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Dritte Liga

Die Risikoliga

EIN KOMMENTAR Von Peter Penders
16.10.2019
, 17:57
Arm, aber sexy: Dank Klubs wie Rückkehrer Waldhof Mannheim zieht die dritte Liga Zuschauer. Bild: Picture-Alliance
Dass etwas schief läuft, ist offensichtlich: Die Dritte Liga erwirtschaftet ein Rekordminus. Es wird an vielen Orten gegen jedes kaufmännische Denken gehandelt.
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Eine Neugliederung der Dritten Liga? Da hat DFB-Direktor Oliver Bierhoff aber mal ein ganz heißes Eisen angefasst, bei dem von vornherein klar war, dass er sich die Finger verbrennen würde. Bierhoffs Idee, die Dritte Liga künftig zwei- oder sogar dreigleisig auszuspielen, konnte bei den Drittligaklubs auf keine Gegenliebe stoßen. Wer teilt zum einen schließlich schon gerne durch zwei oder sogar durch drei? Und zum anderen haben die Klubs ganz andere Ziele als der DFB-Sportdirektor. Dem geht es um die bessere Förderung von Talenten, damit Deutschland irgendwann wieder von großen Titeln träumen kann und nicht mit Abstiegen rechnen muss. Den Vereinen geht es dagegen um den maximal möglichen Erfolg – und das ist in erster Linie der Aufstieg in die zweite Liga und der Zugriff auf deutlich mehr Fernsehgeld.

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Diskutieren könnte man Bierhoffs Idee durchaus. Immerhin enthielte sie auch Möglichkeiten, wie man zu einer vernünftigen und nachvollziehbaren Aufstiegsregelung aus der vierten Spielklasse kommen könnte. Und völlig unabhängig davon, ob deutschen Talenten eine zwei- oder dreigleisige Liga wirklich nutzen würde, müssten doch alle Alarmglocken aus ganz anderen Gründen schrillen. Die Zahlen, die bei der Bilanz-Präsentation am Mittwoch veröffentlicht wurden, stehen nämlich beileibe nicht für eine Erfolgsgeschichte dieser Dritten Liga. Nur sieben Vereine beendeten die Saison mit einem Plus in der Kasse. Trotz des Umsatzrekords in der vergangenen Spielzeit in Höhe von 185,6 Millionen Euro verzeichneten die 20 Klubs mit einem durchschnittlichen Minus von 1,5 Millionen Euro pro Verein einen Rekordverlust. Darin haben die Drittligavertreter durchaus einige Übung: Zum neunten Mal in elf Jahren machten sie in ihrer Gesamtheit Miese.

Gegen jedes kaufmännische Denken

Ein Umsatzrekord mit einer Steigerung von rund 30 Millionen Euro, dazu ein Zuschauerrekord, da dank der zugkräftigen Zweitliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig erstmals mehr als drei Millionen Besucher in die Stadien kamen – und gleichzeitig ein so großes Minus wie noch nie: Dass da etwas schief läuft, ist klar, und was schief läuft, auch: Das wirtschaftliche Gebaren in der Dritten Liga widerspricht jedem kaufmännischen Denken – es wird in die Kader mit hohem Risiko investiert, weil einige Klubs, koste es was es wolle, in die Zweite Liga streben. Andere agieren ähnlich, weil sie zumindest in der Liga bleiben wollen.

Mit mehr als 75 Millionen Euro machen die Gehälter der Spieler, Trainer und Sportdirektoren den größten Einzelposten aus – das machte im Durchschnitt eine Steigerung von 450.000 Euro pro Verein aus. Ein Drittliga-Spieler verdient so im Schnitt 80.000 Euro im Jahr. Viel mehr ausgeben, als man einnimmt, und das sogar auf Dauer: Ginge es da nicht um Fußball, müsste man damit rechnen, dass die ganze Geschichte bald eingestampft würde. So aber sagt DFB-Abteilungsleiter Manuel Hartmann: „Wir appellieren an die wirtschaftliche Vernunft der Klubs.“ Wird bestimmt helfen.

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Quelle: F.A.Z.
Peter Penders
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