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Eichlers Eurogoals

Ein Ausputzer besonderer Art

 - 13:32
Liam Ridgewell - am Boden und nicht auf der Toilettezur Bildergalerie

Wer sehnt sich nicht manchmal nach den Tagen zurück, als es noch richtig doofe Fußballer gab? Denen man ihre taktische Aufgabe noch so erklären musste: Du deckst den Zehner, und wenn der Zehner aufs Klo geht, gehst du mit? Die gute Nachricht: Es gibt solche Fußballer noch. Vielleicht sogar noch doofere. Sie gehen nicht nur aufs Klo, sie lassen sich dort auch noch fotografieren.

Die englische Boulevardzeitung „Sun“ bewies das nun mit der Veröffentlichung eines Fotos des Verteidigers Liam Ridgewell von West Bromwich Albion, dem bisherigen Überraschungsteam der Premier League. Es zeigt, wie Ridgewell mit heruntergelassener Hose auf der Toilette sitzt - und sich dabei mit einem 20-Pfund-Geldschein den Hintern abputzt. Vor ihm liegt bereits ein Haufen Geldscheine.

Soziale Sprengkraft

Immer noch besser, als hätte er dafür die „Sun“ benutzt, könnte man meinen (einiges Wohlwollen vorausgesetzt). Und vermutlich wäre das Foto, das ein anonymer West-Brom-Fan dem Blatt zuschickte, bei anderen Zeitungen im Papierkorb gelandet. Oder allenfalls an der Pin-Wand neben der Herrentoilette.

Doch die „Sun“ erkannte die soziale Sprengkraft, ja die politische Dimension dieses Zeitdokuments. Und sah sich deshalb verpflichtet, den Lokus in den Fokus zu rücken. „Es ist ein Foto, das hart arbeitende Fußballfans überall in Großbritannien in Rage bringen wird“, schrieb das Blatt und vergaß nicht zu erwähnen, dass der „schändliche Schnappschuss“ in Ridgewells „1,5 Millionen Pfund teurem Haus“ bei Birmingham aufgenommen wurde.

Nun ist ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, wenn sich jemand seine Hygiene auch etwas kosten lässt. Und gerade die Verdauungsversorgung von Fußballern hat lange gebraucht, um ein ziviles Niveau zu erreichen. Und um den Gebrauch der Vokabel „Kulturtasche“ im Zusammenhang mit kickender Körperpflege zu erlauben.

Rehhagels Toiletten

So beschrieb Otto Rehhagel sein bleibendes Vermächtnis in Ostwestfalen nach seiner Entlassung bei Arminia Bielefeld 1979 nicht mit Fortschritten bei der Spiel-, sondern der Sanitäranlage: „Wenigstens gibt es wegen mir jetzt eine Toilette am Trainingsgelände.“

Selbst nach dem Aufstieg zum griechischen Gott Rehhakles soll er sich bei Besuchen auf der Bielefelder Alm erkundigt haben, ob Ottos Örtchen noch existierte. Und später, als Meistertrainer in Bremen, schilderte er einen weiteren seiner größten Erfolge so: „Bei Werder habe ich sechs Jahre um ein eigenes Klo gekämpft. Bei Real würden sie mich fragen: Welche von den zehn Toiletten möchten Sie benutzen?“

Sneijders Zeit zum Herumsitzen

Dennoch geht es natürlich zu weit, wenn Fußballer am falschen Ende verschwenderisch sind. Und wenn sie, wie Ausputzer Ridgewell, auf solch unappetitliche Weise zeigen, wie sie das viele Geld, das man ihnen nachwirft, zu schätzen wissen. Immerhin ist er einsichtig. Am Samstag entschuldigte sich Ridgewell für das Foto. Es sei vor acht Monaten aufgenommen worden, „um einen Kumpel zu foppen, gegen den ich eine Wette gewonnen hatte. Nur er sollte das Foto sehen, aber nun, da es öffentlich geworden ist, verstehe ich die Reaktionen.“

Noch mehr Zeit zum Herumsitzen und noch mehr Papiergeld hat Wesley Sneijder, der kleine holländische Spielmacher, der nach seiner überragenden Saison 2010 (Meister, Pokalsieger, Champions-League-Sieger mit Inter Mailand, WM-Finalist mit Holland) von Inter einen neuen Vertrag bekam, der ihm bis 2015 pro Jahr 13 Millionen Euro brutto sichert.

Noch vor einem Jahr wollte ihn Inter selbst für rund 40 Millionen Euro nicht an Manchester United verkaufen. Nun aber sind die Zeiten plötzlich so schlecht, wie es die Finanzen schon lange waren. Allein in der Saison, als Inter das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern gewann, machte der Klub einen Verlust von 140 Millionen Euro.

Die Altlast Sneijder drückt, und so bot ihm der Klub vor kurzem eine erneute Vertragsverlängerung bis 2017 an – bei einem um zwei Drittel verringerten Gehalt. Sneijder lehnte ab. Er wird seitdem nicht mehr eingesetzt (worauf das Team eine Siegesserie startete). In italienischen Medien wurde das Angebot als „Erpressung“ betrachtet, als Versuch, den teuren Star wegzuekeln, auch die Spielergewerkschaft hat protestiert. Aber wenn man sich eine Art des Erpresstwerdens aussuchen könnte, wäre es nicht genau diese? Entweder arbeiten für 4 Millionen – oder nicht arbeiten für 13 Millionen.

Ibrahimovics Parkplatzsorgen

Solche Probleme hätte man als nicht kickender Angestellter manchmal auch ganz gern. Andererseits: den ganzen Stress, den die Fußballer sich machen, braucht man auch nicht unbedingt. Zum Beispiel den mit den Parkplätzen bei Paris St-Germain. Bei dem Scheich-Klub kassiert Zlatan Ibrahimovic pro Jahr 14 Millionen Euro netto, von denen er angeblich 6000 pro Tag (also über 2 Millionen pro Jahr) für seine Hotelsuite ausgibt. Nicht das Einkommen aber soll es sein, das ihm das Auskommen mit dem Rest der Mannschaft immer schwieriger macht; denn immerhin liefert er dafür ja auch etwas, bisher 13 Liga-Tore, mehr als alle Kollegen zusammen. Nein, es ist der Parkplatz.

Glaubt man den lokalen Zeitungsberichten, dann ignorierte Ibrahimovic monatelang die klubinternen Verkehrsregeln und stellte seinen Ferrari oder Volvo demonstrativ auf den Plätzen ab, die für Mitarbeiter des Trainerteams und Managements reserviert sind – während die ordentlichen Kollegen den einige Meter weiter vom Trainingsgelände entfernten Spielerparkplatz nahmen. Als der Klub vor zwei Wochen einen Parkwächter installierte, der Ibrahimovic die Einfahrt zum Trainerbereich verweigerte, stellte der sein Auto so vor der Schranke ab, dass niemand mehr hinein oder heraus kam. Inzwischen ist der Fall allerdings geklärt, und „Ibra“ parkt bei den Normalsterblichen.

Welches Toilettenpapier hat Ibrahimovic?

Übrigens ist Paris St-Germain, das im Sommer 147 Millionen Euro für neue Spieler ausgab, mehr als jeder andere Klub der Welt, nach drei Niederlagen in den letzten fünf Spielen, zuletzt 1:2 in Nizza, auf Platz vier der französischen Liga zurückgefallen. Und die Erfahrung lehrt, dass es manchmal ganz banale Dinge auf Schulhofniveau sind, die aus teuren Mannschaften zerfahrene Gebilde machen: der Kampf um Geltung, um Frauen, um Privilegien. Der ewig pubertäre Antrieb, anderen zu zeigen, dass man was Besseres ist, mehr Geld, mehr PS, mehr Parkplatz hat.

Oder einfach: mehr von allem. Und deshalb wüssten wir, wenn wir ehrlich sind, obwohl wir uns natürlich sonst überhaupt nicht für solche Dinge interessieren, also vielleicht doch ganz gern, welches Toilettenpapier Zlatan Ibrahimovic bevorzugt.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause. In Eichlers Eurogoals - die FAZ.NET-Fußball-Kolumne fasst er seine pointierten Betrachtungen zusammen.

Quelle: FAZ.NET
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