Pionierin in WM-Qualifikation

„Die Zeit ist da“ für Ivana Martincic

10.11.2021
, 15:15
Schiedsrichterin Ivana Martincic: „Die Vereine und Spieler brauchen Zeit, um mich zu akzeptieren.“
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Premiere nach 113 Jahren: Ivana Martincic leitet als erste Schiedsrichterin ein Spiel der deutschen Männer-Nationalmannschaft. Bundestrainer Flick findet das gut.
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Vor ihrer Premiere schob Ivana Martincic die ihr eigene Professionalität für einen Moment beiseite. „Das ist eine große Ehre für mich, ich freue mich sehr auf das Spiel“, schwärmte die 36 Jahre alte Schiedsrichterin vor ihrem Debüt bei einem internationalen Männerspiel, ehe sie ihre Emotionen gleich wieder einfing. „Das“, sagte die Kroatin, „würde ja jedem so gehen.“

Den erstmaligen Einsatz einer Schiedsrichterin bei einem Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach 113 Jahren Länderspiel-Geschichte findet Bundestrainer Hansi Flick gut. „Ich freue mich drauf. Dass es passiert, ist ein normaler Vorgang“, sagte Flick bei der Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Mittwoch in Wolfsburg: „Die Zeit ist da, eine Frau bei den Männern das Spiel leiten zu lassen“. Am Vortag hatte die Europäische Fußball-Union (Uefa) bekannt gegeben, dass Ivana Martincic für das deutsche WM-Qualifikationsspiel am Donnerstag (20.45 Uhr/ im F.A.Z.-Liveticker zur Nationalmannschaft und bei RTL) gegen Liechtenstein eingeteilt ist.

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Ein Novum im Männer-Fußball ist der Einsatz der Kroatin freilich nicht. Die Französin Stéphanie Frappart und die Ukrainerin Kateryna Monsul leiteten bereits Ende März Partien in der WM-Qualifikation. In der Bundesliga war die mittlerweile für den englischen Verband als Referee-Expertin tätige Bibiana Steinhaus-Webb die bislang einzige Frau, die Männer-Spiele pfiff. Flick lobte sie als erfolgreiche Pionierin im Schiedsrichter-Bereich. „Wir waren in Deutschland schon Vorreiter und haben es schätzen gelernt“, sagte der 56-Jährige. „Sie hat immer toll performt.“

Ivana Martincic stammt aus der Kleinstadt Koprivnica und spielte früher selbst Fußball. 2008 griff sie auf Anraten ihres Vaters, eines ehemaligen Zweiliga-Schiedsrichters, zur Pfeife – und legte eine rasante Karriere hin. „Am Anfang war es nicht einfach“, bekannte sie gegenüber „Sportske Novosti“, Fußball sei in Kroatien meist noch Männersache, „aber die Erfahrungen haben mich gestärkt“.

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Die 36-Jährige tritt in Wolfsburg nicht zum ersten Mal als Pionierin auf. Am 10. September leitete sie als erste Frau ein Spiel der ersten kroatischen Männer-Liga HNL. Im Oktober pfiff sie das EM-Qualifikationsspiel der U21-Junioren von Lettland gegen San Marino (2:0). Martincic leitete auch schon zwei Testspiele der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Schweden und Italien. Seit 2019 gehört sie der Fifa-Elitegruppe an. Ihr „größter Wunsch“ ist ein Einsatz bei der Frauen-EM 2022 in England und „natürlich“ beim heißen Männer-Klassiker Dinamo Zagreb gegen Hajduk Split.

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Der nationale Verband kämpft für sie und rühmt sich, zur europäischen „Avantgarde“ zu zählen: Neben Kroatien haben aktuell nur Frankreich, Tschechien, Wales und die Ukraine Schiedsrichterinnen in ersten Männer-Ligen. „Die Vereine und Spieler brauchen Zeit, um mich zu akzeptieren“, sagte Martincic vor ihrem Debüt. Schiri-Chef Bruno Maric sprach von einem „historischen Tag“. Zweifel? Keine, behauptet er und stellte klar: „Sie kann das!“

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Quelle: ad./dpa/sid
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