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Eichlers Eurogoals

Fünf echte Zwanziger

Von Christian Eichler
 - 14:28
Leichtfuß: „Isco“ (Mitte) führte den FC Malaga ins Achtelfinale der Champions Leaguezur Bildergalerie

Zu Beginn der letzten “Eurogoals” vor dem möglichen Ende der Welt ist Zeit für etwas Zahlenmystik. Welche Zahl häufte sich in diesem mysteriösen Fußballjahr Zwanzigzwölf? Zwanzig Ecken im Champions-League-Finale für die Bayern, alle ohne Effekt, und eine einzige für Chelsea – mit bekanntem Ende. Die „Zwanziger Jahre“, der hochoriginelle Enthüllungsbuchtitel eines ehemaligen DFB-Präsidenten, der vielleicht besser in jene Zeit gepasst hätte. Die Ankündigung einer ersten paneuropäischen EM im Jahr zwanzigzwanzig. Und zum Abschluss an diesem Donnerstag, dem zwanzigsten zwölften zwanzigzwölf, die mit Spannung erwartete Auslosung für die erste K.o.-Runde im ersten Jahr nach dem zwanzigsten Jubiläum der Champions League.

Zu deren Austragung es natürlich nur dann kommt, wenn die Welt den Tag nach der Auslosung überleben sollte - wenn also die Maya mit ihren Vorhersagen auch nicht treffsicherer sind als Fußballtrainer. Dafür, dass es so kommt, spricht ja, dass Maya (wie Fußballtrainer) nicht mal ihr eigenes Ende richtig vorhersahen. Wieso dann also unseres?

Deshalb unsererseits eine Vorhersage: Zwanziger haben Zukunft. Die aktuelle Champions League ist die Bühne für einige phantastische Spieler des Jahrgangs 1992, die Vorfreude machen auf die K.o.-Spiele – und auf die nächsten Jahre, in denen sie Helden- und Hauptrollen übernehmen dürften. Aus deutscher Sicht waren diese Zwanzigjährigen David Alaba, der seinen Durchbruch mit dem FC Bayern schon im Viertel- und Halbfinale der letzten Saison hatte; und natürlich Mario Götze, der beim famosen Gruppensieg von Borussia Dortmund herausragte. Hier vier weitere Kronprinzen der Königsklasse, die am Donnerstag im Lostopf liegen werden – und einer, der das bis nach seinem 21. Geburtstag verschieben muss, weil ihm ein Huhn dazwischen kam.

„Zukunft des Tiki-taka“

Dem ersten bescheinigen spanische Zeitungen schon, „die Zukunft des Tiki-taka“ zu sein. Selbst wenn man die übliche Lust an der Übertreibung abzieht, könnte da etwas dran sein. Denn keiner aus dem Talentschuppen von Barca wurde letzte Saison zum besten Nachwuchsspieler der spanischen Liga gewählt. Sondern Francisco Roman Alarcon Suarez, der sich dankenswerterweise nicht den ganzen Namen aufs Trikot flocken lässt, sondern nur die letzten vier Lettern des ersten Namens: Isco. (Eigentlich schade, dass sich verkürzte Künstlernamen im deutschem Fußball noch nicht durchgesetzt haben, bei Könnern wie Ötze, Owski, Üller oder Einsteiger).

Spätestens seit September ist der Mann aus Malaga in ganz Europa ein gefragter Mann. Denn er bietet einen Mix, der kauflustige Klubs anzieht wie Motten das Licht: Talent, Tempo, Tore (gleich zwei besonders schicke beim Champions-League-Debüt gegen St. Petersburg) – und ein Klub, dem der Geldgeber aus dem Orient abhanden gekommen ist. Isco hat den klammen Vierten der spanischen Liga ohne Niederlage zum überlegenen Gruppensieg in der Champions League vor dem AC Mailand geführt. Doch ob er die Rückrunde noch an der Costa del Sol spielen wird, ist ungewiss. Für eine fixe Ablöse von angeblich 21 Millionen Euro kann man ihn aus seinem Vertrag auslösen.

Der zweite ist einer, der sich dagegen in diesen Tagen wohl für fünf Jahre an seinen Klub binden wird. Jack Wilshere gilt seit Jahren als das größte Mittelfeldtalent Englands. Er sah schon mit 17 oder 18 wie der Spieler aus, der einmal das oft zu spielerische Team des FC Arsenal im Zentrum lenken und im Kern zusammenhalten würde – eine Rolle, wie sie seit Patrick Vieira und Cesc Fabregas dort niemand mehr ausfüllte. Doch Wilshere fiel wegen einer Verletzungsserie 16 Monate aus und kehrt erst nun allmählich wieder in die Mannschaft zurück, die einen wie ihn nach dem Rückfall ins Mittelmaß der Premier League und dem blamablen Aus im Ligapokal beim Viertligisten Bradford dringend braucht. „Technisch sind wir das beste Team im Land, aber wir müssen die Ärmel aufkrempeln und zusammenhalten“, fordert Wilshere, der schon jung das Zeug zum Anführer hat.

Der dritte wird schon als „neuer Pirlo“ gefeiert. Marco Verratti stieg in der letzten Saison mit seinem Heimatverein Delfino Pescara überraschend in die Serie A auf, und noch überraschender war der flotte Angriffsfußball, den sein Team zeigte. Das junge Offensiv-Trio Verratti, Insigne und Immobile war an 76 von 90 Toren der Delfini beteiligt. Der nur 1,65 Meter große und 60 Kilogramm schwere Rückraum-Regisseur erweckte sofort Interesse bei reichen Klubs, von denen Paris St-Germain für 12 Millionen Euro das Rennen machte.

Ein kleiner Transfer für die Verhältnisse des Scheich-Klubs, aber einer von großer Qualität. Verratti bestritt alle sechs Champions-League-Spiele für PSG, das seine Vorrundengruppe sicher gewann und am Sonntag mit einem 1:0-Sieg gegen Olympique Lyon im Spitzenspiel der französischen Liga die Tabellenführung zurückeroberte.

Der vierte ist ebenfalls ein italienischer Jung-Nationalspieler, obwohl sein Name nicht so klingt. Sein Chef Silvio Berlusconi konnte sich ihn bis vor ein paar Monaten nicht merken und nannte ihn nur „den kleinen Ägypter“. Dass aus Stephan El Sharaawy beim AC Mailand inzwischen eine große Nummer geworden ist, zeigte der Klubbesitzer, als er vor kurzem das Trainingsgelände besuchte und ihn als Ersten begrüßte. Lange lenkte der Sohn eines Ägypters und einer Italienerin mit Äußerlichkeiten von seinen Fähigkeiten ab. Den damaligen Kollegen Gennaro Gattuso nervte, „dass ich mir die Augenbrauen zupfte“, so der Stürmer. Und der Chef empfahl dem Mann mit der Irokesenbürste einen Friseurbesuch: „Es wäre großartig, wenn er endlich mal seine Frisur ändern würde“.

„Ibrahimovics Abschied war gut für mich“

Seit er aber den Abgang von Zlatan Ibrahimovic so gut kompensiert, meckert niemand mehr über Modisches. „Ibrahimovics Abschied war gut für mich“, sagt El Shaarawy, der die Torjägerliste der Serie A mit 14 Toren anführt. „Es war nie leicht, mit Ibra zu spielen. Alles, was du machen musst, ist ihm den Ball zu geben. Andernfalls brüllt er dich an oder spielt dir hinterher Streiche.“ Dabei betont der Jungprofi, der mit der Nummer 92 sein Geburtsjahr auf dem Rücken trägt, er konzentriere sich entgegen seinem Image ganz auf den Job: „Ich gehe nicht in Clubs und habe keine Freundin“.

Und manchmal ist es vielleicht besser, keine zu haben. Das belegt das Beispiel des fünften Zwanzigers, des einzigen, der sein Können in der Champions League noch nicht zeigen konnte. Warum? „Weil ich auf der Geburtstagsparty meiner Freundin etwas Huhn gegessen habe“. Mit dieser Schilderung beginnt die Leidensgeschichte von John Guidetti. Geboren in Stockholm, aufgewachsen in Kenia, nach starkem Start der Profikarriere in Schweden als 16-Jähriger von Manchester City gekauft; dann verliehen nach Holland, wo er für Feyenoord Rotterdam in der letzten Saison der “Eredivisie” 20 Tore in 23 Spielen schoss, so dass er zusammen mit Ibrahimovic für Schweden bei der EM 2012 stürmen sollte.

Doch dann der Rückschlag: eine Lebensmittelvergiftung, die zu einer Nervenentzündung und zur vorübergehenden Lähmung des rechten Beines führte. So hatte er keine Chance, beim englischen Meister, zu dem er im Sommer zurückkehrte, den Kampf mit Torjägern wie Aguero, Tevez, Dzeko oder Balotelli aufzunehmen.

Karriere am „seidenen Faden“

Durch den Party-Imbiss Ende der letzten Saison hatte sich Guidetti mit einem seltenen Virus infiziert, der das Nervensystem angriff. Einen Tag nach seinem letzten Spiel für Feyenoord, so schilderte er einer Zeitung, „konnte ich nicht mehr auf meinem rechten Bein stehen. Ich fiel einfach um. Im Krankenhaus sagte mir der Professor, dass meine Karriere an einem seidenen Faden hänge. Ich brach in Tränen aus, ich sah meine ganze Zukunft in Trümmern.“

Erst nach sechsmonatiger Pause konnte Guidetti im Oktober ins Mannschaftstraining zurückkehren. Die Kollegen, so erinnert sich der zuvor kraftvolle Stürmer, waren schockiert, wie dünn sein rechtes Bein geworden war. Für Weihnachten hat Guidetti nur den Wunsch, bald wieder spielen zu können. Und für das Weihnachtsessen klare Vorstellungen: „Ich werde nie wieder Huhn essen.“

Quelle: FAZ.NET
Christian Eichler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Eichler
Sportkorrespondent in München.
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