<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Ciro Immobile

Ein Superstar im Schatten von Ronaldo

Von Julius Müller-Meiningen, Rom
Aktualisiert am 16.02.2020
 - 18:07
Keiner ist in der italienischen Serie A derzeit erfolgreicher als Ciro Immobile.
Seine Zeit in Dortmund war ein trauriges Kapitel. Nun lässt Ciro Immobile Lazio Rom durch seine vielen Tore Lazio Rom vom Titel in Italien träumen. Im Rampenlicht stehen dennoch andere. Warum ist das so?

In der italienischen Serie A, so heißt es, sei es besonders schwierig für Stürmer, Tore zu erzielen. Cristiano Ronaldo versucht das bei Juventus Turin nun bereits im zweiten Jahr dennoch erfolgreich. In der öffentlichen Aufmerksamkeit rangiert der 35-Jährige ganz vorne. Romelu Lukaku spielt seit Sommer für Inter Mailand und gilt als zweite Stürmer-Attraktion im italienischen Vereinsfußball, oft ist auch die Rede von seinem Kollegen Lautaro Martínez, der vom FC Barcelona umworben wird. Erstaunlich wenig im Rampenlicht steht hingegen der beste Angreifer der Serie A. Ciro Immobile wird kommende Woche nicht nur 30 Jahre alt. Er hat in dieser Spielzeit bereits 25 Treffer für Lazio Rom erzielt und damit mehr als Ronaldo (20), Lukaku (17) und Lautaro Martínez (11). Auch kein anderer Stürmer in Europa kommt auf eine ähnliche Quote. Dennoch ist der Rummel um Immobile gering.

Das liegt am eher introvertierten Naturell des Stürmers aus dem Fischerdorf Torre Annunziata bei Neapel. Immobiles Extravaganz erschöpft sich darin, Fotos von sich und seiner Ehefrau im Badeanzug in den sozialen Netzwerken zu posten. Das Rampenlicht sucht Immobile allein im Strafraum, mondäne Veranstaltungen sind seine Sache nicht. Fußball, Playstation und ein glückliches familiäres Ambiente – so kann man sich den Immobile-Kosmos wohl am besten vorstellen. Immobile mag es eher ruhig. Auch deshalb spielt er bereits im vierten Jahr für Lazio Rom. Klub-Eigentümer Claudio Lotito nennt den Stürmer einen „Sohn des Volkes“, dessen Leistung im familiären Ambiente bei Lazio förmlich „explodiert“ sei.

Lazio ist das Aschenputtel der Serie A. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln gelang es dem vom Reinigungsunternehmer Lotito geführten Verein, sich in den vergangenen Jahren hinter den Spitzenmannschaften der Liga in Stellung zu bringen. Trainer ist seit 2016 der frühere Lazio-Stürmer Simone Inzaghi, der Bruder des berühmten Mittelstürmers des AC Mailand, Filippo, genannt „Superpippo“. Der war der erfolgreichere Spieler, als Trainer hat Simone seinen großen Bruder bereits in den Schatten gestellt. Inzaghi gilt als neuer Stern am italienischen Trainerhimmel. „Inzaghi ist wie ein Bruder für mich“, sagt Immobile. „Er hat die Mannschaft auf mich zugeschnitten, wir sind zusammen gereift.“ Der Trainer und sein Stürmer arbeiten seit 2016 bei Lazio zusammen.

Für den Aufbau des gegenwärtigen Teams hat der ehemalige Bundesliga-Spieler und Lazio-Sportdirektor Igli Tare längst nicht so viel Geld in die Hand genommen wie die Konkurrenz. Es sind eher die Geheimtipps oder scheinbar aussichtslose Fälle, in die man bei Lazio investiert. Immobile, der erst 2014 mit dem FC Turin Torschützenkönig wurde und dann an sein trauriges Zwischenspiel in Dortmund (drei Treffer in 24 Spielen) ähnlich triste Abenteuer in Sevilla und wieder in Turin reihte, wurde 2016 für knapp zehn Millionen Euro verpflichtet. Diese Recherchen in den finsteren Nischen des Transfermarkts, auf die sich Tare spezialisiert hat, tragen nun Früchte. Lazio liegt mit nur einem Punkt Abstand vor dem Tabellenersten Inter Mailand auf Platz drei der Serie-A-Tabelle. Am Sonntagabend (20.45 Uhr bei DAZN) kommt es zum Spitzenspiel beider Klubs in Rom.

Man muss in das Jahr 1998 zurückblicken, um einen Dreikampf zwischen Juventus Turin, Inter Mailand und Lazio Rom um den Scudetto aufzuspüren. Damals setzten sich die Turiner durch. Lazio stürzte zum Schluss noch auf Platz sieben ab; zwei Jahre später wurde der Klub mit Spielern wie Alessandro Nesta, Pavel Nedved oder Juan Sebastián Verón Meister. Niemand würde sich wundern, wenn Lazio im Mai den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte erringen würde. Das Team ist gespickt mit Ausnahmespielern, unter denen der spanische Spielmacher Luis Alberto sowie der Serbe Sergej Milinkovic-Savic herausragen.

Milinkovic-Savic, genannt „SMS“, wird als Jahrhunderttalent umworben. Über Luis Alberto laufen bei Lazio beinahe alle Angriffe, die meist Immobile abschließt. Lazio hat die beste Tordifferenz der Dreiergruppe an der Spitze. Immobile, der in 24 Spielen 25 Treffer erzielt hat, nimmt mit seiner Quote den Tor-Rekord von Gonzalo Higuaín ins Visier, dem in der Saison 2015/16 insgesamt 35 Treffer gelangen. 14 Spieltage stehen noch aus.

Offiziell heißt es in der Lazio-Kabine, man spreche noch nicht über die Meisterschaft. „Wir wollen uns für die Champions League qualifizieren und auf die Teams hinter uns, die nur auf einen Fehltritt unsererseits warten“, behauptete Immobile noch vor kurzem. Als „König von Rom“ bezeichnete ihn bereits der „Corriere dello Sport“, eine Huldigung, die bei Lazio zuletzt Miroslav Klose zuteilgeworden war. Klose schoss sich mit 54 Toren in fünf Jahren den Hauptstadt-Tifosi in die Herzen. Immobile hat diese Quote in weniger Zeit bereits übertroffen. Unsterblich würde sich der zurückhaltende Stürmer in Rom wohl erst dann machen, wenn er mit seiner Mannschaft am 24. Mai den Serie-A-Titel erringt.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.