43:14 gegen Uruguay

Deutscher Start in Handball-WM ohne Mühe

Von Frank Heike
15.01.2021
, 21:25
Die umstrittene Handball-WM in Ägypten geht für Deutschland mit einem Torfestival los. Neuling Uruguay ist nur ein Spielball. Beim 43:14-Sieg nutzt Bundestrainer Alfred Gislason die Chance, um alle Spieler einzusetzen.

Das 40. Tor wurde besonders laut von der Bank bejubelt. Timo Kastening hatte getroffen und sich damit als Spender einer Runde Kaltgetränke qualifiziert. Der Rechtsaußen der MT Melsungen benötigte für seine neun Tore aus elf Versuchen nur 30 Minuten, denn zuvor hatte Tobias Reichmann auf seiner Position gespielt. Möglichkeiten, etwas auszuprobieren, hatte Bundestrainer Alfred Gislason beim WM-Auftakt der deutschen Handball-Nationalmannschaft genug: Alle 16 Spieler kamen beim 43:14 gegen Uruguay in Gizeh zum Einsatz.

Handball-WM 2021

„Ich bin sehr zufrieden mit der Einstellung. Die Mannschaft hat bis zum Ende durchgezogen“, lobte Gislason in seinem ersten WM-Spiel als Coach Deutschlands. Am Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) geht es für seine Sieben im zweiten Spiel der Gruppe A gegen Kap Verde weiter – trotz einiger Corona-Fälle im Team bestätigte der Weltverband am Freitag, dass der Inselstaat im Turnier bleiben soll. Am Freitag verlor Kap Verde 27:34 gegen Ungarn. Dabei trat die Mannschaft nur mit elf Spielern an.

Die Partie gegen den WM-Neuling aus Südamerika war von Beginn an munter. Gislason schickte seine erste Sieben aufs Parkett der leeren Hassan-Moustafa-Arena; Philipp Weber lenkte die Angriffe, auf den Halbpositionen spielten Julius Kühn und Kai Häfner, außen Uwe Gensheimer und Reichmann sowie Johannes Golla am Kreis. Im Tor begann Johannes Bitter, nachdem Gislason der deutschen Nummer eins Andreas Wolff schon vor einer Woche gesagt hatte, dass er auf die Tribüne rücken würde. „Gegen einen Gegner mit solch unorthodoxen Würfen ärgert sich Andi über jedes Gegentor“, erklärte Gislason in der „ARD“, „das wollte ich ihm ersparen.“

Während die neue Stamm-Abwehr mit Sebastian Firnhaber und Golla gut stand, war der Bundestrainer mit dem fahrigen Angriffsspiel der ersten Hälfte unzufrieden: „Als wir elf Tore hatten, waren schon zehn Fehlversuche dabei“, monierte er, „das war in der zweiten Halbzeit besser.“ Mit 16:4 ging es in die Pause, wobei auffiel, dass Kapitän Uwe Gensheimer den Start ins Turnier wie vor einem Jahr bei der EM verpatzte: Drei freie Würfe kaufte ihm Uruguays Torwart Felipe Gonzalez ab – und der strahlte übers ganze Gesicht.

Gislason wechselte durch, brachte Fabian Böhm und David Schmidt im Rückraum, noch vor der Pause durfte Juri Knorr die Angriffe lenken. Er machte das gut, auch im zweiten Durchgang, und mit nachlassenden Kräften des Gegners kamen die Deutschen zu Gegenstoßtoren über Kastening und Marcel Schiller. 24:6 (39.), 32:9 (50.), ein Kempa vom guten Schmidt zum 36:11 – die Spielfreude war sichtbar. Gleich nach Abpfiff wanderten die Gedanken zum nächsten Spiel. „Wir hören von der Lage bei Kap Verde und fühlen uns nicht wohl mit der Situation“, sagte Vizekapitän Johannes Bitter. Die Afrikaner beklagen vier Corona-Fälle.

Spanien und Kroatien starten mit Remis

Europameister Spanien und der EM-Zweite Kroatien haben bei der Handball-Weltmeisterschaft nur mit Mühe einen Fehlstart abgewendet. Die Spanier kamen am Freitag in der Gruppe B beim 29:29 (16:13) gegen Brasilien ebenso nur zu einem glücklichen Remis wie die Kroaten in der Gruppe C beim 29:29 (14:17) gegen Japan. Der vom früheren Bundestrainer Dagur Sigurdsson betreute Olympia-Gastgeber lag zwischenzeitlich sogar mit sechs Toren in Führung und musste erst wenige Sekunden vor Schluss den Ausgleich hinnehmen. Bester Werfer bei den Kroaten war Marino Maric vom Bundesligaverein MT Melsungen mit sieben Toren. (dpa)

Quelle: F.A.Z.
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