaster, urteilte er nach angemessener Beobachtungsphase, dieses Ballgeschiebe sei also der Gipfel des Fußballspiels? Welche Zeitvergeudung! Meine Verteidigung fiel aus wie zu erwarten, wahrscheinlich sagte der serbische Kommentator nichts anderes: Neutralisation auf höchstem Niveau, ein Tor würde der Partie guttun. Ich blieb weitgehend ungehört, wobei ich einräumen muss, dass sich weitere Zuschauer mit Boris solidarisierten und sich nach und nach verabschiedeten, nicht ohne zu erwähnen, dass es recht schade um das Dessert sei, das wir durch den zeitigen Aufbruch im Restaurant verpasst hätten.

Man muss nicht drum herumreden: Dieses Finale muss ich als persönliche Niederlage werten. Als Freund des Fußballs und leider auch, was das Ergebnis betrifft. Liverpool verpasste das von Experten als sicher eingestufte 3:0 zwar nur knapp und unterlag 0:1, aber ich verlor wie immer meine Sportwette. Gewonnen hat übrigens unsere Gastgeberin. Sie interessiert sich für Fußball ungefähr so sehr wie Boris.

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Quelle: F.A.S.
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