Gesunde Diät?

Schlemmen wie im Urlaub: die Mittelmeer-Diät

Von Eva Mayer-Wolk
03.07.2002
, 15:35
Frisches Gemüse: Bitte schonend garen
Der einzige Unterschied zum Urlaub: Wenig Olivenöl, viel Rohkost, ein Glas statt einer Flasche Rotwein und nur schonend gegartes.
ANZEIGE

Diäten sind oft einseitig, daher langweilig, ungesund und uneffektiv sowieso. Ganz anders die „Mittelmeer-Diät“: geben Sie den Begriff mal in eine Suchmaschine ein, und Sie erhalten Fundstellen mit unterschiedlichsten Aussagen.

ANZEIGE

Die Mittelmeer-Diät als gesunde Ernährung, als Ruckzuck-Speckweg-Diät, als Schlemmer-Diät, als Ernährung für Diabetiker, als Anti-Krebs-Diät undsoweiterundsofort. Und was ist sie tatsächlich, die Mittelmeer-Diät? Auf jeden Fall sehr lecker und gesund.

Mediterrane Küche: Ursprünglich Diät ungeeignet

Dabei muss man unterscheiden zwischen der hierzulande gepriesenen Ernährungsform „Mittelmeer-Diät“, mit der man abnehmen kann und gleichzeitig gut und gesund isst, und der „Original“-Ernährung in den Mittelmeer-Ländern: Außer der Pasta ist dort nichts mehr al dente, was auf den Tisch kommt.

„Schonend garen“ - sowas hat man im Süden Europas noch nie gehört. „Die mediterrane Küche beinhaltet so ziemlich alles, was deutsche Ernährungsexperten strikt ablehnen“, weiß Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften.

Ernährungssünden en masse

„Als Aperitif ein Gläschen Pastis oder Ouzo. Morgens ein knappes, süßes Frühstück. Mittags statt einer Schüssel Rohkost eine Zwiebelsuppe, überbacken mit fetten Käse, dazu etwas Weissbrot. Als Hauptmahlzeit am Abend schließlich saftiges Fleisch vom Grill, natürlich schön durchwachsen. Das butterweiche (sprich totgekochte) Gemüse schwimmt seit Stunden im Olivenöl und ist kräftig gesalzen. Dazu eine Flasche Retsina, Rioja oder Beaujoulais.“

ANZEIGE

Das positive Lebensgefühl macht den Unterschied

Salz, Fett, Fleisch und Alkohol satt, Gemüse ohne Vitamine und das alles oft noch spät in der Nacht - und trotzdem sind die Südländer schlanker und gesünder als wir gesundheitsbewussten Deutschen. Das offene Geheimnis dabei: der Nährwert ist erst in zweiter Linie wesentlich - die Lebensart, die Einstellung, die Psyche sind viel wichtiger.

Unsereins aber ist in der Wolle noch immer preussisch gefärbt: Strenge und Pflicht sind hui, Spaß, Genuss und Vergnügen pfui. Wir sind ein Leben nach Regeln und Vorschriften gewohnt, auch beim Essen: dies macht dick, das ist ungesund, jenes soll man ganz lassen, und die Informationen darüber, was der Körper braucht, entnehmen wir Nährwerttabellen statt den eigenen Bedürfnis-Signalen.

ANZEIGE

Essen sollte langsamer Genuss sein

Begriffe wie „Genuss“ haben beim verkniffenen Streben nach „Gesundheit“ keine grosse Chance. (Dass dieser Schuss regelmäßig nach hinten losgeht, beweist jeder Diät-Abbruch.) In den Mittelmeerländern isst man in Ruhe, mit anderen zusammen, mit Genuss, langsam und ohne zu schlingen.

Der Rotwein zum Essen ist zwar die Regel, wird aber in Maßen nicht „konsumiert“, sondern „gesüffelt“, und all das bedeutet emotionale Befriedigung einerseits und gute Verdauung andererseits. Essen ist was Schönes, worauf man sich freut, und keine lästige Zeitverschwendung, die auch noch dick macht.

Mittelmeer-Diät: So ähnlich und doch ganz anders

Sich diese Art des Umgangs mit der Nahrung anzueignen, ist für den, der sinnvoll abnehmen (und schlank und gesund bleiben) will, ebenso wesentlich wie die Ernährung selbst. Damit sind wir wieder bei der schon erwähnten „anderen“ Mittelmeer-Diät.

Die zwar angelehnt ist an die Original-Ernährung der Südländer, aber doch den nördlicheren Europäern ein wenig besser angepasst: wenig Fleisch, mehr Fisch und Geflügel, gedämpftes oder vorsichtig gebratenes, jedenfalls noch knackiges, vitaminreiches Gemüse (auch mit Olivenöl, aber maßvoll), viel frische oder getrocknete Kräuter, Getreide, Kartoffeln, Reis und Nudeln in allen Variationen, täglich Obst, moderater Weingenuss, am besten zu den Mahlzeiten.

Hört sich das für Sie appetitlich an? Sehr gut: Sie sind schon auf dem besten Wege, von der Mittelmeer-Diät zu profitieren.

Buchtipp: „Die echte Mittelmeerküche“ von Constanza Seijo, DuMont 2002

Quelle: @bine
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE