Nach tätlichem Angriff

Fußballspieler Naki verlässt türkischen Erstligaklub

06.11.2014
, 14:31
Deniz Naki war einst deutscher Junioren-Nationalspieler
Nach einem tätlichen Angriff von drei Unbekannten verlässt der in Düren geborene Fußballspieler Deniz Naki den türkischen Erstligaklub Genclerbirligi Ankara. Naki setzt sich für die kurdisch-syrische Stadt Kobane ein.
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Nach einem tätlichen Angriff von drei Unbekannten hat der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler Deniz Naki den türkischen Erstligaklub Genclerbirligi Ankara verlassen, um in seine Heimat Deutschland zurückzukehren. Der Sprecher des Fußballverein, Hakan Kaynar, bestätigte am Mittwochabend laut der Nachrichtenagentur Anadolu, Naki habe um eine Auflösung seines Vertrags gebeten.

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Drei Menschen hatten den in Düren geborenen Sohn kurdischer Eltern laut einem Bericht der Zeitung „Bir Gün“ am vergangenen Sonntag auf der Straße angegriffen und beschimpft. „Sie haben mich beleidigt, weil ich Alevite und Kurde bin“, zitierte das Blatt den 25-Jährigen. Er habe versucht, die Angreifer zu beruhigen, sei dann aber ins Gesicht geschlagen worden. Es kursieren Fotos von Naki mit einem blauen Auge.

Naki unterstützt Kobane - und wurde deshalb bedroht

Deniz Naki hatte laut türkischen Medien schon früher Drohungen wegen seiner Unterstützung für die kurdisch-syrische Stadt Kobane erhalten. Kurdische Kämpfer verteidigen die Stadt seit Wochen gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Naki hat mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten, und sei deshalb oft angefeindet worden, sagte er nach seiner Rückkehr nach Deutschland in einem Interview mit der Zeitung Die Welt: „Vor etwa einem halben Jahr fing es damit an, dass ich bei Facebook nahezu täglich zehn bis 15 Nachrichten bekommen hatte, in denen ich beschimpft und beleidigt wurde.“ Naki hat sich „Dersim 62“, den kurdischen Namen der türkischen Provinz Tunceli, auf den rechten tätowiert und „Azadi“ (Freiheit) auf den linken. Auf seinem linken Handrücken ist der kubanische Freiheitskämpfer Che Guevara abgebildet.

Auch wegen seiner Tattoos, aber vor allem wegen seiner Religion und seiner politischen Haltung sei er in der Türkei angefeindet worden - und zuletzt auch verprügelt. Danach sei für ihn das Maß voll gewesen, auch aus Rücksicht auf seine Familie und Freunde, die große Angst um ihn hatten.

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U19-Europameister als größter Erfolg

Naki spielte in Deutschland unter anderem für das zweite Team von Bayer Leverkusen, den FC St. Pauli und zuletzt für den SC Paderborn in der zweiten Bundesliga. In der vergangenen Saison wechselte er zu Genclerbirligi Ankara. Zwischen 2006 und 2009 durchlief der Mittelfeldspieler alle Junioren-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes von der U17 bis zur U21. Sein größter Erfolg war der Gewinn der U19-EM im Jahr 2008. Zurück in Deutschland möchte er sich im Winter wieder einen Verein suchen.

Genclerbirligis Vereinssprecher Kaynar sagte, als Gründe für die Vertragsauflösung habe Naki unter anderem geringe Einsatzzeiten angegeben. Zum Vorfall am vergangenen Sonntag erklärte er: „Was auch immer der Grund sein mag, der Angriff auf unseren Fußballspieler ist inakzeptabel“.

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Quelle: ad./dpa
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