Real-Profi vor Eintracht-Duell

Die beeindruckende Wandlung des Vinicius Junior

Von Hans-Günter Kellner, Madrid
10.08.2022
, 17:29
„Ich will hier fünf oder sechs Champions-Titel holen“, sagt Vinicius Junior.
Er ist pfeilschnell und hat noch einiges vor: Vinicius Junior ist erst mit Carlo Ancelotti richtig gut geworden. Die Eintracht muss im Supercup schauen, wie sie seine geschickten Spielzüge verhindern kann.
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Die Abwehrspieler des FC Barcelona konnten nun wirklich nicht sagen, sie seien überrascht worden. Wenn es Tore mit Ansage gibt, dann war dies eins: Toni Kroos winkte, zeigte mit der Hand die Richtung, in die Vinicius Junior starten sollte. Dann spielte er den tödlichen Pass durch die Abwehrreihe des FC Barcelona, der Brasilianer sprintete, zog in den Strafraum und traf zum 1:0.

Das ist schon eine Weile her, 2020 gewann Real diesen Clásico im eigenen Stadion mit 2:0, markierte aber den Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Kroos und dem Brasilianer. Ein Jahr später im Viertelfinale der Champions League gegen Liverpool musste Kroos Vinicius Junior nicht mehr sagen, wohin er rennen soll.

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Pfeilschnell lief Vinicius Junior los

Der Ball rollte ungefährlich durch die Madrider Abwehrreihe, Vinicius Junior stand auf der Höhe der Mittellinie, vor ihm die Viererkette Liverpools, scheinbar ohne böse Absicht. Bis Toni Kroos ihn mit einem Pass aus 40 Metern auf die Reise schickte. Pfeilschnell lief Vinicius Junior auf das Tor des Gegners zu, nahm den Ball mit der Brust mit und zog aus vollem Lauf ab. 1:0 für Real Madrid, am Ende gewann Real 3:1.

So ist es nicht immer. Es wäre ja auch zu einfach, wenn es reichen würde, Vinicius Junior einfach zwei Leute auf die Füße zu stellen, um solche Konter zu verhindern, und Kroos kann seine Pässe nicht nur in den Lauf des Brasilianers zirkeln. Aber es wäre gut für die Erfolgsaussichten der Eintracht im Supercup gegen Real Madrid am Mittwoch (21.00 Uhr/RTL und DAZN), wenn sie solche Spielzüge zu verhindern wüsste. Zumal Vinicius Junior Großes vorhat. „Ich will hier fünf oder sechs Champions-Titel holen“, sagte er in einem auf der Webseite der Uefa veröffentlichten Interview. Den ersten hat sich der 22-Jährige im Sommer mit dem 1:0 gegen Liverpool im Champions-League-Finale schon gesichert.

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Kein Schnäppchen

Als er 2018 von Flamengo nach Spanien wechselte, war er gerade 18 Jahre alt geworden, die Ablösesumme belief sich auf 45 Millionen Euro, kein Schnäppchen, doch im Verhältnis zu den in jenen Jahren gezahlten Beträgen war es eher wenig. Im selben Sommer hatte Real Madrid für Cristiano Ronaldo 117 Millionen Euro aus Turin bekommen. Aber Vinicius Junior war kein fertiger Spieler mit Torgarantie. Eher war er eine Rakete und schwer vom Ball zu trennen, dribbelte sich selbst aber meist ins Toraus. Ihm fehlte der Blick für seine Mitspieler. Außerdem bekam er vor dem Tor regelmäßig weiche Knie.

Drei Spielzeiten spielte Vinicius Junior selten von Beginn an, in seiner ersten Saison machte er sieben Tore, auch die beiden anschließenden Spielzeiten wird er wohl eher als Lehrjahre verbuchen. Ein Jahr nach seiner Verpflichtung wurde ihm auch noch Eden Hazard als Linksaußen vor die Nase gesetzt, scheinbar mit Stammplatzgarantie. Doch der Belgier verletzte sich oft, kam in drei Spielzeiten nicht über 66 Einsätze und sechs Tore hinaus. Vinicius Junior hingegen ist in der vergangenen Saison regelrecht explodiert. Trainer Ancelotti setzte ihn 52-mal ein, meist von Beginn an, er traf 22-mal, und 20 Vorlagen zeigen, dass er seine Mitspieler nicht mehr völlig aus den Augen verliert.

Es fällt auf, dass Vinicius Junior erst mit Carlo Ancelotti so richtig gut geworden ist. Der italienische Coach strahle eine große Gelassenheit und Liebenswürdigkeit aus, er behandele die jungen Spieler, als seien sie seine Söhne, sagt Vinicius Junior. Er ist scheinbar nicht nur gereift, sondern spürt jetzt auch das Vertrauen seines Trainers. Und das gilt nicht nur für ihn. Auch Camavinga (19) und Rodrygo (21) haben sich in der zurückliegenden Saison zu wichtigen Stützen des Teams entwickelt. „Die Zukunft ist schon da“, titelte die Sportzeitung As über die Jungen im Kader Reals.

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Es fällt auch auf, dass Vinicius Junior in einem Interview, das die Uefa im Kontext des Spiels um den europäischen Supercup veröffentlicht, nur kurz und auf Nachfrage auf das Spiel in Helsinki eingeht. Der Supercup sei ein wichtiger Titel, sagt Vinicius lapidar, es sei wichtig, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen. „Wir werden alles unternehmen, den ersten Titel der Saison zu holen.“ Den Gegner dieses Spiels, die Eintracht, erwähnt er an keiner Stelle. So gewinnt man in Madrid den Eindruck, dass Real den Supercup zwar ernst nimmt, aber nicht so richtig den Gegner. Ancelotti hat betont, dass sich die Eintracht längst im Wettbewerbsmodus befindet, während Real in Helsinki sein erstes Pflichtspiel der Saison bestreitet.

Wenn spanische Zeitungen aber über die Frankfurter berichten, dann ist es über das 1:6 gegen die Bayern. Allerdings findet sich in As auch eine Warnung. Die Sportzeitung hat Richard Moar interviewt, ehemals Sportdirektor von Deportivo La Coruña und Hannover 96 und inzwischen Scout bei der Eintracht. Es sei keinesfalls aussichtslos für die Frankfurter. „Unsere jungen Spieler sind ambitioniert und haben nichts zu verlieren. Sie sind enorm motiviert“.

Und vielleicht haben sie ja auch aus dem Spiel gegen die Bayern gelernt und passen besser auf, dass ihnen pfeilschnelle Stürmer wie Vinicius Junior diesmal nicht entwischen.

Quelle: F.A.Z.
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