Flick-Team vor Qatar 2022

Große Prüfungen für die DFB-Elf im WM-Jahr

Von Tobias Rabe
15.11.2021
, 07:58
„Wir brauchen uns nicht verstecken“: Bundestrainer Hansi Flick
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Die sieben Siege in sieben Spielen unter Hansi Flick sind noch kein Maßstab. Das Jahr 2022 bringt für die DFB-Elf ganz andere Herausforderungen. Die Planungen für die WM in Qatar werden nun konkret.
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Der Reflex ist so alt wie das Spiel selbst. Wenn ein Fußballjahr zu Ende geht, wird zurückgeschaut. So sollte es auch nach dem 4:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft in Armenien sein. Doch Thomas Müller spürte im Interview bei RTL keine große Lust auf einen Rückblick auf die missratene EM 2021 oder gar auf die Heimniederlage in der WM-Qualifikation gegen Nordmazedonien. Seit der Blamage im März hat sich ja auch einiges geändert, nicht nur, dass Müller wieder mitspielen darf. Vor allem ist nun nicht mehr Joachim Löw Bundestrainer. Sein einstiger Assistent Hansi Flick hat übernommen.

Fußball-Länderspiele

Daher wollte Müller auch nur die Zeit seit dessen Übernahme im September bewerten. Sieben Siege in sieben Spielen sind eine einwandfreie Bilanz. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Qatar, die in ziemlich genau einem Jahr beginnt, wurde schon vor dem „gelungenen Abschluss“ in Jerewan geschafft. Kai Havertz, zweimal Ilkay Gündogan und Jonas Hofmann trafen für die Deutschen, das Elfmetergegentor durch den früheren Dortmunder Henrich Mchitarjan war lediglich ein Schönheitsfehler. „Man sieht, dass wir die letzten drei Monate gute Arbeit geleistet haben“, sagte Müller also zur Zeit unter Flick.

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Doch nicht nur die Zahlen sprechen für den neuen Bundestrainer und seine Mannschaft. Es macht wieder Freude, die Nationalelf spielen zu sehen, weil sie es auch unter nicht einfachen Bedingungen wie am Sonntagabend nicht schleifen ließ. Zahlreiche Spieler fehlten aus verschiedensten Gründen, dazu spielte das Ergebnis für die WM-Qualifikation keine Rolle mehr im kleinen Stadion in der Hauptstadt von Armenien. „Die Mannschaft hat mit Freude und Spaß gespielt. Die Mannschaft will. Das ist richtig klasse. Ich bin zufrieden und kann der Mannschaft nur gratulieren“, sagte der neue Bundestrainer.

„Brauchen uns nicht verstecken“

Flick gibt sich seit seinem Dienstbeginn optimistisch, die sieben Partien nun haben ihn bestätigt. Die bleierne Schwere der Löw-Jahre ist weg. „Wir haben auf jeder Position eine enorme Qualität“, sagte Flick am Sonntagabend. „Wenn man die Finals der letzten beiden Champions-League-Jahre sieht, dann haben da viele deutsche Spieler auf dem Platz gestanden. Ich glaube schon, dass wir eine gute Qualität haben. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Ich glaube auch, dass sich die Mannschaft gegen stärkere Gegner noch steigern kann. Die Spiele haben gezeigt, dass wir zurück sind.“

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Für den Moment ist das sportliche Aufbauwerk mit dem finalen Kapitel im Jahr 2021 abgeschlossen. Doch Flick wird nicht aufhören, seine Nationalspieler zu fordern und zu fördern, wie er schon zuvor im Interview mit der F.A.Z. angekündigt hatte. Bevor sich alle im März zu den nächsten Länderspielen wiedertreffen, wird der Bundestrainer mit seinem Team Kontakt zu Spielern und Klubs halten – aber mit Augenmaß. „Wir begleiten die Spieler über das ganze Jahr hinweg. Wir werden sie jetzt aber erst einmal in Ruhe lassen, wenn sie bei ihren Vereinen sind“, sagte der Bundestrainer in Jerewan.

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© Youtube

Für Flick ist das Jahr auch nicht vorbei. Vor Weihnachten wird er nach Doha reisen, um die WM dort in einem Jahr vorzubereiten. Dabei geht es vor allem um die Suche nach einem Quartier. Wie wichtig das für ein erfolgreiches Turnier sein kann, zeigte die WM 2014, als das Campo Bahia mit den Hütten am brasilianischen Atlantikstrand zu einem wichtigen Baustein auf dem Weg zum Titel wurde. Ganz anders war es bei der WM 2018 in Russland. Statt im schicken Sotschi landete der deutsche Tross im tristen Moskauer Vorstadtwald von Watutinki – und nach der Vorrunde schon wieder in der Heimat.

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Das soll beim Weltturnier, das mit dem Finale kurz vor Heiligabend 2022 beendet wird, anders sein. Qatar, das nur gut halb so groß wie Hessen ist, bietet nicht so viele Optionen für ein Quartier. „Das Angebot ist begrenzt“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff nach Inspektionen. Flick jedenfalls hat klare Vorstellungen. „Gute Trainingsbedingungen und ein Hotel, wo man für sich ist“, sagte er zu seinen Kriterien. Und gerne kurze Wege zwischen Herberge und Übungsplatz. Wahrscheinlich zieht es den DFB-Tross in eine Anlage nördlich von Doha, abseits des großen WM-Trubels in dem kleinen Land.

Bis der Ball in Qatar rollt, dauert es aber noch. Im März möchten die Deutschen gegen zwei namhafte Gegner spielen. „Wir haben die ein oder andere Anfrage für die Testspiele. Unser Ziel ist es, dass wir im März einen wirklichen Hochkaräter haben“, sagte Flick. Nordmazedonien, Rumänien, Armenien, Island und Liechtenstein waren keine harten Prüfungen. „Man muss immer ein bisschen relativieren, dass wir jetzt natürlich keine extrem schwierigen Gegner in unserer Gruppe haben“, sagte Müller. Für die WM ist Deutschland nicht im besten Lostopf. Schon in der Vorrunde wartet ein Schwergewicht.

Bekanntgegeben werden die Gegner für die Testspiele im März erst nach der Auslosung der Nations League am 16. Dezember, um Dopplungen im Spielplan zu vermeiden. Im Juni gibt es gleich vier Partien und im September weitere zwei im umstrittenen Wettbewerb. Auch dort wartet mindestens ein namhafter Gegner wegen des schwachen Abschneidens in den ersten Ausgaben der Nations League. Ein Trainingslager vor der WM wird es nicht geben. Die Bundesliga wird nach dem 13. November unterbrochen, acht Tage später startet schon das Turnier im warmen Winter in Qatar.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rabe, Tobias
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
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