<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Bundesliga

Traurige Entwicklung im deutschen Frauenfußball

Von Daniel Meuren, Hoffenheim
Aktualisiert am 16.02.2020
 - 18:41
Das Zuschauerinteresse bei Hoffenheim gegen Wolfsburg war eher mau.
Gerade einmal 1710 Zuschauer kommen zum Spitzenspiel Hoffenheim gegen Wolfsburg in der Frauenfußball-Bundesliga. Die Zahlen stagnieren. Und auch mit der sportlichen Spannung klappt es nicht wirklich.

Martina Voss-Tecklenburg quetschte sich gerade noch rechtzeitig durch die gut gefüllten Sitzreihen auf der Ehrentribüne des Dietmar-Hopp-Stadions, um zum Anpfiff des Spitzenspiels der Frauenfußball-Bundesliga zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfL Wolfsburg ihren Platz einzunehmen. Die Staus auf den Autobahnen am Freitagnachmittag haben den 400-Kilometer-Trip vom Wohnort der Bundestrainerin ins Kraichgau zu einer zeitlich heiklen Angelegenheit werden lassen. Dabei war ihr Kommen besonders wichtig, damit die zu Wochenmitte noch mangels möglichen DFB-Vertretern abschlägig beschiedene Anfrage des übertragenden TV-Senders Eurosport nach einem prominenten Gesprächspartner für die Halbzeitpause doch noch positiv beantwortet werden konnte.

Außer der Bundestrainerin hatte sich niemand aus der vordersten Reihe des DFB auf den Weg zum Gipfeltreffen begeben, von dem sich der deutsche Frauenfußball zum Auftakt ins neue Kalenderjahr doch ein Signal für neue Spannung in der vor sich hin dümpelnden Bundesliga erhofft hatte. Nur Ronny Zimmermann, als badischer Verbandspräsident ohnehin Stammgast in Hoffenheim, brachte als DFB-Vizepräsident noch ein wenig Verbandsprominenz in den Ehrengastbereich.

Das Spiel wies ebenfalls nur bedingt darauf hin, dass die Bundesliga vor einer Blüte stehen könnte: Zu überlegen agierte der VfL Wolfsburg. Der deutsche Meister der vergangenen drei Jahre beseitigte im ersten Spiel des neuen Jahres mit einem 5:2-Auswärtssieg die letzten Zweifel daran, dass die Meisterschale auch in diesem Jahr nach Niedersachsen geht. Zu überlegen agiert vor allem die Offensivreihe um die Weltklassespielerinnen Pernille Harder aus Dänemark und die Polin Ewa Pajor, die dem VfL sogar den Luxus ermöglicht, die Nationalmannschaftstorjägerin Alexandra Popp mit ihrer körperlichen Robustheit und Abgeklärtheit am Ball im defensiven Mittelfeld einzusetzen.

„Es waren vorher eben nur drei Punkte Vorsprung, jetzt sind es sechs, das gibt uns Ruhe“, sagte Nationalmannschafts-Spielführerin Popp, die sich dann sogar gönnerhaft gab. „Ich hoffe, dass Hoffenheim so weitermacht und dranbleibt. Ich mag ihre Spielweise, sie versuchen mitzuspielen und sich zu entwickeln.“ In Wolfsburg wünschen sie mittlerweile tatsächlich von Herzen, dass sie auch künftig halbwegs ernsthafte Gegnerinnen finden. Die Leistungsdichte ist in den vergangenen Jahren immer dürftiger geworden, da sich immer mehr Spitzenspielerinnen aus der Bundesliga verabschieden, um in England, Frankreich oder Spanien etwas mehr Geld und vor allem Auslandserfahrungen zu sammeln.

Im Sommer droht ein weiterer Exodus, wenn die Isländerin Sarah Gunnarsdottir mit ihrem Abgang aus Wolfsburg einigen weiteren Spielerinnen die Richtung vorgibt. „Wir können das in Wolfsburg sicher auffangen mit unserer Kaderplanung“, sagt Sportdirektor Ralf Kellermann. „Aber für uns ist es nicht gut, wenn die Bundesliga ausdünnt.“ Nur Bayern München kann beim Personal mitziehen, dort ist es in den vergangenen vier Jahren aber nicht gelungen, aus der individuellen Qualität ein konkurrenzfähiges Kollektiv zu formen.

Revierderby auch im Frauenfußball?

Die Spielerinnen sehen die traurige Entwicklung bei den Zuschauerzahlen: Trotz so mancher Bemühungen und eigentlich werbewirksamen Liveübertragungen im frei empfangbaren Fernsehen bei Eurosport stagnieren die Zahlen. Während in England kaum noch ein Spiel vor weniger als 3000 Zuschauern stattfindet, kamen nach Hoffenheim gerade mal 1710, der Durchschnittswert pendelt seit einem Jahrzehnt um die 1000. Siegfried Dietrich ist dennoch zuversichtlich. Als Investor des FFC Frankfurt darf er es vermutlich auch berechtigterweise sein. Die Fusion mit der Eintracht weckt Hoffnungen, auch wenn Eintracht-Vorstand Axel Hellmann auf der Spobis kürzlich relativierte und man von einem angesichts eines Umsatzes des Klubs von 200 Millionen Euro dann doch eher bescheidenen Investment in Höhe von zwei Millionen Euro seitens der Eintracht ausgehen sollte.

Dietrich versprüht aber auch als Vorsitzender des Ausschusses der Frauenfußball-Bundesligen Optimismus. „Der Frauenfußball steht vor einem neuen Zeitalter“, sagt der Motor hinter den Erfolgen des vierfachen Champions-League-Siegers FFC Frankfurt. Er glaubt auch beharrlich daran, dass die großen deutschen Männerklubs wie Schalke oder Dortmund doch irgendwann dabei sein werden so wie es in England für Liverpool, United, City oder Arsenal schon selbstverständlich ist. „Die europäische Entwicklung wird einen Sog auslösen, auch alle deutschen Lizenzvereine werden die Mehrwerte erkennen.“ Tatsächlich könnte ein Revierderby der Frauen neue Zuschauer ins Stadion locken, genau diese Rivalitäten fehlen im deutschen Frauenfußball, wo es kein einziges klassisches Derby gibt.

„Ich träume nicht von 5000 Zuschauern“

Ralf Zwanziger gibt sich aber auch da keinen Illusionen hin. „Ich träume nicht von 5000 Zuschauern, das ist weiter weg für uns als ein Sieg in der Champions League“, sagt der Chef der Hoffenheimer Frauenfußballabteilung. „Ich glaube einfach nicht, dass wir nennenswert Zuschauer aus dem Männer-Stadionpublikum zu uns ziehen.“ Zwanziger verweist auf vielleicht 20 klassische Männerfans unter den Zuschauern beim Spitzenspiel, obgleich am Tag darauf dieselben Klubs in der Männer-Bundesliga gegeneinander gespielt haben. „Wir müssen wieder dafür sorgen, dass mehr Mädchen im Verein spielen und mit ihren Vereinen zu unseren Spielen kommen.“ Diese Mädchen würden denn auch tatsächlich traumhafte Bedingungen vorfinden. Nach dem Spiel wurden alle jungen Fans auf den Platz gelassen und konnten dort Selfies mit ihren Vorbildern machen. Auch um Martina Voss-Tecklenburg herum wurde es dann wieder so beengt wie bei der Suche nach ihrem Sitzplatz vor dem Spiel.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
Twitter
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.