Chinesische Super League

Leben und spielen in der „Fußball-Blase“

24.07.2020
, 12:15
Die chinesische Super League startet in ihre Saison. Die Bedingungen sind hart: Für etwa 80 Tage werden 1870 Spieler, Trainer und Betreuer in der „Fußball-Blase“ leben.

Das Taimei Xiangguli Hotel in Suzhou ist eine noble Unterkunft. Polierter dunkler Marmor ziert den Boden, ein großzügiger Frühstücksraum und ein modernes Hallenbad schaffen Wohlfühlatmosphäre. Der deutsche Fußballprofi Felix Bastians dürfte den Komplex in den kommenden Wochen jedoch eher als goldenen Käfig empfinden. Für etwa 80 Tage, so die offizielle Schätzung der chinesischen Super League, werden der 32-Jährige vom Erstligaklub Tianjin Teda und Hunderte weitere Spieler und Betreuer hier von der Außenwelt abgeschottet. Kein direkter Kontakt zu Freunden, kein direkter Kontakt zur Familie – der überaus strenge Maßnahmenkatalog für den Saisonstart an diesem Samstag verlangt es so.

Die 16 Mannschaften aus der Eliteliga wurden in zwei Achter-Gruppen aufgeteilt, die Spielorte sind fest vorgegeben. Eine Basis befindet sich in Dalian, die zweite, zu der auch Abwehrspieler Bastians und Tianjin Teda gehören, steht in Suzhou bei Schanghai. Insgesamt befinden sich 1870 Personen in der „Fußball-Blase“, alle wurden im Vorfeld negativ auf das Coronavirus getestet.

Für Bastians wird die kommende Zeit eine schwierige. Die Spieler sehen für über zwei Monate nur ihr Hotel, das Trainingsgelände und das Stadion. Die acht Mannschaften speisen in separaten Räumen. Zudem haben die Teams fest vorgegebene Besprechungszimmer und eigens zugewiesene Bedienstete. Eine Verbreitung des Coronavirus soll vermieden werden. Für Spieler, Trainer und Betreuer wird der Alltag eintönig und klar strukturiert sein – womöglich mit Folgen für die psychische Gesundheit.

Die Zeit in der Isolation wird an den Nerven zehren, glaubt auch Liu Yi, der Generalsekretär des chinesischen Fußball-Verbandes. Nach zwei, drei Wochen dürften die Spieler zu körperlichen und mentalen Ermüdungserscheinungen neigen. „Sie sind auch nur Menschen. Sie müssen abschalten können, das könnte zu einer Herausforderung werden“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Eine Wahl haben die Spieler nicht. Der verspätete Saisonauftakt – die Spielzeit hätte am 22. Februar beginnen sollen – hat dabei Symbolcharakter. Meister Guangzhou Evergrande macht im Spiel gegen Schanghai Shenhua den Anfang. Dann kehrt Wuhan Zall, der Klub aus dem einstigen Epizentrum der Pandemie, auf den Rasen zurück – wie bei allen Spielen vor leeren Rängen ohne Fans.

Quelle: sid
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