Uli Hoeneß

Vollbremsung nach Vollgasstart

Von Roland Zorn
20.07.2010
, 09:34
Kein Mann für die ganze Liga: Uli Hoeneß
Ligapräsident Rauball erfährt als erster vom Verzicht Uli Hoeneß' auf eine Kampfkandidatur. Der Münchner erkennt rasch Widerstände und zieht zurück: „Lieber einmal im Leben Zickzackkurs als drei Jahre unglücklich sein.“
ANZEIGE

Aus Uli Hoeneß' neuer Wunschkarriere an der Spitze der Fußball-Bundesliga wird nun doch nichts. Drei Tage nach der Ankündigung seiner Kandidatur für das Amt des Ligaverbandspräsidenten zog der Präsident des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München am Montag seine Bewerbung prompt zurück. Damit dürfte sicher sein, dass Reinhard Rauball, der Präsident von Borussia Dortmund, die Position behalten und am 18. August in Berlin für drei weitere Jahre wiedergewählt wird.

ANZEIGE

Hoeneß setzte Rauball am Montag von seiner Kehrtwende in Kenntnis und begründete seinen Schritt mit der Rücksichtnahme auf seine Familie, in der seine Pläne auf „massiven Widerstand“ getroffen seien. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ sagte der 58 Jahre alte Schwabe: „Nach intensiven Gesprächen mit meiner Familie am vergangenen Wochenende bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich nicht für das Amt des DFL-Präsidenten - gemeint war wohl die Funktion des Ligapräsidenten, denn die Deutsche Fußball Liga (DFL) kennt kein Präsidentenamt - zur Wahl stelle.“

Hopfner soll nun Nachfolger vor Rummenigge werden

Hoeneß hob zudem noch hervor, dass er als Vormann der gesamten ersten und zweiten Bundesliga „in zu viele Interessenkonflikte“ geraten könne. Daran wäre viel Wahres gewesen, da Hoeneß, von 1979 bis 2009 als Manager des FC Bayern eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs, sich immer wieder zwischen den Forderungen des mächtigsten deutschen Fußballklubs und den Solidaransprüchen der Liga hätte entscheiden müssen. Schließlich gab Hoeneß auch zu bedenken, dass er, falls zum Ligachef gewählt, sein „soziales Engagement, beispielsweise für die Dominik-Brunner-Stiftung nicht mehr ausüben könnte“, weil ihm die Zeit dafür gefehlt hätte.

Fußball-Mann im Zeichen der Liga: Reinhard Rauball bezeugte dem gescheiterten Herausforderer am „Respekt”
Fußball-Mann im Zeichen der Liga: Reinhard Rauball bezeugte dem gescheiterten Herausforderer am „Respekt” Bild: AP

Der FC Bayern München schlägt nun anstelle von Hoeneß Karl Hopfner, den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bayern München AG, zur Wahl für ein Vorstandsamt im Ligaverband vor. Hopfner, einer der profilierten Finanzfachleute der Bundesliga, dürfte beste Aussichten besitzen, demnächst zum Führungsgremium der Liga zu gehören - als Nachfolger des freiwillig aus seinem Ligaamt scheidenden Bayern-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge.

ANZEIGE

„Lieber einmal im Leben Zickzackkurs als drei Jahre unglücklich sein“

Rauball, der im Wissen um die für ihn sprechenden Mehrheitsverhältnisse in den 36 Klubs und Kapitalgesellschaften der Ersten und Zweiten Bundesliga gelassen auf Hoeneß' Kandidatur reagiert hatte, bezeugte dem gescheiterten Herausforderer am Montag „Respekt“. Gegenüber dieser Zeitung verhehlte der 63 Jahre alte Jurist allerdings nicht seine „Überraschung“ ob Hoeneß' raschen Sinneswandels. „Zwischentöne“, die darauf hätten deuten können, dass der Münchner an seiner Ankündigung irgendwelche Zweifel hege, habe er nicht gehört, als ihn Hoeneß am Freitag über seine ursprüngliche Absicht informierte.

Rauball sagte am Montag: „Ich habe mich bei Uli Hoeneß bedankt für die Art und Weise, wie er diese Bewerbung angegangen ist.“ Hoeneß hatte versprochen, den „Zweikampf mit Stil“ zu führen. Entsprechend freundlich verabschiedete sich der Bayern-Präsident auch am Montag von seinen schon länger gehegten und am Wochenende zu Protokoll gegebenen Ambitionen. Rauball hob hervor, dass ihm Hoeneß' Meinung „immer wichtig“ sein werde. Gleichzeitig begrüßte er die Kandidatur Hopfners. „Das ist schön, denn der Branchenprimus sollte in ein solch wichtiges Gremium eingebunden sein. Mit Rummenigge gab es eine konstruktive Zusammenarbeit, und die kann nun mit Hopfner fortgesetzt werden, dessen Kandidatur ich selbstverständlich unterstütze.“

ANZEIGE

Etwa gleiche Zahl der Hoeneß-Befürworter und -Gegner

Hoeneß kapitulierte am Montag wohl auch vor den Mehrheitsverhältnissen in der ersten und zweiten Liga. Ein Sieg des Münchners über Rauball, der sich auf jeden Fall zur Wiederwahl gestellt hätte, wäre unwahrscheinlich gewesen. Vor allem aus der zweiten Liga, der Hoeneß mehr Geld als bisher versprochen hatte (“wenn ich gewählt werde, geht es allen besser“), wären zu viele Gegenstimmen gekommen. Auch in der Ersten Bundesliga hätte sich die Zahl der Hoeneß-Befürworter und der Hoeneß-Gegner zumindest die Waage gehalten.

Die Vollbremsung des Bayern-Präsidenten nach einem mit einigen Interviews befeuerten Vollgas-Wahlkampfstart am Wochenende kommentierte der Kandidat von gestern gegenüber dem „Münchner Merkur“ mit den Worten: „Dann habe ich jetzt vielleicht mal einen kleinen Makel. Lieber einmal im Leben Zickzackkurs als drei Jahre unglücklich sein.“ Die Münchner werden ihre Interessen im Vorstand des Ligaverbandes in der Person Hopfners weiterhin stark und prominent mit denen der Liga zu verknüpfen suchen. Die Gefahr, dass aus der gescheiterten Kandidatur des Uli Hoeneß ein Schaden für die Liga erwachse, scheint damit gebannt. Rauball kann mit dem Großteil seines bewährten Präsidiums weiter zusammenarbeiten, und Hoeneß hat von sich aus alles dafür getan, dass sein Flirt mit der Ligamacht keine atmosphärische Verstimmung hinterließ. Eine gute Grundlage für den Vorstand des Ligaverbandes, sein Gemeinschaftswerk unter Rauballs Führung fortzusetzen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE