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Eichlers Eurogoals

Bezaubernde Herbst-Winter-Kollektion

Von Christian Eichler
 - 14:58
Tore, Tore, Tore: Messi, Ibrahimovic, Falcao, Rooney und Co. treffen wie noch niezur Bildergalerie

Die Kollegen des FC Barcelona drückten ihren Talisman, gaben ihm Klapse auf Hinterkopf und Schulter, als wäre er noch der kleine 16-Jährige, den man aufpäppeln muss. Und nicht der große Lionel Messi, der mit 25 Jahren keinen Konkurrenten in der Welt des Fußballs hat. Und das will was heißen. Die Welt erlebt derzeit die aufregendste Zeit des Offensivfußballs seit den glorreichen 70er Jahren. Der übertrifft vielleicht nicht in der Kunst der Spielmacher jene Ära des „totalen Fußballs“, aber gewiss in der Kunst der Torjäger. Nie waren sie so hungrig wie heute.

Einen Gerd Müller übertrifft in dieser Hinsicht immer noch keiner. Doch in einem Punkt hat das Messi nun doch geschafft. Nicht mal Müller selbst dürfte bis vor kurzem gewusst haben, dass er mit 85 Toren in einem Kalenderjahr, erzielt 1972 für Bayern München und die Nationalmannschaft, einen Weltrekord hielt. Für gewöhnlich interessieren im Fußball keine Kalenderjahre, nur die Spielzeiten von August bis Mai – bis spanische Sportzeitungen, die täglich Dutzende von Fußballseiten irgendwie füllen müssen, diese statistische Rekordspielerei fanden. Sie lieferte wochenlang guten Stoff: Wird Messi es schaffen? Wie viele Tore fehlen noch?

Dann aber plötzlich, am Mittwoch abend, bangte der Fußball eine Stunde lang um seinen Fixstern. Messi lag auf der Trage, hielt sich das Knie, es gab entsetzte Blicke beim Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon und erste böse Gerüchte: Kreuzbandriss? Dann aber war es doch nur ein Bluterguss. Am Sonntag spielte er schon wieder, traf zweimal beim 2:1 bei Betis Sevilla, nun hat er den Rekord. Es können noch mehr Tore werden, drei Spiele bleiben noch.

86 Tore in einem Kalenderjahr sind unfassbar viel, aber auch nicht unfassbarer als die 50 Tore, die er in der letzten Saison in der spanischen Liga schoss, nicht unfassbarer als die bereits 23 Tore (davon 21 mit links) in 15 Ligaspielen in dieser Saison und die auf zehn Spiele mit je zwei Treffern und eines mit dreien verteilt sind. Oder: nicht unfassbarer, als es der ganze Messi ist. Das Faszinierendste an ihm ist vielleicht, dass er auf den ersten Blick nichts tut, was ein anderer nicht auch könnte.

Er ist in seinen Einzelaktionen, seiner Ballbehandlung, seiner Schusstechnik nicht spektakulärer als andere, genauso wenig wie es Müller war. Doch er tut, wie Müller, alles Entscheidende schneller als jeder andere. Und dabei hatte sein Rekord-Torjahr 2012 mit einem für ihn eher ungewohnten Körperteil begonnen, dem Kopf. Zu sehen, wie die anderen 85 Tore, hier bei Youtube.

Es ist eigentlich unglaublich, dass ein Mittelstürmer wie Radamel Falcao im Schatten eines anderen steht, eines Messi eben. Und das sogar an einem Wochenende, an dem er beim 6:0-Sieg von Atletico Madrid gegen Deportivo La Coruna zwischen der 28. und 72. Minute fünf Tore schoss. Falcao ist mit nun 16 Toren in 14 Ligaspielen in dieser Saison der zweitbeste Schütze in den großen Ligen Europas. Dafür hat er Messi eines voraus: eine Nominierung für den „Puskas Award“, die Auswahl der drei besten Tore nach Ansicht des Internationalen Fußball-Verbandes, zu sehen hier. Es ist ein Seitfallzieher, volley nach einer Ecke, der in seiner Dynamik, Technik und Athletik atemraubend ist.

Usain Bolt mit Fußballschuhen

Die Fifa zog sich einigen Spott zu, weil sie diese Auswahl einen Tag vor dem Fallrückzieher von Zlatan Ibrahimovic gegen England schloss. Inzwischen hat der Schwede, mit 14 Toren in 13 Spielen für Paris St-Germain der aktuell drittbeste Schütze in den fünf Top-Ligen Europas, noch eine andere Höchstleistung gezeigt, einen Formel-1-Freistoß bei der 1:2-Niederlage in Nizza vor einer Woche, bei dem Messungen angeblich ein Tempo von 180 km/h ergaben.

Da ließ sich der Spektakel-Spieler Cristiano Ronaldo, der derzeit mit nur 13 Treffern in 15 Spielen nicht ganz den eigenen Ansprüchen genügt, auch nicht lumpen und zeigte beim 2:0-Sieg von Real im Madrider Derby gegen Atletico vor einer Woche einen Spurt, der ihm Empfehlungen für einen Wechsel der Sportart einbrachte. Nach einer abgewehrten Ecke startete er vom eigenen Fünfmeterraum bis zum gegnerischen und legte diese Strecke, nach spanischen Messungen 96 Meter in einer Zeit von zehn Sekunden zurück, wie die mitlaufende Uhr zeigte.

Schafft das Usain Bolt in Fußballschuhen? Der Lohn blieb aus, den Pass von Mesut Özil erlief er, traf aber nur den Pfosten. Und ging nun beim Spiel in Valladolid leer aus. Dafür wendete Özil die Partie mit zwei herrlichen Toren zum 3:2-Sieg.

Glorreiche Zeiten für Fußballfreunde

Wenn man den Blick fürs Wesentliche hat, also die vielen langen Strecken des gegenseitigen Neutralisierens defensiv gut organisierter Teams übersteht (oder überspult) und sich die offensiven Glanzlichter gönnt, dann sind es glorreiche Zeiten für Fußballfreunde. Wann gab es zuletzt eine solche Fülle an Offensivkraft im europäischen Fußball?

Wayne Rooney erzielte am Sonntag seine Premier-League-Tore 149 und 150 beim Manchester-Derby gegen City, das danach zum 2:2 ausglich, ehe in der Nachspielzeit Robin van Persie mit seinem elften Saisontor, einem scharfen Topspin-Freistoß, das 3:2-Siegtor für United besorgte. Sogar Fernando Torres trifft wieder und ließ seine drei Toren aus der Champions League zwei weitere beim 3:1-Sieg von Chelsea in Sunderland folgen. Als überraschendste Entdeckung seit Jahren gilt in der Premier League derzeit ein anderer, bis dato kaum bekannter Spanier namens Michu, ein schlaksiger, schlauer Stürmer, der die Torjägerliste mit zwölf Toren, erzielt für Swansea City, anführt. Und in Italien schwärmt man vom Newcomer der Saison, dem 20-jährigen Halb-Ägypter Stephan El Shaarawy, der beim 4:2 von AC Mailand beim AC Turin schon sein 13. Saisontor schoss.

Berauschende November-Kollektion

Noch schöner als die Zahl der Tore ist deren Qualität. Kaum je zuvor hatte die Auswahl zum „Tor des Monats“ der ARD-Sportschau eine solche Qualität und Bandbreite wie die aktuelle November-Kollektion.

Kein Tor ist dem anderen ähnlich, jedes ist einzigartig: Ibrahimovics Rückzieher, Andre Schürrles Spurt mit Winkelschuss, Thomas Müllers Spitzwinkel-Schlitzohrtor, Juan Arangos Volleyhammer, Jakub Blaszykowskis Direktschuss nach Dortmunder Zickzack-Kombination. Am Sonntag hat Arango dem mit seinem 45-Meter-Lob zum Gladbacher 2:0 gegen Mainz gleich noch ein Angebot für die Dezember-Auswahl folgen lassen. Die technische Qualität des Torabschlusses hat im europäischen Spitzenfußball ein Niveau erreicht, das dürstenden Fußballseelen über viele graue Wintertage hinweghelfen kann.

Nur ein Klub liefert in dieser Hinsicht extrem wenig fürs Geld: Manchester City, das aktuelle Stürmergrab Europas. Weit über hundert Millionen Euro hat das Quartett Aguero, Dzeko, Tevez und Balotelli gekostet. Keiner der vier kommt in dieser Saison auch nur auf eine Quote von 0,5 Toren pro Spiel. Balotelli, der Deutschland-Schreck, traf bisher in 13 Partien sogar nur einmal. Wo das Problem des Italieners liegen könnte, hat nun sein Manager Mino Raiola in einem Interview angedeutet. Zum gemeinsamen Termin in London, so erzählte Raiola, fuhr ein Taxi vor – und dahinter Balotellis Maserati. Der Spieler hatte den Chaffeur nicht engagiert, um ihn zu fahren, sondern um ihm vorzufahren. Als Navi des reichen Mannes. Ein Fall von Orientierungsproblemen. Aber keine ganz blöde Idee, sie zu beheben: Hinter dem City-Tor ist noch Platz fürs Taxi.

Quelle: FAZ.NET
Christian Eichler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Eichler
Sportkorrespondent in München.
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