München verliert 1:3

Klopp und Liverpool schmeißen die Bayern raus

Von Christian Kamp, München
13.03.2019
, 22:55
So sieht Freude aus: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp jubelt in München.
Endstation Achtelfinale: Der FC Bayern München ist in der Champions League ausgeschieden. Gegen den von Jürgen Klopp trainierten FC Liverpool ist für den deutschen Rekordmeister gleich aus mehreren Gründen nichts zu holen.
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In einer Woche, in der der politische Brexit in eine weitere quälende Extrarunde ging, schien es mit dem Exit der Bundesliga aus der Champions League am Mittwochabend schon recht schnell zu gehen. Nachdem Schalke den Dortmundern mit einer Abreibung bei Manchester City ins europäische Abseits gefolgt war, gerieten auch die Münchner Bayern früh in Bedrängnis. Zwar schafften sie es gegen den FC Liverpool noch einmal, den Abschied hinauszuzögern, am Ende aber stand für den deutschen Fußball nicht gerade das, was man Splendid Isolation nennt. Das 1:3 der Mannschaft von Niko Kovac bedeutete, dass die Bundesliga in drei deutsch-englischen Achtelfinal-Duellen den Kürzeren gezogen hatte. Und während die Premier League in voller Stärke von vier Mannschaften im Viertelfinale steht, schaut der deutsche Fußball in die Röhre.

Champions League

Nach dem 0:0 im Hinspiel brachte Sadio Mané das Team von Jürgen Klopp in der 26. Minute in Führung, wobei Manuel Neuer freundlich assistierte, indem er ohne Not aus dem Tor eilte. Ein Eigentor von Joel Matip (39.) brachte die Bayern noch einmal zurück ins Spiel. Doch auf dem abermaligen Rückstand durch Virgil van Dijk (69.) hatten sie keine Antwort mehr, Mané erhöhte sogar noch auf 3:1 für den Zweiten der Premier League.

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„Beide waren lange sehr vorsichtig. Das 1:2 hat uns den Glauben genommen“, sagte Mats Hummels nach der Partie: „Jürgen Klopp kann gegnerische Stärken aus dem Spiel nehmen. Das hat er heute wieder geschafft. Wir haben heute nicht sauber genug gespielt, um auf diesem Niveau zu vielen klaren Chancen zu kommen.“ Und Münchens Trainer Kovac konstatierte: „Wir haben heute verdient verloren. In zwei Spielen war Liverpool die bessere Mannschaft. Wir haben heute unsere Grenzen aufgezeigt bekommen.“.

Die Niederlage ging tatsächlich in Ordnung. Zwar hatten die Bayern gut und konzentriert angefangen, aber alles in allem blieben sie unter den Möglichkeiten – und auch den frisch geschürten Erwartungen nach dem Aufschwung in der Bundesliga. Für gehobene europäische Ansprüche, so die bittere Erkenntnis, war das viel zu wenig.

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Wenn man sich durch alle Statistiken gearbeitet hatte, die rund um dieses Spiel bemüht worden waren, stieß man auf zwei gegenläufige Trends, die – zumindest in der Theorie – für ein Hochspannungsfeld sorgten. Da war das sportliche Momentum, das zuletzt die Bayern ungemein beflügelte, bis an die Tabellenspitze der Bundesliga. Auslöser dafür war nicht zuletzt das 0:0 im Hinspiel, jene Partie, in der die Bayern zwar ohne Schuss aufs Tor auskamen, sich dafür aber Taktikarbeit durch Kovac und kollektives Teamwork auf dem Feld so exzellent verbanden. Andererseits hatte Klopp schon auch recht damit, dass dieses Ergebnis sich mit jedem Tag besser anfühlen würde – zumal den Bayern nicht nur Thomas Müller weiterhin sondern auch Joshua Kimmich gesperrt fehlte, und Liverpool wieder auf van Dijk zurückgreifen konnte, einen Innenverteidiger, wie es kaum einen zweiten gibt, wie sich schmerzlich für die Münchner zeigen sollte.

Zu Beginn noch guter Laune auf der Tribüne, am Ende aber gab es nichts zu feiern: der gesperrte Bayern-Profi Thomas Müller (links).
Zu Beginn noch guter Laune auf der Tribüne, am Ende aber gab es nichts zu feiern: der gesperrte Bayern-Profi Thomas Müller (links). Bild: EPA

Das Spiel allerdings machten zunächst die Bayern. Im Mittelfeld waren Martínez, Thiago und James präsenter und ballsicherer als Henderson, Wijnaldum und Milner. Für Henderson, Liverpools Kapitän, war die Partie nach nicht einmal einer Viertelstunde vorbei, nachdem er sich am Knöchel verletzt hatte. Kurz zuvor hätten die Bayern gerne einen Strafstoß gehabt, doch Lewandowski fiel nach einem schönen Zuspiel von Martínez zu leicht gegen van Dijk (11.). Das Spiel erinnerte nun stark an die erste Begegnung: wenig Risiko, wenig Torszenen, zwei Mannschaften, die sich belauerten und die noch nicht so richtig im Rhythmus waren.

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Liverpool brauchte 23 Minuten, um sich zum ersten Mal den Münchner Tor zu nähern, weil es misslang, raufte Klopp sich die Haare. Doch sein Team hatte nun Lust auf mehr. Erst war es ein Schuss von Firmino, der knapp rechts am Tor vorbeistrich, dann zeigte Mané seine ganze Kunst – begünstigt durch die schlechte Abstimmung zwischen Rafinha und Neuer, der beim langen Ball von van Dijk sehr voreilig aus dem Tor kam. Mané nahm den Ball mit dem Rücken zu Neuer an und drehte sich außen an ihm vorbei – der Weg zur Liverpooler Führung war frei.

Auch den Spielern auf dem Feld, hier James Rodriguez, war die Enttäuschung anzusehen.
Auch den Spielern auf dem Feld, hier James Rodriguez, war die Enttäuschung anzusehen. Bild: EPA

Der Schreck hing den Bayern merklich in den Kleidern, in den Minuten nach dem 0:1 wirkten sie spannungsarm und auch ein bisschen planlos. Über Außen war den Münchnern bis dahin gar nichts gelungen. Ribéry, der anstelle von Coman spielte, war eine deutlich gealterte Version des einstigen Ausnahmekönners auf dem Flügel, und Gnabry hatte den Ball in der ersten halben Stunde noch nicht oft aus der Nähe gesehen. Was die Bayern in dieser Phase half, war die Schlampigkeit, mit der Liverpool sich das Leben selbst schwer machte. Beim Ausgleich half Klopps Team dann auch selbst kräftig mit. Plötzlich hatte Gnabry einmal Kontakt zum Ball, er konnte unbedrängt flanken, und in der Mitte nahm Matip das vorweg, was sonst Lewandowski hinter ihm erledigt hätte.

Nun war Liverpool empfindlich getroffen, und die Bayern versuchten in den gut sechs Minuten bis zur Pause noch, daraus Kapital zu schlagen. Als Lewandowski frei vor Alisson auftauchte, schien die Führung greifbar. Doch erstens schob der Stürmer vorbei, zweitens war es abseits. 1:1 – das war ein Resultat, das in Ordnung ging nach 45 Minuten. Mit dem Liverpool besser leben konnte, aber Klopp hatte auch allen Grund, bei seinen Spielern die Sinne zu schärfen. In jedem Fall kamen die Reds nicht nur mit dem Ziel aus der Kabine, das Unentschieden zu verteidigen. So kam nun mehr Leben in die Partie – mit Vorteilen für die Engländer, aber ohne große Chancen. Die Bayern sendeten nach genau einer Stunde ein Lebenszeichen. Wieder war es Gnabry, der eine scharfe Flanke von rechts vor das Tor zog, doch Lewandowski verpasste knapp. Kovac brachte nun Coman für den bemühten, aber wirkungslosen Ribéry.

Denn Virgil van Dijk machte die Münchener Hoffnungen mit seinem Treffer zunichte. Am Ende jubelte der FC Liverpool.
Denn Virgil van Dijk machte die Münchener Hoffnungen mit seinem Treffer zunichte. Am Ende jubelte der FC Liverpool. Bild: AFP

Die Bayern brauchten noch ein Tor, doch bevor sich irgendeine belebende Wirkung entfalten konnte, fanden sie sich am Abgrund wieder. Bei einem Eckball stieg van Dijk, der seinen Offensivleuten in solchen Situation öfter einmal die Arbeit abnimmt, im perfekten Moment nach oben, zwei Bayern konnten ihn nicht hindern, Hummels und Martínez. Der wurde von Goretzka ersetzt, aber das half auch nichts. Die Reds hatte nun Zeit und Raum für das, was sie am liebsten tun: Salah vergab zwar noch (75.), dann bediente er Mané, und besiegelte das bayerische Aus.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kamp, Christian
Christian Kamp
Sportredakteur.
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