Eintracht-Kommentar

Brüchiger Strohhalm

EIN KOMMENTAR Von Marc Heinrich
11.04.2016
, 15:26
Gute Miene zum schwachen Spiel: Frankfurts Trainer Niko Kovac.
Die Eintracht kommt dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga immer näher. Trainer Niko Kovac lässt dabei keine Gelegenheit ungenutzt, die Lage schöner zu reden als sie ist.
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Die Eintracht ist fast am Ende. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Frankfurter auch in der kommenden Saison dabei sein dürfen, wenn die besten achtzehn Teams des Landes in der Bundesliga ihren Meister küren, ist auf ein Minimum gesunken. Aus eigener Kraft, das offenbarte das 0:2 gegen Hoffenheim, ist die Mannschaft wohl nicht mehr in der Lage, den fünften Abstieg der Klub-Historie abzuwenden.

Kampfgeist und Leidenschaft, die Niko Kovac seit Beginn seiner als Rettungsmission angelegten Verpflichtung weckte, genügen nicht, um die Qualitätsmängel, die sich durch alle Mannschaftsteile ziehen, wettzumachen. Der Strohhalm, an dem sich Team und Trainer - und alle, die ihnen die Daumen drücken - klammern, ist durch die 14. Niederlage noch viel brüchiger geworden. Die Eintracht im Frühjahr 2016: ein fußballerischer Sanierungsfall, der nicht weniger als eine sportliche Sensation benötigt, um sich die Option auf eine erstklassige Zukunft zu sichern.

Wie schlecht es inzwischen um die Frankfurter bestellt ist, lässt sich auch an den Durchhalteparolen erkennen, mit denen die Führungskräfte des Vereins versuchen, der Untergangsstimmung zu trotzen. Allen voran Kovac. Der Trainer-Novize lässt keine Gelegenheit ungenutzt, die Lage bewusst schöner zu reden, als sie tatsächlich ist. Wirklichkeitsnähe gehört (noch) nicht zu den Markenzeichen seines Frankfurter Engagements. Auch er spekuliert darauf, dass seine Leute trotz allem vom Schicksal doch noch begünstigt werden könnten und dadurch der herbeigesehnte Umschwung glückt.

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Zum Beispiel, so lautete eine der gewagten Eintracht-Thesen, könnten die Dortmunder, am 33. Spieltag Gegner der Hessen, mit Blick auf mögliche nationalen und internationalen Pokal-Festtage die Liga-Pflichten womöglich nicht ganz so ernst nehmen. Wer derart kühne Mutmaßungen anstellen muss, um die Zuversicht nicht vollends zu verlieren, kann aktuell nicht mehr viele Trümpfe in der Hinterhand haben, mit denen sich das Blatt ansonsten wenden ließe.

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Dabei müsste auch Kovac, dem einstigen Meisterspieler, seine eigene Profi-Vergangenheit eigentlich eine Lehre sein: Wer sich im Schlussspurt einer Runde auf andere verlässt, der ist in aller Regel von allen guten Geistern verlassen. Die Eintracht muss sich selbst zu helfen wissen, so dass sie sich wenigstens in der Relegation gegen den aufstrebenden Zweitliga-Dritten die Chance erhält, den Absturz mit einer Nachprüfung abzuwenden. Theoretisch ist das nach wie vor möglich. Wie das allerdings praktisch funktionieren soll, ist nach dem desillusionierenden Verlauf des Samstags nicht zu erkennen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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