WM-2006-Affäre

Hat Niersbach das brisante Dokument lange gekannt?

12.11.2015
, 16:48
Der Kampf um die Macht im DFB nimmt zu. Neben Personalfragen beschäftigt den Verband auch die Frage, wann Wolfgang Niersbach über ein brisantes Dokument informiert wurde.

Der Kampf um die Macht im Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat am Donnerstag an Profil gewonnen. Interims-Präsident Rainer Koch zeigte sich auf Anfrage verwundert über die Aussagen von Karl Rothmund, dem Vorsitzenden des Niedersächsischen Fußball-Verbandes: „Ich weiß gar nicht, welches Mandat Herr Rothmund hat“, sagte Koch, „keine Ahnung, wie er dazu kommt.“

Rothmund hatte behauptet, Koch werde nicht für das Amt des DFB-Präsidenten kandidieren und sei für eine Wahl Reinhard Grindels, dem Bundestagsabgeordneten (CDU) und Schatzmeister des DFB. Das wisse er seit Tagen. Koch verwies auf eine Abstimmung mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an diesem Freitag in Paris vor dem Länderspiel gegen Frankreich.

In der französischen Hauptstadt trifft er sich mit Liga-Präsident Reinhard Rauball, der mit ihm zusammen vorerst den DFB führt. Außerdem soll Grindel an dem Gespräch teilnehmen. „Zu Personalfragen werde ich mich im Moment nicht äußern“, sagte Koch, „zunächst ist es wichtig, eine glaubhafte, lückenlose Aufklärung zu betreiben.“ Sie umfasst weiterhin auch die Durchleuchtung des DFB.

Der zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach soll Wochen vor seinen Präsidiumsmitgliedern über die Existenz des bislang brisantesten Dokuments in der DFB-Affäre rund um die WM-Bewerbung 2006 informiert gewesen sein. Eine entsprechende Darstellung der „Süddeutschen Zeitung“ wurde der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigt. Bei dem Papier handelt es sich um einen Vertragsentwurf mit dem korrupten ehemaligen Fifa-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago.

Ihm sind demnach vier Tage vor der Abstimmung im Juli 2000 „diverse Leistungen“ zugesagt worden. Ob es zum Handel kam, ist nicht bekannt. Warner streitet die Vereinbarung ab. Über den Fund dieses Dokuments will Stefan Hans, der stellvertretende Generalsekretär, Niersbach und den DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock vor der Pressekonferenz am 22. Oktober telefonisch unterrichtet haben.

Das gehe aus einem Brief von Hans an das Präsidium hervor. Niersbach hatte bei dem denkwürdigen Auftritt in der DFB-Zentrale wesentliche Fragen nicht beantworten können, aber unter anderem behauptet, es sei bei der WM-Vergabe alles mit rechten Dingen zugegangen, „es hat keinen Stimmenkauf gegeben“.

Nach Niersbach-Rücktritt:
Bierhoff will nicht DFB-Präsident werden
© dpa, reuters

Niersbach hatte, wie er vor vier Wochen erklärte, im Sommer eine interne Aufarbeitung in Auftrag gegeben, weil er (erst) kurz zuvor von der 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des DFB an den damaligen Adidas-Chef Louis-Dreyfus via Fifa unter Vortäuschung eines anderen Zahlungszwecks (WM-Kulturprogramm) erfahren haben will. Eine handschriftliche Notiz Niersbachs auf einem Briefentwurf vom November 2004 über die getürkte Zahlungsabwicklung und die Aussagen von OK-Mitgliedern widersprechen dieser Erklärung.

Quelle: FAZ.NET
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