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FAZ plus ArtikelÄrger um Klopp-Klub

Der FC Liverpool und das PR-Desaster in der Krise

Von Marcus Erberich, Brighton
Aktualisiert am 07.04.2020
 - 19:36
Das ging nach hinten los für den Klub von Trainer Jürgen Klopp: Der FC Liverpool trifft die falsche Entscheidung.
Der Klub von Jürgen Klopp möchte sich in der Corona-Krise vom Steuerzahler helfen lassen und bekommt scharfe Kritik. Nun rudert der FC Liverpool zurück. Erstaunlich ist, um wie viel Geld es eigentlich ging bei der Aktion.

Die Backpfeife hat gesessen. Am Wochenende hatte der FC Liverpool angekündigt, während der Premier-League-Unterbrechung wegen der Coronavirus-Pandemie rund 200 nicht Fußball spielende Mitarbeiter, für die es in der Krise nichts zu tun gibt, beurlauben zu wollen. In dieser Zeit hätte die britische Regierung – also der Steuerzahler – als Teil ihrer Maßnahmen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen 80 Prozent der Gehälter der Betroffenen bezahlt; der Klub wollte bloß noch die Differenz decken. In den Kommentaren der Zeitungen und Online-Portale hagelte es Kritik, in den sozialen Medien derbe Beschimpfungen.

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Am Montagabend gab sich der Klub dann geläutert – man habe einen Fehler gemacht. „Wir glauben, wir sind in der vergangenen Woche zum falschen Entschluss gekommen“, schrieb Geschäftsführer Peter Moore in einem auf der Klubhomepage veröffentlichten Brief an die Fans: „Und das tut uns ehrlich leid.“ Wohl aber wolle er klarstellen, dass die Einnahmen vorübergehend abgerissen seien, wohingegen die Ausgaben weiter liefen. Obwohl man vor der Krise finanziell in einer „gesunden Position“ gewesen sei, bestehe jetzt Unsicherheit mit Blick auf die Gegenwart und die Zukunft. Man werde „alternative Wege“ finden, um die entsprechenden Mitarbeiter zu bezahlen, so lange keine Fußballspiele stattfinden könnten. Es klang dramatisch.

Einige Kritiker, darunter der ehemalige Liverpool-Spieler Jamie Carragher, lobten die Abkehr von der Idee, von etwas Gebrauch zu machen, das in erster Linie zur Erhaltung kleinerer Betriebe gedacht ist. Viele Nutzer der sozialen Medien waren weniger nachsichtig. Der Klub habe es sich nur anders überlegt, um ein PR-Desaster abzuwenden, lässt sich der Vorwurf zusammenfassen. Und tatsächlich stellt sich die Frage: Mit welcher Reaktion hatten die Entscheider des FC Liverpool denn gerechnet?

Zumal die Schätzungen, wie viel Geld der Klub durch die Beurlaubung der Mitarbeiter auf Kosten der Regierung gespart hätte, sich zwischen rund 1,47 Millionen Euro im „Independent“ und 1,7 Millionen Euro im „Guardian“ bewegen. Zur Einordnung: In der vergangenen Saison hat Liverpool einen Gewinn vor Steuern von 47,6 Millionen Euro erzielt. Laut Deloitte sind die „Reds“ der siebtreichste Fußballklub der Welt. Das durchschnittliche Jahresgehalt der Spieler in Liverpools Profikader beträgt 6,2 Millionen Pfund, das entspricht knapp 120.700 Pfund pro Woche. Das wiederum ist mehr als das Dreieinhalbfache dessen, was Erwerbstätige in Großbritannien im Schnitt verdienen – pro Jahr.

Viele Spieler scheinen sich ihres Privilegs durchaus bewusst zu sein. Gespräche der Premier League mit der Spielergewerkschaft über eine Gehaltskürzung- oder stundung um 30 Prozent sind zwar noch nicht zu einem Ergebnis gekommen, aber ein Spendenfonds zugunsten des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS ist in Arbeit – angeführt von Liverpools Kapitän Jordan Henderson. Klubs und Spieler unterstützen zudem lokale Initiativen zur Bewältigung der Krise. Mit Tottenham Hotspur und Newcastle United sowie den finanziell etwas weniger gut gestellten AFC Bournemouth und Norwich City halten andere Premier-League-Klubs allerdings daran fest, von der subventionierten Beurlaubung von Personal Gebrauch zu machen.

Nirgends war der Aufschrei so laut wie in Liverpool, das ja von sich behauptet, besonderen Wert auf die Gemeinschaft zu legen. Doch auch im Tottenham-Umfeld regt sich Widerstand. „Wir sagen es jetzt deutlich und in der Öffentlichkeit“, schrieb der Tottenham Hotspur Supporters’ Trust, eine um Mitbestimmung bemühte Gruppe, auf Twitter: „Beschädigt das Ansehen des Klubs nicht noch mehr, hört auf eure Fans.“

Quelle: F.A.Z.
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