Finale in Europa League

Was die Glasgow Rangers so stark macht

Von Marcus Erberich, Manchester
16.05.2022
, 19:23
James Tavernier traf für die Rangers auch im Halbfinale gegen Leipzig.
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Licht und Schatten liegen bei dieser Mannschaft so nah beieinander wie bei Jekyll und Hyde. Doch mit dem eigenen Anhang im Rücken macht die Mentalität die Schotten zu einem ganz starken Gegner.
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Es ist noch gar nicht lange her, dass die Glasgow Rangers das bislang letzte Mal in einem Europapokal-Endspiel standen. 2008 erreichte der Klub das UEFA-Cup-Finale, verlor jedoch in Manchester gegen Zenit St. Petersburg. Dass sie 14 Jahre später wieder im Finale der Europa League stehen, ist trotzdem eine außergewöhnliche Geschichte. Der Verein hatte einen Millionen-Schuldenberg angehäuft – die Betreibergesellschaft wurde im Jahr 2012 liquidiert – und musste in Schottlands vierter Liga neu anfangen.

Europa League

Sie haben sich rasch wieder nach oben gekämpft, gewannen vergangene Saison mit dem damaligen Trainer Steven Gerrard die erste schottische Meisterschaft seit dem Zwangsabstieg. Doch den Titel haben sie mit Gerrards Nachfolger Giovanni van Bronckhorst in diesem Jahr nicht erfolgreich verteidigen können: Stadtrivale Celtic reichte am vergangenen Mittwoch ein Unentschieden gegen Dundee United für die Meisterschaft.

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Dabei hatte van Bronckhorst die Mannschaft im November als Tabellenführer übernommen und einige Wochen an der Spitze gehalten – noch an Weihnachten betrug ihr Vorsprung vor Celtic sechs Punkte –, bevor Punktverluste gegen nominell schwächere Gegner dazu führten, dass sie auf den zweiten Platz abrutschte.

Den Rangers fehlte es an Beständigkeit. In dieser Spielzeit in Schottland haben sie in elf Ligaspielen nicht die volle Punkteausbeute geholt, vergangene Saison passierte ihnen das nur sechsmal. Van Bronckhorst ist zwar durchaus beliebt im blauen Teil Glasgows – als junger Spieler war er einige Jahre dort aktiv –, aber die Meisterschaft an Celtic zu verlieren, ist mehr als nur ein kleiner Schönheitsfehler.

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Vor dem Finale gegen die Eintracht am Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) plagen van Bronckhorst darüber hinaus Personalsorgen. Sein bester Torschütze, Alfredo Morelos, wird ausfallen; der zweitbeste Stürmer, Kemar Roofe, fehlte zuletzt ebenfalls angeschlagen. Im Halbfinalrückspiel gegen RB Leipzig schickte van Bronckhorst seine Mannschaft in einer defensiven 3-4-2-1-Formation auf den Platz – und der einzige Stürmer, Joe Aribo, spielt normalerweise im Mittelfeld.

Trotzdem haben sich die Rangers gegen Leipzig durchgesetzt, weil van Bronckhorsts Plan aufging: andere übernahmen das Toreschießen. Vor allem der 30 Jahre alte Kapitän James Tavernier, der rechte Verteidiger, der beim 3:1-Sieg im Rückspiel gegen Leipzig das erste Tor erzielte – und mit sieben Treffern der erfolgreichste Torschütze in der Europa League ist.

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Auch daran erkennt man, dass die Mentalität der Rangers die größte Stärke dieser Mannschaft ist – vor allem zu Hause im Ibrox Stadium. Dort besiegten sie im Achtelfinale Roter Stern Belgrad, im Viertelfinale Sporting Braga und im Halbfinale RB Leipzig, wogegen sie die jeweiligen Auswärtsspiele gegen alle drei Gegner verloren.

Glasgow Rangers und Eintracht Frankfurt vor dem Finale im Vergleich
Glasgow Rangers und Eintracht Frankfurt vor dem Finale im Vergleich Bild: F.A.S.

Sie werden deshalb hoffen, dass zum Finale in Sevilla möglichst viele Fans aus Schottland mitreisen, um die Ibrox-Atmosphäre zu replizieren. Zum Finale 2008 sollen ungefähr 200.000 Rangers-Fans die knapp 350 Kilometer nach Manchester gefahren sein, obwohl nur 37.000 von ihnen ein Ticket hatten. Ganz so viele werden es in Spanien sicherlich nicht werden.

Die Rangers spielten im Gefühl der Unbesiegbarkeit, die allen finanziellen Ungleichheiten trotze, schrieb das Sportportal „The Athletic“ in einer Würdigung des unwahrscheinlichen Finaleinzugs. Die BBC wiederum unterstellte der Mannschaft wegen ihrer teils stark schwankenden Leistungen eine gespaltene Persönlichkeit wie in „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, warnte jedoch: „Das Einzige, was man nicht tun darf, ist, sie zu unterschätzen.“

Video starten01:15
Europa League
Eintracht Frankfurt freut sich aufs Finale
Video: Reuters, Bild: dpa
Quelle: F.A.S.
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