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2:0-Sieg in Nordirland

Ein bisschen viel Durcheinander im DFB-Team

Von Peter Penders
Aktualisiert am 10.09.2019
 - 08:37
Immerhin behauptet: Die deutsche Nationalmannschaft und die aufmüpfigen Nordiren.zur Bildergalerie
Die deutsche Nationalmannschaft hat in Belfast nur phasenweise Dominanz ausgeübt. Für den Weg zur EM-Endrunde dürfte das reichen. Bundestrainer Löw hat Zeit gewonnen für die Suche nach der Ordnung.

Einmal tief durchatmen bitte. Als Serge Gnabry in der dritten Minute der Nachspielzeit seine Chance zum zweiten Treffer der deutschen Nationalmannschaft und damit zum 2:0-Sieg in Belfast genutzt hatte, sah die Fußballwelt doch schon wieder rosiger aus. Die Teilnahme an der Europameisterschaft im nächsten Sommer ist damit ein erhebliches Stück näher gerückt – nur ein kleine Sensation im Rückspiel könnte dies im Grunde noch verhindern. Und wie wackelig dieser dringend notwendige Erfolg zustande gekommen war, wird im Laufe der Zeit wohl verblassen.

Fußball-Länderspiele

Wie groß die Erleichterung der deutschen Spieler war, wie groß der Druck gewesen sein muss, hatte schon der Jubel über den Führungstreffer von Marcel Halstenberg in der 48. Minute verdeutlicht. Toni Kroos sprang dem Außenverteidiger von RB Leipzig da so begeistert an den Hals, dass man dem Torschützen nach seinem wunderbaren Volleyschuss vor allem erst einmal eine gute Nackenmuskulatur wünschte. Es hätte ja schließlich auch ganz anders kommen können bis zu diesem Zeitpunkt, und da hätte Kroos eine Hauptrolle gespielt. In der achten Minute hatte sich Deutschlands vermeintlich ballsicherster Spieler einen Fehlpass geleistet, der fatale Konsequenzen hätten haben können. Washington war danach nämlich völlig frei vor Manuel Neuer zum Schuss gekommen, aber am prächtig reagierenden deutschen Kapitän gescheitert.

Angesichts des fahrigen Starts der deutschen Mannschaft, die vom Pressing der defensiv erwarteten Nordiren zunächst so überrascht wie überfordert schien, hätte man sich die Folgen leicht ausmalen können. Eine emotional noch mehr aufgeladene nordirische Mannschaft und ein deutscher Gegner, dem der Schreck in alle Knochen gefahren ist – das hätte also ziemlich früh ziemlich schief gehen können.

Der Außenseiter bestimmt die Partie

„Wir sind nicht so gut ins Spiel gekommen. Die Nordiren waren mutig und haben uns früh attackiert. Es war ein bisschen viel Durcheinander“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Das allerdings musste überraschen, wenn man sich die Aufstellungen nebeneinander legte und verglich. Da standen sich Spieler von Leeds United, dem FC Watford und dem FC Middlesbrough, den Bolton Wanderers oder dem nicht ganz so berühmten FC Linfield und Akteure der Champions-League-Teilnehmer von Real Madrid, Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen gegenüber – und die vermeintlichen Außenseiter bestimmten die Partie.

Die Nordiren vergaben in der ersten Halbzeit noch eine weitere Chance, den Favoriten mitten ins Herz zu treffen. Unmittelbar vor der Pause waren die Deutschen nämlich noch weit von tief ausatmen entfernt, sondern hatten erst einmal die Luft anhalten müssen. Wieder war es Washington, der die Gelegenheit verpasste, in Deutschland für ähnliche Erschütterung oder auch Spott zu sorgen, wie es Nachrichten aus der gleichnamigen amerikanischen Hautstadt gelegentlich machen – im Fallen konnte er den von Neuer abprallenden Ball nicht über die Linie drücken, dann warf sich Tah, der Unglücksrabe vom 2:4 gegen die Niederlande, erfolgreich dazwischen und auf den Ball, bevor ihn sich wieder Neuer schnappte. Da war nicht nur für Löw ziemlich viel durcheinander im deutschen Team.

Chancenwucher hätte bestraft werden können

Aber es wurde danach besser, nach dem sehenswerten Volleyschuss von Halstenberg und dem befreienden Führungstreffer war für einige Zeit auch der spielerische Unterschied zwischen den beiden Teams sichtbar geworden. Für ein paar Minuten durfte man sogar hoffen, nun würde die deutsche Elf ihr Potential nutzen und den Gegner ausspielen – plötzlich gab es immer eine Anspielstation, immer eine Idee, Kroos und Co. nutzten ihre technische Überlegenheit. Der nächste deutsche Treffer schien nur eine Frage der Zeit.

Aber die Deutschen hatten all ihre Chancen auf das vorzeitige 2:0 vergeben. Und die Angst war wieder zurückgekehrt. Denn das kennt ja jeder im Fußball – so etwas wird hier und da bitter bestraft. In Belfast war den Deutschen das erspart geblieben, nachdem Whyte nach 63 Minuten auf der rechten Außenbahn den zu ungestüm angreifenden Kimmich mühelos abgeschüttelt hatte und alle nach dem Querpass den folgenden Schuss von Dallas mit bangen Blicken hatten verfolgen müssen. Der Ball aber war um ein paar Zentimeter am langen Eck vorbei getrudelt – durchatmen.

Das Team sei „in einer Phase des Lernens, da müssen die Spieler noch ein bisschen zulegen“, sagte Löw hinterher. Solche Spiele sind für die erhoffte Entwicklung wichtig, das sagt jeder – und solche Momente dann vor allem auch. Das mögliche 1:1 hätte da großen Schaden anrichten können – denn stabil ist das deutsche Team schließlich keineswegs, das hatte die jüngere Vergangenheit schon gezeigt.

Aber so waren sie mit dem Schrecken davongekommen, hatten in der Schlussphase trotz einer Leistungssteigerung nur noch bangen müssen, nicht mit einem einzigen Fehler alles zunichte zu machen und die EM-Qualifikation in ernsthafte Gefahr zu bringen. Gemessen an den Chancen, die sie in ihrer besten Phase vergeben hatten, war Gnabrys Möglichkeit in der Nachspielzeit sicher nicht die größte – aber der Münchner nutzte sie und erlöste alle.

Nun könnte demnächst alles wieder leichter gehen, denn in den nächsten Spielen wird sich die Nervenbelastung in Grenzen halten. Gegen Argentinien geht es am 9. Oktober in Dortmund nur darum, mal wieder ein schönes Fußballspiel, vielleicht sogar in beiden Halbzeiten zu zeigen. Und angesichts des 8:0 im Hinspiel sollte auch die ein paar Tage später am 13. Oktober in Estland folgende Auswärtsaufgabe niemanden um den Schlaf zu bringen. Mit dem 2:0 in Belfast hat die Nationalmannschaft Zeit gewonnen – auch um herauszufinden, was sie wirklich kann und wie sie das auf den Platz bringen will.

Quelle: FAZ.NET
Peter Penders - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Penders
Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.
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