Kroos gegen Kaben

Schluss mit der peinlichen Diskussion!

EIN KOMMENTAR Von Christopher Meltzer
04.06.2022
, 14:04
Auf dem fernen Planeten, wo Toni Kroos als Fußballprofi wohnt, gibt es natürlicherweise keinen Gegenwind.
Die deutsche Fußball-Öffentlichkeit spricht nach dem Interview-Abbruch beim Champions-League-Finale seit einer Woche über Querpass-Toni und Querfragen-Nils. Warum eigentlich?
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Im deutschen Fußball stehen zwei Männer im Mittelpunkt, seit der Champions-League-Sieger Toni Kroos ein Interview mit dem ZDF-Reporter Nils Kaben wegen angeblicher „Scheißfragen“ abgebrochen hat. Man muss den Multimillionär Kroos verstehen. Auf dem fernen Planeten, wo er als Fußballprofi wohnt, gibt es natürlicherweise keinen Gegenwind.

An alle Klassenkämpfer in den Kurven (und Redaktionen): Man verrät seine Ideale nicht, wenn man den ZDF-Reporter kritisiert, der eher nicht auf das Neun-Euro-Ticket angewiesen ist, um nach Sylt zu sausen. Im Internet wurde „Kaben v Kroos“ in dieser Woche dennoch so ideologisch diskutiert als wäre es „Roe v Wade“.

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Weil Frauen in den Vereinigten Staaten wirklich um ihr Recht auf Abtreibung fürchten müssen, sollten wir Fußballfans, die im Land der Laptop-Trainer leben, Tag für Tag brav das Rangnick Unser beten, dass wir uns im Sommer 2022 über den Querpass-Toni und den Querfragen-Nils amüsieren dürfen.

Und ehe wir in dieser peinlichen Diskussion wie weite Teile des deutschen Fußballpublikums und des deutschen Fußballjournalismus weiter in die Anspruchslosigkeit abrutschen, schnell noch eine billige Pointe: Glaubt man Corentin Tolisso, gab es bei Kaben gegen Kroos immerhin mehr Kommunikation als momentan beim FC Bayern.

© Youtube
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Meltzer, Christopher
Christopher Meltzer
Sportkorrespondent in München.
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