Vorerst kein Nachfolger

Die Uefa wünscht sich Platini zurück

22.01.2016
, 17:17
Bei der Suche nach einem Nachfolger für Michel Platini will die Uefa warten, bis dessen Fall endgültig geklärt ist. In Bezug auf die Zukunft der Torlinientechnik ist dagegen eine Entscheidung gefallen.

Die Uefa will keinen Nachfolger für den derzeit gesperrten Präsidenten Michel Platini wählen, bis dessen Fall von allen Instanzen geklärt ist. Das teilte die Europäische Fußball-Union nach der Sitzung ihres Exekutivkomitees am Freitag in Nyon mit. Platini war von der Fifa-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt worden. Er hat Einspruch bei der Beschwerdekammer des Fußball-Weltverbandes und dem Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen das Urteil angekündigt. Dem Franzosen wird eine Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken durch den ebenfalls gesperrten Fifa-Chef Joseph Blatter vorgeworfen.

Die Uefa hat am 25. Februar einen außerordentlichen Kongress in Zürich einberufen. Einen Tag später wählt die Fifa dort einen Nachfolger für Blatter. Ursprünglich hatte Platini sich um das Spitzenamt im Weltverband bewerben wollen. Der reguläre Uefa-Kongress 2016 war vom Exekutivkomitee im Dezember vom 23. März auf den 3. Mai in Budapest verschoben worden. Daher war angenommen worden, dass bei diesem Termin ein Nachfolger für Platini bestimmt werden solle. „Wir hoffen, dass sein Name reingewaschen wird, so dass er so schnell wie möglich in Europas Fußball-Familie zurückkehren kann“, hieß es in einem Uefa-Statement am Freitag.

Torlinientechnik auch im Europapokal

Zudem beschloss das Exekutivkomitee, dass bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich die Schiedsrichter durch Torlinientechnik unterstützt. Das entsprechende System zur Hilfe für die Referees soll von der kommenden Saison an zudem in der Champions League und der darauf folgenden Saison auch in der Europa League eingesetzt werden.

Welchen der derzeit drei durch die Fifa lizenzierten Anbieter die Uefa wählen wird, werde man in Kürze entscheiden, sagte Medienchef Pedro Pinto bei einer Pressekonferenz. Der Europa-Dachverband hatte sich lange gegen die Torlinientechnik gesträubt. Besonders Michel Platini galt als großer Gegner der elektronischen Hilfsmittel auf dem Fußballplatz. Stattdessen führte die Uefa zwei Torassistenten ein, die das Geschehen in den Strafräumen im Blick haben sollen. Diese soll es auch weiterhin geben.

Darüber hinaus kann Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino im Rennen um die Fifa-Präsidentschaft vorerst nicht mit der Unterstützung aller europäischen Fußballverbände kalkulieren. In einer Uefa-Mitteilung war nur von einer großen Mehrheit der Nationalverbände die Rede, die hinter der Kandidatur des Schweizers um das Amt des Weltverbandschefs stehen würden. Die Verbände hatten sich aber zuvor bei einem Treffen in Nyon offensichtlich nicht auf eine einheitliche Position einigen können. Nach jeweils internen Abstimmungen würden die jeweiligen Verbände nun einzeln ihre Präferenz für die Fifa-Wahl bekanntgeben, hieß es.

Insgesamt sind 53 der 54 Uefa-Mitgliedsverbände bei der Fifa-Wahl stimmberechtigt. Nur Gibraltar ist kein Fifa-Mitglied. Der Deutsche Fußball-Bund hatte sich bereits vorab für Infantino ausgesprochen. Auch das Uefa-Exekutivkomitee mit dem früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als Vertreter der europäischen Topklubs stellte sich am Freitag hinter den Generalsekretär. Neben Infantino bewerben sich Asiens Kontinental-Chef Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa aus Bahrain, Prinz Ali bin Al-Hussein aus Jordanien, der Südafrikaner Tokyo Sexwale und Jerome Champagne aus Frankreich um die Nachfolge des gesperrten Joseph Blatter. Stimmberechtigt sind alle 209 Fifa-Mitgliedsländer.

Quelle: dpa
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