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Nach Ballack-Kritik

Nationalteam stellt sich hinter Löw

Von Michael Horeni, Berlin
 - 15:22

Wenige Tage bevor die deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande (Samstag, 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker und beim ZDF) und Weltmeister Frankreich, Dienstag, 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker und ARD) zeigen möchte, dass sie, obwohl nur unmerklich verändert, nicht mehr die Mannschaft ist, die sie bei der WM in Russland war, hat sich ihr früherer Kapitän noch einmal zu Wort gemeldet. Nicht Weltmeister Philipp Lahm, der sich in der Vorwoche über seine baldige Beförderung zum OK-Chef der Europameisterschaft 2024 freuen konnte, sondern sein Vorgänger, den er zusammen mit Bundestrainer Joachim Löw vor acht Jahren aus dem Amt gedrängt hatte.

Es war also Michael Ballack, der spät Verstoßene, der süffisant bemerkte, dass er sich wie viele Leute gewundert habe, dass der Bundestrainer nach dem Scheitern immer noch da ist. „Manchmal funktioniert es einfach nicht mehr, wenn jemand so lange mit der Mannschaft zusammen ist wie er“, sagte Ballack gegenüber der Deutschen Welle. Löw hätte die entsprechende Konsequenz nach dem Scheitern ziehen sollen. Eine Reaktion des Bundestrainers zur Spitze aus alter Verbunden- und Verletztheit war darauf nicht zu haben. Joachim Löw hat sich nicht nur am Donnerstag, sondern während der gesamten Tage der Nationalelf in der deutschen Hauptstadt gegenüber der Öffentlichkeit rar gemacht. Auf den beiden Pressekonferenzen des DFB erschien er nicht. Unmittelbar vor den ersten Spielen nach der Weltmeisterschaft hatte er, um die Gunst der Anhänger wiederzugewinnen, wortreich erklärt hatte, dass sich nach dem Scheitern eine Menge ändern werde. Auch er selbst. Von Demut war die Rede, von Leidenschaft, von Engagement. Vor dem Duell in Amsterdam in der Nations League am Samstag gegen die Niederlande wird Löw, wie vor und während der WM gewohnt, wieder nur am Tag vor dem Spiel am Austragungsort auf einer Pressekonferenz erscheinen. Das ist dann eine Pflicht, die Europäische Fußball-Union verlangt es.

Kroos und Werner verteidigen Löw

So blieb die Aufgabe an Toni Kroos und Timo Werner hängen, die Attacke des früheren Kapitäns am Donnerstag öffentlich zu parieren. Kroos, der bei seinem Debüt im März 2010 gegen Argentinien noch ein paar Minuten zusammen mit Ballack auf den Platz gestanden hatte, reagierte darauf so gelassen, wie er nun mal ist. „Es ist eine Wortmeldung mehr“, sagte der Weltmeister und viermalige Gewinner der Champions League. „Es gibt da verschiedene Ansichten. Es spaltet sich. Die einen sagen: Es kann nicht sein, dass man weitermacht mit dem Trainer. Die anderen sagen: Es ist genau richtig.“

Von Abnutzungserscheinungen will Kroos nach so vielen Jahren bei Löw aber rein gar nichts bemerkt haben, im Gegenteil. „Er ist bereit, sich selbst weiterzuentwickeln.“ Er sei von seiner Ansprache, von der Taktik und vom Training ein ganz anderer und besserer Trainer als zu Kroos’ Beginn im Jahr 2010. Löw habe verdient, zu zeigen, dass er auch mit dieser Situation klar komme.

Neben Toni Kroos, dem Spielmacher aus Madrid, saß in Berlin Timo Werner auf dem Podium, der Angreifer von RB Leipzig. Viel schwerer, als Ballack in der Personalie Löw zu widersprechen, taten sich beide dann allerdings, als sie gefragt wurden, was sich seit der WM denn tatsächlich unter Joachim Löw bei der Nationalelf geändert habe, wie sich der Bundestrainer geändert habe. Werner versicherte, dass Löw schon vor und während der WM viel mit den Spielern gesprochen habe. Den Umgang des Trainers mit der Mannschaft habe ihm immer gefallen, er habe sich nie vernachlässigt gefühlt. Es habe auch nie die Situation gegeben, dass er auf dem Platz nicht gewusst habe, was er tun sollte. „Wenn so etwas passiert“, sagte Werner mit Blick auf die vermasselte WM, „dann sollte man nicht gleich seine ganzen Stärken und Methoden über den Haufen werfen.“

Kein Wille zum Wandel

Mit vielen netten Worten sagte Werner, wenn man ihn richtig verstand, dass sich bei der Nationalelf unter Löw eigentlich nichts geändert habe. Außer, dass auf dem Platz jetzt mehr Augenmerk auf die Defensive gelegt werde.

Mit Thema Wandel musste man auch Toni Kroos nicht kommen. Der deutsche Mittelfeldstar war erkennbar nicht bereit, dem Scheitern bei der WM nun auch nur mit dem Anflug von neuer Bescheidenheit oder gar Selbstzweifel zu begegnen. Das Ziel gegen die Niederlande am Samstag und gegen Frankreich am Dienstag seien sechs Punkte, sagte Kroos trocken. Aber auch vier Punkte wären „nach einer vernünftigen Leistung“ am Ende vielleicht in Ordnung. „Aber wir streben an, die beiden Spiele zu gewinnen. Daran ändern auch drei Spiele bei der WM nichts, die vielleicht nicht ideal waren.“ Was in all den Jahren aufgebaut worden sei, verschwinde nicht durch drei Spiele in Russland, und auch nicht das „Selbstverständnis“.

Das Wichtigste nach diesem Scheitern sei, so Kroos, dass Dinge auf dem Platz verändert würden. „Das Drumherum sehe ich als nicht ganz so wichtig an.“ Und er fügte hinzu, dass der Bundestrainer nach der WM-Auftaktniederlage gegen Mexiko in der Zeit bis zum Schweden-Spiel „Ansprachen gehalten hat, die waren so gut wie noch nie. Am Ende sind wir trotzdem ausgeschieden.“ Nun müssten sportliche Schlüsse gezogen werden. Und das habe der Bundestrainer getan. Man werde gerade gegen große Nationen wie Holland und Frankreich jetzt sicher „ein bisschen disziplinierter, ein bisschen kompakter spielen – und erst danach an die Offensive denken. Das war vielleicht bis dahin anders rum.“ Aber auch da müsse man sagen: Der offensive Ansatz habe lange sehr gut funktioniert, so Kroos, und er „hätte eigentlich auch gegen diese Vorrunden-Gegner funktionieren sollen“. Auch wenn die Weltmeister nicht mehr Weltmeister sind – um das ungebrochene weltmeisterliche Selbstverständnis von Toni Kroos und der Nationalelf muss man sich offenbar keine Sorgen machen.

Quelle: F.A.Z.
Michael Horeni
Korrespondent für Sport in Berlin.
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