Playoffs vor Qatar 2022

So kurios und knifflig ist der Weg zur WM

Von Tobias Rabe
17.11.2021
, 07:53
Cristiano Ronaldo und Portugal müssen zur WM nach Qatar einen Umweg gehen.
Die DFB-Elf erspart sich das komplizierte Nervenspiel der Playoffs. Zwölf Teams aus Europa hoffen noch – auf eines von nur drei weiteren Tickets für die WM. Besonders kurios ist der Fall Österreich.
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Ziemlich genau ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Qatar am 21. November füllt sich das Teilnehmerfeld der Endrunde. 13 von 32 Mannschaften stehen fest. Neben dem automatisch gesetzten Gastgeber-Team haben Rekordweltmeister Brasilien und Erzrivale Argentinien in Südamerika bereits die Qualifikation erfolgreich absolviert. In Europa haben die zehn Gruppensieger Serbien, Spanien, Schweiz, Frankreich, Belgien, Dänemark, Niederlande, Kroatien, England und Deutschland ihr Ticket gesichert.

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Bis zur Auslosung der Endrunden-Gruppen in Doha am 1. April 2022 stehen weltweit noch diverse Qualifikationsspiele auf dem Programm. In Afrika werden noch fünf Plätze vergeben, in Asien vier, in Südamerika zwei weitere neben Brasilien und Argentinien sowie in Nord- und Mittelamerika drei. Hinzu kommen zwei Teilnehmer aus interkontinentalen Entscheidungspartien. Jede Fußball-Konföderation außer Europa und Afrika stellte ein Team. Wer gegen wen spielt, wird ausgelost. Das klingt etwas kompliziert, ist aber nichts im Vergleich zum Prozedere um die Vergabe der letzten drei europäischen WM-Plätze.

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Nie war der Weg abseits der Gruppensieger so knifflig – und kurios. Zwölf Mannschaften haben nun noch die Chance, sich eines von drei zu vergebenen Tickets für Qatar zu sichern. Erst einmal sind da die zehn Tabellenzweiten der Qualifikationsgruppen: Portugal, Schweden, Italien, die Ukraine, Wales, Schottland, die Türkei, Russland, Polen und Nordmazedonien. Dazu kommen – und nun wird es komplizierter – die beiden besten Gruppensieger aus der vergangenen Nations League, die in der WM-Qualifikation in ihren Gruppen nicht unter den besten zwei Teams waren. Alles klar?

In der Nations League wurden in den vier Gruppen der Liga A Frankreich, Belgien, Italien und Spanien Erster. Diese sind allerdings schon fest qualifiziert oder in den Play-offs zur WM. In der Liga B lagen Wales (16 Punkte), Österreich (13), Tschechien (12) und Ungarn (11) auf den ersten Plätzen. Wales sicherte sich durch Platz zwei in der WM-Qualifikationsgruppe E die Teilnahme an den Playoffs. Die Tschechen und Österreich lagen auf Platz drei (Gruppe E) und vier (F). Durch ihr gutes Abschneiden in der Nations League werden sie nun also mit einer Chance auf die WM-Teilnahme belohnt.

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Die Rangliste aller Nations-League-Teams im Überblick (PDF)

Besonders kurios ist der Fall Österreich. Die Mannschaft des deutschen Trainers Franco Foda wurde hinter Dänemark, Schottland und Israel nur Vierter in der WM-Qualifikationsgruppe. Während Israel keine Chance auf die Teilnahme in Qatar mehr hat, dürfen die Österreicher hoffen. Das liegt daran, dass Österreich seine Gruppe in der Nations League gewann, die Israelis in ihrer nur auf dem dritten Platz landeten. So funktioniert die neue, komplizierte Welt der Europäischen Fußball-Union UEFA. Ziel der schwer zu durchblickenden Regeln ist die Stärkung der umstrittenen Nations League.

Auch der Weg für die Teilnehmer der Playoffs ist kniffliger geworden. Bisher spielten die Teams in Europa in Hin- und Rückspiel einen Sieger aus, der dann zur Endrunde durfte. Das ist nun nicht mehr so, da aus für die zwölf verbliebenen Mannschaften nur noch drei Tickets zur Verfügung stehen. Am 26. November um 17.00 Uhr wird in Zürich gelost. Dann werden die zwölf Teams in drei Gruppen zu je vier Mannschaften gelost. Hier werden zwei Halbfinalspiele ausgetragen; die Sieger erreichen das Endspiel und kämpfen um einen Platz bei der Endrunde der Weltmeisterschaft in Qatar.

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Auch die Auslosung der Playoff-Gruppen ist nicht frei von genauen Regeln. Russland und die Ukraine können aus politischen Gründen nicht als Gegner gelost werden. Ansonsten sind die sechs bestplatzierten Gruppenzweiten in Topf 1 und haben im Halbfinale Heimrecht. Die anderen Teams befinden sich in Topf 2. Da die bisherigen Qualifikationsgruppen teils fünf, teils sechs Teams hatten, werden bei der Reihenfolge die Ergebnisse gegen die Gruppenletzten jeweils gestrichen. Und das sind nun die Töpfe:

Topf 1

Portugal 17 Punkte (17:6 Tore)
Schottland 17 (14:7)
Italien 16 (13:2)
Russland 16 (14:5)
Schweden 15 (12:6)
Wales 15 (14:9)

Topf 2

Türkei 15 (18:16)
Polen 14 (18:10)
Nordmazedonien 12 (14:11)
Ukraine 12 (11:8)
Tschechien (Nations League)
Österreich (Nations League)

Zunächst werden die Mannschaften aus Topf 1 als Heimmannschaften der Halbfinals gezogen. Dann kommen die Teams aus Topf 2 dran und werden nacheinander als Gegner gelost. Die ersten beiden Spiele gehören zu Playoff-Pfad A. Die beiden Sieger stehen im Finale und spielen das Qatar-Ticket in einer Partie aus. Gleiches gilt für die Halbfinals 3 und 4 (Pfad B) und 5 und 6 (Pfad C). Die Halbfinals finden am Donnerstag, 24. März 2022, statt, die Finals am Dienstag, 29. März. Für die Endspiele wird das Heimrecht ausgelost. Alle Anstoßzeiten in den Playoffs werden nach der Auslosung festgelegt. Alle Spiele sind live und exklusiv bei DAZN zu sehen.

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Einigen prominenten Namen droht in den harten Playoffs das Aus. Neben Europameister stehen besonders Portugal mit Cristiano Ronaldo, Schweden mit Zlatan Ibrahimovic und Polen mit Robert Lewandowski im Fokus. Aus deutscher Sicht sind die Ausscheidungsspiele auch ohne die Elf von Bundestrainer Hansi Flick interessant. In der Türkei trägt der frühere deutsche U-21-Trainer Stefan Kuntz die Verantwortung. Und die Österreicher spielen mit einer Vielzahl an Akteuren aus der Bundesliga. Und selbst wenn Ronaldo und Ibrahimovic im Halbfinale aufgrund der Topfeinteilung nicht aufeinandertreffen können. Ein Endspiel der beiden Altstars ist möglich, genau wie ein Duell mit Italien.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rabe, Tobias
Tobias Rabe
Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.
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