Nations League Gruppenphase

Frankreich rückt die Verhältnisse gerade

Von Stephan Löwenstein, Wien
23.09.2022
, 14:36
Torschütze zum 1:0: Frankreich Kylian Mbappe
Video
Nach einem 2:0-Sieg gegen Österreich dürfen ersatzgeschwächte Franzosen auf einen Verbleib in Liga A der Nations League hoffen. Dabei beweisen sich viele junge Spieler.
ANZEIGE

Als ihm nach fast einer Stunde Spielzeit endlich der Treffer zum 1:0 gelungen war, machte Kylian Mbappé eine Geste des Dosenöffnens. Das war nur zu verständlich, denn bis dahin war die französische Offensive unermüdlich auf das österreichische Tor angerannt und hatte sich ein Dutzend Möglichkeiten erspielt, doch es war hermetisch verschlossen erschienen wie eben eine Konservenbüchse. Und doch war es genau genommen die falsche Geste.

Eigentlich hätte er andeuten müssen, dass er die Dose auslöffelt. Denn geöffnet hatte sie für ihn ein Spieler von der Gegenseite. Es war der unglückliche Österreicher Marcel Sabitzer.

Gebrochener Bann

In der 56. Spielminute spielte der Profi des FC Bayern vollkommen unbedrängt in der gegnerischen Hälfte einen Rückpass an den Mittelkreis – aber nicht zu einem Mitspieler, sondern zum französischen Mittelstürmer Olivier Giroud. Warum er das tat, wer kann es erklären? Giroud war der Einzige im dunkelblauen Dress dort, kein weißes Hemd weit und breit. Und er hielt sich nicht mit Dankesworten auf, drehte sich, blickte nach links und schickte Mbappé auf die Reise.

ANZEIGE

Nur weil das Anspiel eine Spur zu kurz geraten war, konnte eine Handvoll österreichischer Verteidiger noch zum Strafraum zurückspurten, doch es half alles nichts mehr. Der Angreifer von Paris St- Germain machte im heimischen Stadion einen Schlenker nach rechts, lief an allen Weißen vorbei und schoss den Ball hart und mittig ins Tor. Tatsächlich war damit der Bann gebrochen. Zehn Minuten später traf Giroud mit seiner Paradedisziplin, dem Kopfball, nach einer Flanke des dritten Musketiers der französischen Offensive, Antoine Griezmann, zum Endergebnis.

Video starten04:58
© Youtube

Ralf Rangnick, der deutsche Trainer des österreichischen Teams, ist nicht der Mann, der über einen solchen Fauxpas mit leichtem Schmäh hinweggeht. „Der Zeitpunkt des Gegentores und die Art und Weise, wie wir es ein Stück weit mit vorbereitet haben, war schon sehr ärgerlich“, sagte er nach dem Spiel. Aber auch er musste anerkennen, dass Frankreich um Klassen besser spielte und zur Halbzeit deutlich hätte führen können. Anders als nach dem Hinspiel in Wien im Juni, als der da noch recht neue Teamchef das österreichische Publikum in Staunen versetzte, weil er mit einem 1:1 gegen den aktuellen Weltmeister keineswegs zufrieden gewesen war.

ANZEIGE

Praktisch ein komplettes Team hatte sein französischer Kollege Didier Des­champs wegen Verletzungen ersetzen müssen, von Tormann und Kapitän Hugo Lloris über die zentralen Spieler Paul Pogba und Ngolo Kanté bis hin zu Champions-League-Sieger Karim Benzema. All das wog weniger schwer als auf österreichischer Seite der Ausfall von Konrad Laimer, dem König der Balldiebe.

© Twitter

Womöglich war es sogar ein Vorteil für die Franzosen, dass junge Spieler wie Arélien Tchouaméni oder Wesley Fofana sich anstelle der Arrivierten beweisen mussten. Die Franzosen aber hatten eben eine Halbzeit lang nicht gültig getroffen, und so etwas hat sich auch schon mal gerächt. Von Anfang an beförderten sie mit unbändiger Spielfreude und höchstem Tempo den Ball ein ums andere Mal vor und auf das gegnerische Tor.

ANZEIGE

Doch mal vergaben sie leichtfertig, mal brachten die im Akkord schuftenden Innenverteidiger David Alaba und Philipp Lienhard noch ein Körperteil an den Ball. Oder Torwart Patrick Pentz, beim französischen Verein Stade Reims in Lohn und Brot, wehrte ab. Besonders spektakulär, als er einen Fallrückzieher von Tchouaméni reaktionsschnell an die Latte lenkte und dann, kaum den Boden berührend, erfolgreich in den Nachschuss von Griezmann hechtete.

Wenn-dann-vielleicht-Chancen

Nach der Pause hatte der Ansturm zunächst etwas nachgelassen, ja, die Österreicher kamen sogar zu einer eigenen guten Torgelegenheit. Doch der Wolfsburger Xaver Schlager ist ein tüchtiger Dauerläufer und giftiger Zweikämpfer, wie man ihn braucht in Rangnicks Spielkonzept, aber ein gewiefter Torjäger ist er nicht. Eine präzise und scharf geschnittene Hereingabe vom da noch löblichen Sabitzer ließ er vom Fuß springen, statt den Ball irgendwie aufs Ziel zu drücken.

Kurz darauf wurde aus dem österreichischen Konjunktiv ein französischer Imperativ. Immerhin ließen sie sich nach dem Rückstand nicht hängen und hatten sogar noch ein, zwei Wenn-dann-vielleicht-Chancen. Aber auch Marko Arnautovic, in der Serie A für seinen Klub FC Bologna mit sechs Treffern immerhin derzeit führender Torschütze, fehlte das Vertrauen ins eigene Geschick. Dabei war es für ihn ein besonderes Spiel. Mit 103 Einsätzen zog der Junge aus Wien-Floridsdorf mit Rekordnationalspieler Andreas Herzog gleich.

Für den Wettbewerb der Nations League, den nicht ernst zu nehmen sich doch keiner traut, bedeutet das, dass in der Gruppe A1 die Verhältnisse nicht mehr völlig auf dem Kopf stehen. Frankreich kann im letzten Spiel gegen Dänemark die Blamage eines Abstiegs aus eigener Kraft vermeiden. Österreich muss hingegen am Sonntag im heimischen Ernst-Happel-Stadion gegen Spitzenreiter Kroatien zeigen, dass Rangnicks Einstandserfolg beim Hinspiel in Osijek keine Eintagsfliege war.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Löwenstein, Stephan
Stephan Löwenstein
Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
Sportwagen
Finden Sie Ihren Sportwagen
Ergometer
Ergometer im Test
ANZEIGE