Eintracht in der Europa League

Hitzig bis zum Schluss

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
26.11.2021
, 00:06
Späte Freude bei den Frankfurtern: Paciencia jubelt über seinen 2:2-Ausgleich.
Die Eintracht rettet im letzten Moment noch einen Punkt gegen das Tabellenschlusslicht Antwerpen. Für den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Europa League reicht das nicht.
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Ungeschlagen ins Achtelfinale? Die Eintracht wollte sich unbedingt für diese Variante entscheiden, musste aber lange zittern, bis die erste Niederlage doch noch verhindert wurde. Die Qualifikation für das Feld der besten sechzehn Mannschaften in der Europa League ist damit immer noch möglich. Doch nach dem 2:2 (1:1) am Donnerstagabend gegen Royal Antwerpen ist der Vorsprung vor Verfolger Olympiakos Piräus geschrumpft. Die Griechen setzten sich im Parallelspiel gegen Fenerbahce Istanbul 1:0 durch und liegen jetzt zwei Punkte hinter der Eintracht. Die Frankfurter hatte vor 30.000 Zuschauern ein weiteres Mal ein Last-Minute-Spektakel geliefert, denn die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner lag nach Ally Mbwabna Samattas Treffer in der 88. Minute 1:2 zurück. Doch wieder zeigte die Eintracht Moral, und wieder war es mit Goncalo Paciencia ein Einwechselspieler, der spät für emotionale Hochgefühle und den Treffer zum finalen 2:2 sorgte (94.).

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Weil es keine Veranlassung gab, etwas an der siegreichen Formation der Vorwoche zu ändern, schenkte Glasner gegen Antwerpen von Beginn an den elf selben Spielern das Vertrauen, die maßgeblich zum 2:0-Sieg beim SC Freiburg beigetragen hatten.

Europa League

Wie schon im Breisgau in der Bundesliga war die Eintracht auch in ihrem Lieblingswettbewerb Europa League zielstrebig unterwegs und hatte von Beginn an Vorteile. Der Lohn für den couragierten und kontrollierten Auftritt: das 1:0 in der 13. Minute. Es war eine starke Aktion der Eintracht, denn Tuta hatte sich in der eigenen Hälfte den Ball erkämpft, präzise auf seinen rechten Außenbahnpartner Timothy Chandler gepasst. Der Frankfurter Amerikaner schaute kurz auf, flankte – und fand im Fünfmeterraum Daichi Kamada, der keine Mühe hatte, die Maßflanke zum verdienten Führungstreffer zu veredeln. Acht Minuten später war es abermals der agile Chandler, der sich auf rechts durchsetzte. Filip Kostic aber war in der Folge mit zu viel Power bei der Sache – der Ball flog hoch über das Tor der Belgier. Auch Jesper Lindström bot sich eine gute Gelegenheit, Royal entscheidend zu treffen. Doch der Däne verzog mit links (28.).

Ausgleich aus dem Nichts

Vieles sprach dafür, dass das zweite Frankfurter Tor nur eine Frage von Minuten war. Doch es kam anders. Royal schaffte überraschend das 1:1, das in der Entstehung irregulär gewesen war, denn dem Treffer war ein unberechtigter Eckstoß vorausgegangen. Schiedsrichter Paul Tierney hätte zuvor auf Abstoß für die Eintracht entscheiden müssen, tat er aber nicht. Viktor Fischer also flankte vom Eckpunkt auf Radja Nainggolan, der den Ball volley nahm – und der zum Entsetzen der Eintracht im Frankfurter Tor landete. Rafael Borré hatte leicht abgefälscht, Evan Ndicka entscheidend, so dass Kevin Trapp keine Abwehrchance besaß (33.).

Der eingewechselte Gonçalo Paciência rettet einen Punkt für die Eintracht.
Der eingewechselte Gonçalo Paciência rettet einen Punkt für die Eintracht. Bild: Reuters

Trotz des unverhofften Ausgleichs hielt die Eintracht weiter Kurs mit ihrem Offensivspiel. Fünf Minuten vor der Pause war es abermals der spielgefällige Kamada, der mit einer guten Aktion überzeugte. Lindström aber wusste daraus kein Kapital zu schlagen. Selbst Mittelfeldabräumer Kristijan Jakic schaltete sich immer wieder in die Angriffe der Eintracht ein. Nach seinem Solo in der 42. Minute gab es Szenenapplaus vom Publikum. Unmittelbar vor dem Ende des ersten Spielabschnitts boten sich Borré und dem fleißigen und umsichtigen Djbril Sow weitere Gelegenheiten.

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Bengalos als atmosphärischer Tiefpunkt

Auch nach dem Seitenwechsel hielt der Spannungsbogen. Die Eintracht hatte mehr Spielanteile, musste jedoch stets fokussiert und konzentriert sein, damit Royal sich nicht voll entfalten konnte. Nach einer Stunde war es abermals Chandler, der es mit einem Linksschuss versuchte, doch Keeper Jean Butez war auf der Hut. Auf der Gegenseite machten die Belgier auf sich aufmerksam. Im Gästeblock entzündeten vermeintliche Fans etliche Bengalos. Es war ein erster atmosphärischer Tiefpunkt in einer Partie, die die Eintracht mit Macht als Sieger beenden wollte. Ein zweiter folgte sieben Minuten später. Just in dem Moment, in dem der aufgerückte Libero Makoto Hasebe in den Strafraum von Antwerpen eindrang und einen Pass spielte, wurde wenige Meter vom Japaner entfernt ein Kanonenböller entzündet.

Spielerisch ging es mit einer Einwechslung weiter. Glasner brachte in der 69. Minute Sam Lammers für Borré, doch auch der Niederländer schaffte es bis zum Ende nicht mehr, das siegbringende Tor zu erzielen. Im Gegenteil: Es waren die Belgier, die eiskalt zuschlagen und sich schon in Führung liegend wähnten. Nach einem Freistoß von Fischer nämlich brachte Kapitän Ritchie De Laet den Ball im Fallen im Frankfurter Tor unter. Der zunächst anerkannte Treffer wurde aber nach Intervention des Videoschiedsrichters wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen.

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Die „coole Europa-Nacht“, auf die sich Eintracht-Trainer Glasner gefreut hatte, gab es dann ganz zum Schluss. Paciencia mit einem wuchtigen Kopfball nach Vorarbeit von Kostic egalisierte die zwischenzeitliche Führung der Belgier und sorgte abermals für abendliche Glücksgefühle.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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