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Christian Constantin

Der Rächer der Enterbten schlägt zu

Von Daniel Meuren
 - 08:44

Arm an Aufregungen war das Leben des Christian Constantin schon vor dem gestrigen Abend nicht: Der Präsident und Besitzer des FC Sion geriert sich gerne als eine Art Rächer der Enterbten, was zum Selbstverständnis des einzigen Schweizer Erstligaklubs aus dem Wallis passt.

Nun aber scheint es der Präsident, der wahlweise charmant sein und gegnerische Fans zum Raclette einladen kann oder auch Trainer schneller auswechseln kann als jene ihre Spieler einzuwechseln vermögen, aber endgültig übertrieben zu haben: Am Mittwochabend attackierte er Rolf Fringer, früherer Trainer des VfB Stuttgart und heutiger TV-Experte, am Rande einer Super-League-Partie tätlich. Constantin ging nach dem 2:1 seines Teams beim FC Lugano am Donnerstagabend auf den 60-Jährigen los. „Ich drehte mich um und hatte schon den ersten Schlag mitten im Gesicht“, sagte Fringer der Zeitung Blick: „Es folgten einige weitere Schläge. Ich drehte mich ab und wollte flüchten, bin dabei aber über die Kamera gestolpert.“

Constantin zeigte sich später wenig reumütig, sondern wirkte im Fernsehinterview sichtlich erleichtert und zufrieden mit sich selbst. „Fringer hat mich diese Woche kritisiert und schlecht behandelt“, sagte der 60-Jährige. „Ich habe diesen Fall mit ihm geregelt. Ich habe ihn geschlagen und in den Hintern getreten. Es fühlt sich gut an! Das ist nicht höflich, aber wenn man angegriffen wird, dann muss man sich verteidigen.“

Constantin sieht sich als Präsident des FC Sion, so sagen es Menschen, die ihn gut kennen, als letzter moderner Repräsentant des Walliser Widerstands. Dort im Tal, wo sowohl Französisch als auch Schweizerdeutsch gesprochen wird und aus dem es keinen Hinterausgang ohne Überwinden hoher Berge gibt, waren sie seit jeher stur im Umgang mit den äußeren Mächten. Selbst ein Napoleon, so sagt man sich im Wallis, traute sich deshalb nicht in die Auseinandersetzung mit den Menschen aus den Bergen. Entsprechend legte er sich in der Vergangenheit gerne einmal mit den Fußballverbänden an, zog bis vor ordentliche Gerichte im Kampf um seine Rechte und sagte über den damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini in einem Interview mit der F.A.Z. einmal den legendären Satz: „Bei mir wäre Platini Assistent des Chauffeurs“.

Auch mit diversen Ausrastern rund um Spiele ist der seit mehr als zwei Jahrzehnten den Klub führende Constantin aufgefallen: So wurde er einmal sanktioniert, weil er einem Schiedsrichter ein Bein gestellt hatte. Eigene Spieler soll er zudem schon aus der Kabine verjagt haben, wenn sie seinen Ansprachen nicht die erwünschte Aufmerksamkeit entgegengebracht haben.

Der Ursprung der Rivalität

Auslöser war wohl Fringers Kritik im Sender Teleclub in den vergangenen Wochen, die Constantin nicht auf sich sitzen lassen wollte. Fringer hatte Constantin als Narziss ohne jegliche Empathie bezeichnet und generell seine Arbeit als Besitzer und Präsident des FC Sion als lächerlich kritisiert. Fringer und Constantin waren bereits in der Vergangenheit mehrfach aneinander geraten, die persönliche Rivalität ist wohl rund um ein Pokalspiel zwischen dem FC Sion und Fringers damaligem Klub FC Luzern entfacht worden: Der Schweizer Rekordpokalsieger Sion gewann damals - mit Constantin auf der Bank. Wie mehrfach zuvor hatte der Präsident nach einem Trainerrauswurf kommisarisch gleich selbst die sportlichen Geschicke übernommen. „Diese Niederlage hat Fringer wohl nie verkraftet“, sagte Constantin nun.

Als Fringer später Sportchef beim FC Luzern war und Constantin den Stürmer Marco Schneuwly, der passenderweise am Mittwoch eines der beiden Tor für Sion erzielte, nach Sion lockte, entbrannte der Streit abermals. Fringer kritisierte Constantins «unehrliches Gebaren» damals in der Öffentlichkeit.

Schweizer Liga ermittelt

Die Kritik sei „immer sachlich“ gewesen, sagt Fringer nun, der einst auch Nationaltrainer der Schweiz war. „Ich persönlich gehe davon aus, dass ich Strafanzeige wegen Körperverletzung einreichen werde“, sagte Fringer: „Aber ich muss jetzt erst einmal diesen Schock verdauen und dann entscheiden, was ich unternehme.“ Constantin hat ganz gemäß seiner Gewohnheit mit Eskalation reagiert und angekündigt, Fringer wegen Verleumdung anzuzeigen.

Die Swiss Football League teilte nun am Freitag in einer Stellungnahme mit, dass sie Ermittlungen einleiten werde.

Quelle: FAZ.NET mit Material des SID
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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