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Aufregung um Neymar – Debakel für Tuchel

Von Tobias Rabe
05.04.2021
, 09:04
Paris verliert vor Duell mit Bayern. Chelsea geht unter. Liverpool stark bei Arsenal. Manchester City eiskalt. Eklat in Spanien. Ronaldo rettet Juve. Sehen Sie Europas Fußball-Wochenende im Video.

Das Titelrennen in der französischen Ligue 1 ist in dieser Saison eine aufregende Sache. Offenbar ein wenig zu aufregend für manch emotionalen Fußballprofis. Gleich vier Mannschaften hoffen noch auf die Meisterschaft. Vor allem in den direkten Duellen der Spitzenteams geht es hoch her. Nun trafen Titelverteidiger Paris Saint-Germain und der erste Verfolger Lille OSC aufeinander und es gab mächtig Wirbel beim Spiel in der Hauptstadt. Am Ende siegte Lille und übernahm die Tabellenführung. Paris verlor vorerst den ersten Platz – und auch Neymar, der sich eine emotionale Entgleisung leistete.

Schon zu Beginn der zweiten Halbzeit sah er die Gelbe Karte, weil er einem Gegenspieler ins Gesicht fasste. Kurz vor dem Ende dann wollte der Brasilianer, nach einem Freistoßpfiff für ihn, den Ball holen, ein Gegner aber blockierte diesen. Neymar stieß den Lille-Spieler um – und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Dass auch Gegner Tiago Djalo einen Platzverweis bekam, weil er das Spielgerät nicht rausrückte, beruhigte die Nerven auch nicht gerade. Während sich Trainer Mauricio Pochettino zurückhielt, sparte die Presse nicht mit Kritik. Neymars Verhalten erinnere an einen pubertierenden Teenager, schrieb France Football: „Entsetzlich!“

Und es ging noch weiter. Für das „verwöhnte Kind“ Neymar sei es endlich „an der Zeit, ein bisschen zu reifen“. Schließlich sei er mit 29 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Für Neymar war es schon der zweite Platzverweis in dieser Saison und bereits sein vierter seit seinem Wechsel nach Paris 2017. Dazu fiel er immer wieder durch seine theatralischen Einlagen auf. Wenn es auf dem Platz kracht, ist der Brasilianer zumeist beteiligt. Dabei hätte er die Sperenzchen aufgrund seiner Klasse nicht nötig. Offenbar aber kann er seine Emotionen in einem hitzigen Spiel oft genug nicht kontrollieren.

Ausgerechnet jetzt geht es zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zum FC Bayern. Das 0:1 im Finale im vergangenen August in Lissabon wie die Tränen bei Neymar sind nicht vergessen. Kann er die Münchner diesmal besiegen mit PSG? Auflaufen darf er, die Sperre nach dem Platzverweis gegen Lille gilt nur in der heimischen Liga. Es wird spannend zu beobachten sein, ob er mit seinem Sturmpartner Kylian Mbappé diesmal an Manuel Neuer vorbeikommt. Im Endspiel schaffte er das nicht. Um weiterzukommen, muss er aber auf jeden Fall seine Nerven besser im Griff behalten.

Nur noch einen Punkt hinter Paris liegt die AS Monaco. Die Mannschaft von Niko Kovac hat sich mit guten Leistungen nach oben gearbeitet. Beim 4:0-Heimsieg über den FC Metz war auch Kevin Volland wieder erfolgreich. Dazu tragen Cesc Fabregas und zwei Mal Wissam Ben Yedder für Monaco.

Olympique Lyon indes erlebte einen Rückschlag im Kampf um den Titel und ist nach dem 1:1 bei RC Lens nur noch auf Platz vier. Nach dem Rückstand durch den früheren Bielefelder Jonathan Clauss gelang Lucas Paqueta für OL immerhin noch der Ausgleich. Bis Lille sind es nun schon fünf Punkte.

In der englischen Premier League kassierte Thomas Tuchel seit seiner Übernahme des FC Chelsea Ende Januar die erste Niederlage – und was für eine! Nach einer Führung flog Thiago Silva vom Platz. Danach brachen die „Blues“ auseinander und verloren gegen Kellerkind West Bromwich Albion 2:5.

Besser läuft es für Manchester City. Die Elf von Trainer Pep Guardiola gewann auch das Topspiel bei Leicester City. Benjamin Mendy und Gabriel Jesus trafen. Der Dortmunder Gegner im Viertelfinale der Champions League liegt 14 Punkte vor Stadtrivale United, der noch ein Nachholspiel hat.

So dominant ManCity in dieser Saison auftritt, so praktizierte es der FC Liverpool vergangenes Jahr. Nun aber muss die Mannschaft von Jürgen Klopp kämpfen, um immerhin wieder in die Champions League zu kommen. Das 3:0 beim FC Arsenal durch zwei Mal Diogo Jota und Mohamed Salah hilft.

Manchester United mühte sich gegen Brighton & Hove Albion zu einem 2:1. Nach Rückstand durch einen Treffer von Danny Welbeck drehten Marcus Rashford und Mason Greenwood die Partie. Für Debatten sorgte die Entscheidung von Trainer Ole Gunnar Solskjaer, Stammtorwart David de Gea nur auf die Bank zu setzen.

In der spanischen La Liga sitzt Real Madrid dem Stadtrivalen und Spitzenreiter Atlético weiter im Nacken. Beim 2:0-Heimsieg über SD Eibar erzielten die „Königlichen“ gleich fünf Tore, doch nur zwei davon wurden auch anerkannt. Marco Asensio und Karim Benzema trafen regulär für Real Madrid.

Das Spiel zwischen dem FC Cádiz und dem FC Valencia wurde nach einem Eklat für mehr als zwanzig Minuten unterbrochen. Grund war ein Rassismus-Vorwurf. Valencias Spieler verließen den Rasen nach einem Streit zwischen Mouctar Diakhaby und Cádiz-Spieler Juan Cala gegeben. Diakhaby war sehr aufgebracht und kam nach Wiederbeginn nicht auf den Platz zurück.

Atlético Madrid strauchelte im Titelrennen und lässt Real Madrid und den FC Barcelona mehr denn je auf den Titel hoffen. Beim schweren Spiel beim FC Sevilla verlor Atlético mit 0:1. Acuna erzielte das Tor. Barcelona kann mit einem Sieg über Real Valladolid am Montag (21.00 Uhr bei DAZN) bis auf einen Punkt heranrücken.

Mit fast einjähriger Verspätung wurde das Pokalfinale ausgetragen. Real Sociedad besiegte durch ein Elfmetertor von Mikel Oyarzábal Athletic Bilbao, das in zwei Wochen eine zweite Chance bekommt – im Finale 2021 gegen den FC Barcelona. Bei San Sebastian feierte vor allem Trainer Imanol Alguacil.

In der italienischen Serie A ist Inter Mailand weiter auf dem besten Weg zum Meistertitel. Mit dem neunten Sieg in Serie baute die Elf von Antonio Conte die Tabellenführung aus. Beim FC Bologna gab es ein 1:0. Mal wieder war der belgische Torjäger Romelu Lukaku mit seinem Tor entscheidend.

Stadtrivale AC Mailand, als Zweiter der erste Verfolger, patzte wieder. Im Heimspiel gegen Sampdoria Genua konnte Milan froh sein, dass es noch zu einem 1:1 durch ein spätes Tor von Jens Petter Hauge reichte. Fabio Quagliarella traf für Genua, das sich danach mit einem Platzverweis selbst dezimierte.

Dauermeister Juventus Turin kann eine erfolgreiche Titelverteidigung so langsam abschreiben. Im Stadtduell mit dem FC Turin reichte es nur zu einem 2:2. Juve liegt schon zwölf Punkte hinter Inter. Federico erzielte das Führungstor, später rettete Cristiano Ronaldo immerhin noch das Remis.

In der niederländischen Eredivisie kämpft die PSV Eindhoven verbissen um Platz zwei. Beim 3:0-Sieg über Heracles Almelo trafen Donyell Malen, Denzel Dumfries und Mohammed Ihattaren. Verfolger AZ Alkmaar ist punktgleich. Mario Götze spielte ebenso 90 Minuten durch wie Nationalspieler Philipp Max.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rabe, Tobias
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
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